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Giovanni Boldini

Giovanni Boldini

„Porträts sind langweilig“

So dachte ich als Jugendlicher – schließlich war nur eine Person auf dem Bild, die ich, meistens, nicht einmal kannte.
Liebe Leute, diese Meinung hat sich bei mir sehr gewandelt!

Die  Porträtmalerei ist eine der Königsdisziplinen  der schönen Künste. Sie erfordert ein hohes Maß an Können, denn so ziemlich jeder Auftraggeber möchte, als minimalstes Ergebnis,  dass es ihm ähnelt. Meistens soll es ihm auch noch schmeicheln.  So war unser Bundespräsident Theodor Körner nicht unbedingt erfreut  über sein Porträt, das Oskar Kokoschka von ihm malte, obwohl es ihm ähnelte. Ich vermute, die Zeit war noch nicht reif genug dafür, denn es ist ein beeindruckendes Bildnis, mit  dynamisch, expressivem Hintergrund.

Foto:©Oskar Kokoschka, Portrait Bundespräsident Dr. Theodor Körner, 1949, LENTOS Kunstmuseum Linz

 

Ein wirklicher Könner dieses Fachs bildet nicht nur die Erscheinung eines Menschen, sondern porträtiert auch seinen Charakter und seine Seele. Ein gutes Beispiel dafür ist das Porträt Papst Innozenz X,  welches Diego Velazquez um 1650 von ihm schuf.  Innozenz X war kein gütiger Papst, er ließ die Stadt Castro, nach deren Kapitulation, dem Erdboden gleichmachen. Und genau diese Härte seines Wesens hat Velazquez meisterlich zum Ausdruck gebracht.

 

Wir, liebe Leute, bekommen es heute aber mit einem anderen Meister dieses Genres zu tun: Giovanni Boldini (1842-1931).

 

Giovanni wurde in Ferrara in eine Malerfamilie geboren, und diese förderte sein Talent schon in jungen Jahren.
Er studierte 6 Jahre in Florenz, und im Sog der Impressionisten entwickelte er einen Hang zur Freilichtmalerei. Malte er anfänglich auch Landschaften, entwickelte sich im Laufe der Zeit immer mehr sein Talent und seine Leidenschaft zum Porträtisten.

 

Durch sein Können hatte er bereits in seiner florentinischen Zeit durch Aufträge ein sehr gutes Auskommen.
In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts übersiedelte er für ein Jahr nach London, fand schnell Zugang zur eleganten  und auch adeligen Gesellschaft, und etliche davon saßen ihm Modell.
1872 ging er nach Paris, wo er seine Heimat fand und bis zu seinem Lebensende lebte und arbeitete.  Er machte die Bekanntschaft von James Mc Neill Whistler und John Singer Sargent und schloss Freundschaft  mit Edgar Degas.
Die 80er Jahre sahen ihn als einen der erfolgreichsten Porträtisten seiner Zeit, und die Welt der Schönen und Reichen bemühten sich um Sitzungen bei ihm.

 

Seine Bilder haben etwas Zeitloses und wären, fast 90 Jahre nach seinem Tod, in Magazinen wie Harper´s Bazaar oder Vogue, noch immer „Eyecatcher“ .

 

Boldini verstand es meisterlich seine Figuren in Pose zu setzen und oft verliert sich der Hintergrund seiner Bilder, im Expressiven. Eine exklusive Aura umgibt die Abgebildeten und sie verströmen weibliche Grazie.
Aber gleichrangig zu seinem Können als Porträtist ist die Beschaffenheit und Darstellung der Kleidung. Sie erscheint nur  skizzenhaft hingeworfen und ist doch überreich in der Abbildung. Die Optik und Haptik der Stoffe suggeriert uns hochpreisige Qualität, und vermittelt der Trägerin das Gefühl, die Königin dieser Nacht gewesen zu sein, in der sie es trug.

 

Von allgemein höherem Bekanntheitsgrad dürfte dieses Porträt von Giuseppe Verdi sein, das auch seinem Pinsel entsprungen ist!

Foto:©“De 1813 – Nació Giuseppe Verdi“, by Eduardo Ruíz-Healy

 

Giovanni Boldinis Porträts waren eine Aufwertung für jedes Zuhause und gaben den Frauen das Gefühl einzigartig zu sein!Als er 1931 starb hatte er ein sehr erfolgreiches Künstlerleben hinter sich und seine Werke sind heute, in öffentlichen sowie privaten Sammlungen, über die ganze Welt verstreut.

Nebenbei sei noch erwähnt, dass im Jahr 2010, in einem 70 Jahre lang leer stehenden Appartement in Paris, das Ölporträt der „Madame de Florian“ entdeckt wurde. Es wurde im selben Jahr zum Rekordpreis von 1,7 Millionen Euro versteigert.  Dieses Ereignis machte Michelle Gable 2014 zum Thema ihres Buches „A Paris Apartment“.

Foto:©http://beautyandcuriosity.tumblr.com/post/34163813477/giovanni-boldini-marthe-de-florian-at-24-1898

 

 

Dieser Beitrag ist, vom Blickwinkel der Geschlechter aus gesehen, sehr gerecht verteilt. Den Männer zeigt er eine bezaubernde und betörende Damenwelt und den Frauen Mode und Schönheit auf erlesenem Niveau, findet

Euer Kultur Jack!

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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