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Ein Spiel für jedermann!

Ein Spiel für jedermann!

 

Brettspiel für den „langen Puff“

Liebe Leute, jeder von uns, und sei es auch nur in der Kindheit oder Jugend, hat schon mindestens einmal ein Brettspiel gespielt. Vom Bundespräsidenten bis zum normalen Arbeiter macht da niemand eine Ausnahme. So ist das heute und so war es vor 500 Jahren.

Und da auch Kaiser davon nicht ausgenommen waren, zeigt unser heutiges Kleinod ein Spiel aus dem Besitz des Habsburgers Ferdinand I. (1503-1564, Kaiser ab 1558). Es ist ein Vorläufer unseres „Back Gammon“, misst 56 cm im Quadrat und zeigt eine wundervolle Holzschnitzerei. Der ausführende Künstler war Hans Kels d. Ältere aus der bayrischen Stadt Kaufbeuren, und er hat es im Jahre 1537 signiert und datiert.

Die linke Außenseite des Bretts zeigt im Zentrum Ferdinand I. in Rüstung zu Pferd und in den angrenzenden Medaillons enge Verwandte.

 

 

Das F der Initialen bezieht sich auf ihn selbst und das A auf seine Gattin Anna. Umschlossen ist sein Abbild mit dem „Orden vom goldenen Vlies“, dem prominenten Hausorden der Habsburger.

 

Eingefasst ist das Spiel mit Früchten, Blätter, Wappen der Besitzungen und in den Eckmedaillons sind die Herrscher der 4 großen Weltreiche abgebildet: Cyrus, der Perser, Ninus, der Assyrer, Alexander, der Grieche und Romulus, der Römer.

 

 

Die Schnitzereien der rechten Außenseite des Bretts sind in gleicher Weise angeordnet, nur widmen sie sich Ferdinands Bruder und Vorgänger als Kaiser des Reiches, Karl V.

 

Die vier engen Verwandten sind diesmal ausschließlich habsburgische Vorfahren, welche fast allesamt am kaiserlichen Thron saßen.

 

Die Ecken der Bordüre füllen nun Kaiser des antiken Rom: Augustus, Cäsar, Trajan und Konstantin. Selbstverständlich fehlt auch hier nicht das „goldene Vlies“.

 

 

Die Innenseite, der mit Bronzescharnieren zusammengehaltenen Holztafeln, ist das Spielfeld des „langen Puff“.  Kostbare Intarsien bilden den Spielplan, an dem sich, überraschenderweise, bis zum heutigen „Back Gammon“, so gut wie nichts verändert hat.

 

Die wunderbar gestaltete Bordüre ist mit floralen Ranken und Szenen aus der Tierwelt geschmückt. Unterbrochen sind diese Szenen durch Medaillons mit mythologischem Inhalt.

 

 

Äußerst fein geschnitzt, so wie das komplette Spiel, sind die 32 Spielsteine mit 6,5 cm Durchmesser, deren ebenfalls mythologischer Hintergrund, sich auf die Medaillons der Bordüre beziehen.

So werden wir Zeugen wie Dalida Samson sein Haar abschneidet und ihm damit seine Kräfte raubt, oder Kleopatra sich selbst richtet.

 

Ebenso wie die Jungfrau Cloelia den Tiber durchschwimmt oder Danae im Goldregen steht.

 

Oder zeigen sie uns wie sich Daphne, auf Grund der Bedrängung durch Apollo, in einen Lorbeerbaum verwandelt, aber auch den mit Galathea verbundenen Kyklopen, Polyphem, im Blutstrom.

 

Interessierte finden in der Online-Sammlung des Wiener Kunsthistorischen Museums, alle 32 exquisit gestalteten Steine des Spiels abgebildet.

Liebe Leute, Schnitzkunst auf derart hohem Niveau, bedarf schon einer sehr professionellen Hand. Ein falscher Schnitt auf einem 6,5 cm großen Stein bedeutet, dass er verdorben ist. Wie hoch die Qualität wirklich ist, zeigt sich am Besten durch einen Vergleich – das Medaillon von Ferdinands Urgroßvater „Karl dem Kühnen von Burgund“ und einem gemalten Portrait desselben, aus dieser Zeit, zeigt doch eine verblüffende Ähnlichkeit.

 

Jörg Breu d. Ältere und sein Sohn, beide aus Augsburg, kommen für den Entwurf der Arbeit in Frage. Verschiedene, erlesene Hölzer wurden für die Verfertigung verwendet: Eiche, Nuss, Palisander, Rosenholz sowie Mahagoni.

Falls der eine oder andere Leser mit dem Namen des Spiels zwielichtige Etablissements assoziiert, liegt er keineswegs falsch. Die Bezeichnung „Puff“ ahmt das Geräusch der fallenden Würfel nach. Spielbretter konnten sich im Mittelalter nur sehr Wenige leisten, deshalb besaßen „Freudenhäuser“ welche, um Kunden anzulocken – so gingen dann die Männer „zum Puff“, und dieser Vulgärausdruck hat sich komischerweise bis heute erhalten.

 

Liebe Leute, man sieht, dieses Spiel hat der einfache Arbeiter, sowie der Kaiser gespielt, und somit ist es wirklich ein Zeitvertreib für jedermann, meint,

Euer Kultur Jack!

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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