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Ein Papst sucht die Unsterblichkeit

Ein Papst sucht die Unsterblichkeit

Der Mensch der Gegenwart sieht den Papst als Oberhaupt der katholischen Kirche, der das letzte Wort in deren Belangen spricht und ein gesittetes, friedvolles Leben führt. Sein Dasein ist dem Glauben, dem Gebet und der Liebe zur Menschheit gewidmet. In weltlichen Belangen und Differenzen hat er jedoch keinerlei Macht und kann dort nur gütig schlichtend und mahnend auftreten.

Petersdom, Rom, Foto: © Pixabay

Ganz anders war seine Position vor 500 Jahren, im Zeitalter der Renaissance. Diese Päpste hatten derart machtvolle Stellungen, dass sie und ihre Heere an Kriegen beteiligt waren, unumschränkt herrschten und mit dem Druckmittel der Exkommunikation Könige zum Einlenken bei ihren Forderungen zwangen. Alexander VI. (Pontifikat 1492-1503) aus dem Hause Borgia hatte bereits als Kardinal 37 Bistümer und zählte zu den reichsten Männern Europas. Gerüchte besagen, dass er seine Papstwahl um 300.000 Golddukaten erkauft hatte und nachgewiesen sind ihm mindestens 10 Kinder mit verschiedenen Frauen. Den Prediger Girolamo Savonarola, der das weltliche Gehabe der Kirche öffentlich kritisierte, ließ er exkommunizieren, hängen und vor einer riesigen Menschenmenge als Ketzer verbrennen.

 

Der nachfolgende Papst, Pius III., starb nach nur 26 Tagen im Amt und danach wurde derjenige zum Kirchenoberhaupt gewählt, dem unser heutiger Beitrag gewidmet ist: Julius II. (Pontifikat 1503-1513). Auch er agierte mehr wie ein Renaissancefürst als ein Papst, denn er war staatsmännisch, hatte 3 Töchter, und Martin Luther nannte ihn, auf Grund seiner gnadenlosen Kriegszüge, „Blutsäufer“. Was ihn jedoch von seinen Vorgängern unterschied war seine Liebe zur Kunst.

 

Nach der „Mailänder Vereinbarung“ von 313 n.Chr. zwischen dem westlichen Kaiser Konstantin I. und dem östlichen Kaiser Licinius, welche allen Menschen die freie Wahl der Religionsausübung gewährte, ließ Konstantin bis zum Jahre 326 die erste Basilika St. Peter über dem Grab Petrus errichten. In den folgenden Jahrhunderten wuchs das Areal der Kirche um beträchtliche Ausmaße, jedoch wurde das Gotteshaus, auf Grund verschiedener Kriege, immer wieder beschädigt, umgebaut und restauriert.

 

Den gleichen Ehrgeiz, wie bei seinen machtpolitischen Bestrebungen, entwickelte Julius II. auch in seinem Sinn für künstlerische Schönheit. Zu Beginn seines Pontifikats plante der Papst einen Umbau und Erweiterung der Basilika, empfand jedoch, dass die 1200 Jahre alte Kirche nicht mehr der Würde des Ortes, über Petrus Grab, entsprach und entschied sich für einen Neubau, zu dem er, nach dem Abriss von Alt St. Peter, 1506 den Grundstein legte.

 

Das Vorhaben Julius II. für den Neubau, war nicht weniger ambitioniert, als die größte und prächtigste Kirche des Erdkreises zu erbauen. Dazu bediente er sich, gleich einem Fürsten, eines großzügigen Mäzenatentums und bestellte den Begründer der Hochrenaissancearchitektur, Donato Bramante, als Baumeister. Trotz Protesten, auch von Seiten der Kardinäle, waren die Pläne der beiden für eine großflächige Neugestaltung derart ausufernd, dass Papst und Baumeister die Beinamen „der Schreckliche“ und „Meister der Zerstörung“ erhielten.

 

Die enormen Kosten für den Neubau und die Umgestaltung anderer Gebäude finanzierte Julius mit dem Peterspfennig und Verkauf von Ablässen. Nur die berühmtesten Künstler seiner Zeit wurden mit den Arbeiten beauftragt. So berief er Raffael (1483-1520) die päpstlichen Gemächer im Apostolischen Palast, die sogenannten Stanzen, mit großflächigen Bildern auszumalen. Der Italiener schuf wunderbare Bilder, wie in der „Sala die Constantino“ die „Erscheinung des Kreuzes“ und die anschließende „Schlacht an der Milvischen Brücke“ die mit dem Sieg Konstantins endet und den Weg zur Anerkennung des Christentums als Religion ebnet.

 

In der „Stanza di Eliodoro, wo in den beiden Fresken der „Messe von Bolsena“ und der „Verjagung Heliodors aus dem Tempel“, Julius II. als fiktiver Zeuge des Geschehens zugegen ist.

 

Die „Schule von Athen“ in der sich die wichtigsten Philosophen Griechenlands versammeln oder der „Parnass“, auf dem die geistigen Größen der Dichtkunst – Homer, Dante oder Vergil – sich einfinden, schmücken, unter anderen Bildern, die Wände der „Stanza della Segnatura“.

 

In der letzten Stanze „dell´incendio di borgo“, seien als Beispiel für die grandiosen Arbeiten Raffaels der „Borgobrand“ und die „Krönung Karl des Großen“ herangezogen.

 

Den finanziellen Verlockungen Julius II. erlag noch ein zweiten Meister der Hochrenaissance: Michelangelo Buonarroti (1475-1564). Des Papstes Hauptgrund für diese Berufung war das eigene Grabmal, das gigantisch – eine dreigeschossige Pyramide mit bis zu 40 lebensgroßen Statuen – über dem Petrusgrab errichtet werden sollte. Die erste Version war derart monumental, dass die Ausführung in Alt St. Peter unmöglich gewesen wäre und Michelangelo Jahrzehnte daran gearbeitet hätte.

 

Obwohl das Kirchenoberhaupt in seinen Wünschen sehr sprunghaft, und der Künstler ebenfalls ein schwieriger Charakter war, gelang es doch ein wunderbares Projekt von 1508-1512 zu verwirklichen – die Decke der Sixtinischen Kapelle mit Szenen der Genesis auszuschmücken. Dieses Werk zählt, zu Recht, heute zu den bedeutendsten Kunstschöpfungen der Welt.

 

Als Julius II. 1513 starb, sollte es noch 107 Jahre dauern, bis das langwierige Projekt Petersdom die Einweihung erhielt. Das Grabmal fand erst 40 Jahre später, im sechsten verkleinerten Entwurf, in der Kirche San Pietro in Vincoli seinen endgültigen Bestimmungsort und Michelangelo hat vermutlich nur die Figur des Moses eigenhändig ausgeführt. Jedoch ist dieses Monument ein Kenotaph, also ein Scheingrab.

 

Julius II., der Papst, der sich, mit seinem eigenen Mausoleum, ewigen Nachruhm sichern wollte, teilt heute, fast als ironischer Treppenwitz der Geschichte, mit Sixtus IV. ein Grab im Petersdom, unter einer der schlichtesten Marmorplatten.

Euer Kultur Jack!

Beitragsbild: Decke der Sixtinischen Kapelle, Copyright Qypchak

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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