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Louis Comfort Tiffany

Louis Comfort Tiffany

Louis Comfort Tiffany
1848-1933

Die Wende vom 19. zum 20.Jahrhundert gebar eine der beliebtesten Kunstströmungen der Geschichte, den Jugendstil. Nur in einigen Ländern Europas fand diese Entwicklung auch zu ihrer Blüte, jedoch wo sie fruchtete, machten einige Künstler ihre Namen unsterblich: Otto Wagner, Josef Hoffmann, Antonio Gaudi, Charles Rennie Mackintosh, Joseph Maria Olbrich, Emile Gallé, Gustav Klimt, Alphonse Mucha – um nur einige zu nennen.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatten Amerikaner für den internationalen Kunstmarkt noch keine Bedeutung, jedoch dann trat Einer hervor, der den Europäern auf Augenhöhe begegnete: Louis Comfort Tiffany!

 

Bereits sein Vater, Charles Lewis Tiffany, hatte ein Gespür dafür, was den Leuten gefällt und womit man Geld verdienen kann. Die Revolution, 1848 in Europa, führte zu massiven Wertverlusten bei Edelsteinen, Charles investierte in Diamanten, welche er einige Jahre später mit großem Gewinn verkaufte. Das Galanteriewarengeschäft, welches er mit 2 Partnern in New York gründete, benannte er, nach dem altersbedingten Rückzug seiner Compagnons, Tiffany &Co und etablierte damit das hochpreisige Juwelen – Label, welches heute 315 Filialen betreibt. 1887 kaufte Charles sogar einen Teil der französischen Kronjuwelen, und er war k.u.k. Hoflieferant für das Wiener Kaiserhaus.

 

Sein Sohn, und Protagonist unseres heutigen Beitrags, Louis Comfort, erhielt, bereits 14-jährig, eine dreijährige künstlerische Grundausbildung beim amerikanischen Landschaftsmaler George Inness.

 

Nach zwei Europa – und einer Nordafrikareise, wenige Jahre später, war die Qualität seines malerischen Schaffens so hoch, dass er in die National Academy of Design aufgenommen wurde. Zur Zeit seiner Reisen begann er Glasobjekte jeder Art zu sammeln und farbige Kirchenfenster steigerten seine Faszination für die durchscheinende Materie.

 

In seinem Drang nach künstlerischer Produktivität, errang, nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten, die Faszination für Glas die Oberhand und er schuf, bei der Louis Heydt Glass Factory, erste Objekte aus Opalglas.

 

Erfolgreiche Experimente mit Mosaiken und Gläsern führten 1885 zur Gründung der „Tiffany Art Glass Company“. Die Entdeckung neuer chemischer Verbindungen durch ihn, ließ irisierende Gläser von atemberaubender Schönheit entstehen. Louis war außerdem in seiner Firma als Glaskünstler, Kunstgewerbler und Maler tätig. Für seine „Tiffany Favrile Glasses“ erhielt er 1894 ein Patent.

 

Die Glaskreationen Tiffanys erfreuten sich immer größerer Beliebtheit und es blieb nicht nur bei Gebrauchsgegenständen, er entwarf und schuf auch Fenster für Kirchen, Synagogen und zeichnete ebenfalls für die teilweise Inneneinrichtung des Wohnhauses von Mark Twain und des Weißen Hauses in Washington verantwortlich.

 

Drei Entwicklungen verhalfen Tiffany zu Weltruhm.
Zum ersten, seine von ihm erfundene Technik, Glasstücke mit Kupferfolie einzufassen und danach miteinander zu verlöten. Sie gaben, vor allem seinen Lampen, ein noch nicht dagewesenes, dekoratives Aussehen.

 

Weiters die, in die Zeit Tiffanys fallende Entwicklung der Glühbirne durch Thomas Alva Edison. Sie ließ die, in allen Farben geschaffenen Kreationen, in betörender, bis dahin unbekannter Weise erstrahlen. Die Helligkeit der neuen Beleuchtung, ließ auch die Notwendigkeit eines Lampenschirms entstehen und spornte Louis zu immer neuen Meisterwerken an.

 

Der dritte Punkt war, meiner Meinung nach, der Wichtigste, um den Schöpfungen Tiffanys zu Weltruhm zu verhelfen – die Entstehung des Jugendstils. Die dekorativen Elemente und floralen und naturverbundenen Merkmale dieser Kunstrichtung ließen eine ungeheure Bandbreite an Möglichkeiten Wirklichkeit werden. Alles aus dem Bereich der Flora und Fauna war denkbar und auch der Realisierung würdig.

 

Bei der Herstellung von Glasfenstern für Kirchen oder Wohnhäuser ging Louis neue „alte“ Wege, denn er griff auf die gotische Bleiverglasung zurück, die aber mit seinen gezeigten Themen wunderbar harmonierte.

 

Den großen Bekanntheitsgrad erreichte Tiffany, in erster Linie, mit seinen Luster und Lampen, jedoch entwarf Louis auch Inneneinrichtungen, Keramik, Spiegel, Bronzefiguren, dekoratives Silber, Schmuck und noch etliche andere Gegenstände.

 

1902 starb sein Vater und Louis Comfort wurde der Besitzer des New Yorker Juwelierunternehmens. An den heutigen Standort, in der Fifth Avenue, übersiedelte das Geschäft aber erst 1940.
Die folgenden zwei Jahre war Tiffany mit seinen Objekten bei den Weltausstellungen in Chicago und St. Louis vertreten.

 

Der Künstler engagierte sich jedoch auch für Sozialprojekte und gründete 1918 eine Stiftung für junge Künstler. Im Alter zog er sich weitgehend aus der Gesellschaft zurück und 1933 starb Louis Comfort Tiffany, 85-jährig, in New York.

 

Die Legende besagt, dass der Künstler bei seinen frühen Ägyptenreisen, durch die gläsernen Grabbeigaben der Pharaonen zu seinen ersten Schöpfungen inspiriert wurde. Keine Legende ist jedenfalls, das seine Glaskreationen zu den schönsten und exklusivsten Objekten des Jugendstils zählen und heute hoch bezahlte und gesuchte Objekte der Sehnsucht sind.

 

Das Kerngeschäft des heutigen Hauses Tiffany liegt zum größten Teil im Juwelen-Segment und die Lampen- und Glaserzeugung, in der damaligen Form, existiert nicht mehr. Aber etliche Unternehmen bieten bis heute, mit großem Erfolg, Glas im Tiffany-Stil an.

 

Für uns Kunstinteressierte sind diese Objekte, heute wie damals, eine Symbiose aus handwerklichem Können auf höchstem Niveau und vollendetem Geschmack!
Euer Kultur Jack!

Foto Beitragsbild: Covered Box, Metmuseum.com

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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