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Rudolf Wacker und die „Neue Sachlichkeit“ in Österreich

Rudolf Wacker und die „Neue Sachlichkeit“ in Österreich

Die Existenz eines Künstlers ist oft von Entbehrungen, Rückschlägen und Enttäuschungen geprägt – zumindest anfangs. Qualität und Talent, in Verbindung mit einem Quäntchen Glück können die Situation jedoch wesentlich verbessern und zum Erfolg führen. Das es auch anders kommen kann, erfuhr der Protagonist des heutigen Beitrags unseres Kulturblogs, der 1893 geborene Rudolf Wacker.

 

Der Künstler:
Bereits im Gymnasium entdeckte Rudolf seine Passion für das Malen, und hatte das Privileg,  der freien Berufswahl seitens seiner Eltern Nach einem Beginn an der Fachschule für gewerbliches Zeichnen in Bregenz übersiedelte der junge Mann nach Wien, um die Malerakademie zu besuchen. In der Hauptstadt wurde er jedoch mit dem Umstand konfrontiert, dass er die Aufnahmeprüfung der Akademie nicht schaffte.

 

Um unter dem Maler Albin Egger Lienz zu studieren wechselte er 1911 an die Hochschule für Bildende Kunst in Weimar, wurde aber 3 Jahre später, mit Ausbruch des 1. Weltkrieges, zum Militär eingezogen. An der Ostfront geriet er in russische Gefangenschaft und verbrachte die nächste 5 Jahre in sibirischen Straflagern. Die Kriegserlebnisse prägten den Künstler und seine Arbeit nachhaltig.

 

1920, zurück aus der Gefangenschaft, zog es ihn nach Berlin, wo er mit dem Kreis der deutschen Expressionisten bekannt wurde, und sein Stil sich dieser Kunstrichtung zuwandte. Bis zu diesem Zeitpunkt noch Graphiker, widmete sich Wacker nun der Malerei und es entstand sein erstes Stillleben. Er heiratete 1922 die Deutsche Ilse Moebius, die zeitlebens ein Thema in seinen Bildern war.

 

Das Vorarlberger Landesmuseum zeigte ein Jahr später einige seiner Bilder, sie wurden jedoch von der Kritik nicht gut aufgenommen. Das Ehepaar übersiedelte wieder nach Österreich, der konservative Geschmack hier, war aber moderner Kunst nicht eben förderlich und erst 1924 verkaufte Rudolf Wacker sein erstes Bild.

 

Um sich Ausstellungsmöglichkeiten zu verschaffen, gründete er mit anderen Künstlern der Bodenseeregion die Gruppe „Der Kreis“. Kontinuierlich entfernte er sich vom Expressionismus und begann, unter dem Einfluss der in Deutschland entstehenden „Neuen Sachlichkeit“, seinen Malstil wesentlich zu verändern.

 

Wacker plagten lebenslang finanzielle Sorgen und er wurde zeitweise, um seine um ein Kind angewachsenen Familie zu versorgen, von seinem Elternhaus unterstützt. Der Versuch eine Professur an der Wiener Akademie zu erhalten scheiterte, er wurde nicht mal in Betracht gezogen. Dass die Galerie Belvedere eines seiner Stillleben ankaufte und dieses dann auf der Biennale von 1934 ausgestellt wurde, gilt als sein größter Erfolg. Von 1936 bis 1938 lehrte er, als Dozent, Aktzeichnen an der Gewerbeschule in Bregenz.

 

Schockiert kehrte er 1937 vom Besuch der Ausstellung „Entartete Kunst“ aus München zurück, da er dort alle seine Vorbilder und Freunde des Expressionismus vertreten sah. Er forderte einen offiziellen Protest der österreichischen Künstlerschaft gegen die Verleumdung Oskar Kokoschkas, musste sich aber eine Ohnmacht gegenüber dem politischen System eingestehen.

 

Nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland wurde Wacker ein Naheverhältnis zum Kommunismus unterstellt. Bei einer Hausdurchsuchung erlitt der Künstler einen Herzanfall und bei einem Verhör durch die Gestapo einen zweiten. Einige Monate später starb Rudolf Wacker, mit nur 46 Jahren, in seinem Elternhaus in Bregenz.

Das Werk:
Zeitlebens orientierte sich Rudolf Wacker an den Kunstströmungen des deutschen Nachbarlandes. Anfangs dem Expressionismus verhaftet, fand er seine endgültige Definition in der aufkommenden Stilrichtung der „Neuen Sachlichkeit“. Wie alle Vertreter dieses Stils, sah er darin einen künstlerischen Weg aus den Wirren des Krieges, und zur Rückbesinnung auf den Gegenstand und das klare Bildkonzept.

 

Dieser Weg führte zur erneuerten Wertschätzung des Porträts, sowie der Stadtvedute und des Stilllebens. So wie alle seine Mitstreiter malte auch Rudolf Wacker in den Lasurtechniken eines Albrecht Dürers oder Jan van Eyck, setzte sich aber kritisch mit seiner Zeit auseinander, indem Gegenstände seiner Stillleben Beschädigungen aufweisen. Die altmeisterliche Technik kombiniert mit der Auswahl der Objekte lassen einen etwas surrealen Eindruck entstehen.

 

Liebe Leute, die Auseinandersetzung mit den Bildern Rudolf Wackers lassen den Betrachter ein wenig nachdenklich und unsicher zurück, erzeugen aber auch Bewunderung für die klare Linie und kräftige Farbgebung. Dass aber ein Künstlerleben seine volle Würdigung erst posthum erfährt – Wacker zählt heute zu den bedeutendsten Vertretern der „Neuen Sachlichkeit“- lässt auch ein wenig Mitleid und Traurigkeit aufkommen.
Euer, Kultur Jack!

Beitragsbild: kulturonline.net

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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