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1001 Nacht in Europa

1001 Nacht in Europa

                                                                             Orientalismus

 

Die Geschichte der Malerei ist ein langer, ruhiger Fluss. Seit dem Beginn von bildnerischen Darstellungen lernten die Künstler, auf die ihnen entsprechende Weise, ihr Handwerk. Das Werk derer, die vor ihnen waren, hatte Wichtigkeit, denn es zeigte, in jedem Jahrhundert, was durch die Begriffe „gegenwärtig“ und „modern“ erreicht war. Daran konnte jedermann anknüpfen um zeitgemäß zu malen, oder, wie manch schöpferische Größe, das Erreichte weiterentwickeln und den entscheidenden kunstgeschichtlichen Schritt vorwärts machen. So war es seit der Höhlenmalerei bis zur heutigen Installationskunst. Ohne das Erste, wäre das Letzte nicht möglich gewesen.

Seltene Möglichkeiten aus diesem Kreislauf auszubrechen, boten gesellschaftliche und künstlerische Modeerscheinungen – so eine war der Orientalismus.

Als Napoleon 1798 zu seinem Ägyptenfeldzug aufbrach befanden sich außer Kriegsgerät und Soldaten auch Wissenschaftler, Schriftsteller, Forscher, Journalisten und Künstler in seinem Tross. Die Aufgabe der Letztgenannten war, die Kultur und Lebensweise der Ägypter zu dokumentieren. Das Ergebnis war ein ab 1809 erscheinendes, 22-bändiges, aufwendiges, prächtiges Nachschlagewerk, welches, zuerst in Frankreich, mit großer Begeisterung aufgenommen wurde.

Aus diesem neuen Blick auf den Orient entstand ein Trend und dieser entwickelte sich zu einem Hype, der auf alle Kunstrichtungen, wie Musik, Architektur und Malerei übergriff und schließlich ganz Europa erfasste. In diesen Kunstströmen wurde er so populär, dass sich für ihn sogar ein eigener Begriff – „Orientalismus“ – entwickelte.

Zusätzliches Interesse am Orient wurde noch durch den Kolonialismus der europäischen Staaten, den Bau des Suez-Kanals und Weltausstellungen genährt.

Man muss jedoch auch betonen, dass anfangs die beliebten Haremsszenen oder Alltagsdarstellungen in den Köpfen und Ateliers entstanden, denn die meisten Kunstschaffenden waren nie vor Ort.

Liebe Leute, durch die Fülle an Orient-Malern werden wir uns in unserem Kulturblog auf den deutschsprachigen Raum begrenzen und Künstler auswählen, die auch an dementsprechenden Orten waren.

Der bedeutendste, österreichische Orientmaler war Leopold Carl Müller (1834-1892). Er verwirklichte 9 Ägyptenaufenthalte und vermittelte den Europäern die Fremdartigkeit des Landes sehr anschaulich.

 

Einer seiner erfolgreichsten Schüler war Charles Wilda (1854-1907). Die wichtigste Rolle in seinen Bildern spielte das Alltagsleben in Kairo.

 

Der bekannteste Deutsche dieses Genres war Gustav Bauernfeind (1848-1904). Er besaß einen sehr authentischen Einblick, wie seine Markt- und Straßenszenen zeigen. Das darf uns aber nicht verwundern, denn er übersiedelte mit seiner Familie 1898 nach Jerusalem.

 

Der, in Frankreich beheimatete, österreichische Künstler Rodolphe Ernst (1854-1932) wählte beide Wege. Er schuf Bilder auf Grundlage seiner Marokko-Reise aber auch nach fotografischen Motiven.

 

Ferdinand Max Bredt (1868-1921) unternahm von Deutschland aus Reisen nach Tunesien und in die Türkei. Leidenschaftlich  schuf er vornehmlich Haremsszenen und Odalisken.

 

Der österreichische Maler Daniel Israel (1859-1901) bereiste Palästina, die Türkei und Ägypten. Seine Arbeitsweise beruhte auf  Vorzeichnungen des Alltags ,vor Ort, die er später in seinem Münchner Atelier zu Gemälden verarbeitete.

 

Auch Eugen Bracht (1842-1921) hielt sich im Nahen Osten und Nordafrika auf, versuchte aber nicht, wie viele andere, die Phantasien der Europäer zu bedienen sondern den Realismus des Alltäglichen festzuhalten.

 

Franz Xaver Kosler (1864-1905) Werke wurden sogar in Kairo ausgestellt, er schuf neben Straßenszenen vorwiegend Porträts.

 

Einen den es immer wieder nach Ägypten zog war Otto Pilny (1866-1936); er wurde 1906 Hofmaler des ägyptischen Vize-Königs. In vielen seiner Bilder präsentiert sich die Wüstenlandschaft in stimmungsvoller Atmosphäre.

 

1885 wurde der Österreicher Rudolf Swoboda Hofmaler der englischen Königin Victoria. Die Selbe schickte ihn 1886 nach Indien um einheimische Handwerker künstlerisch zu verewigen.

 

Liebe Leute, die Liste der Orient-Maler wäre lang, jedoch einige Details ihrer Gemälden schaffen eine Gemeinsamkeit: kräftige, prachtvolle Farbigkeit, stimmige Lichtverhältnisse, opulente  Ausstattungen und die scheinbare Sinnlichkeit des Orients.

Man muss sich nicht wundern, dass die Entdeckung dieser 1001 Nacht – Mythen fast in einer Hysterie endete, denn wenn man die Bilder heute betrachtet, erwecken sie noch immer eine Sehnsucht nach dieser fremdartigen Schönheit, empfindet,

Euer Kultur Jack!

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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