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Suzanne Valadon – Künstlerin und Muse

Suzanne Valadon – Künstlerin und Muse

                                                 

Kunstgeschichtlich gesehen, ist das bedeutendste und interessanteste Stadtviertel in Europa, wohl der Hügel von Montmartre in Paris. Nirgendwo sonst gab es, Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, so viel zusammengeballtes künstlerisches Talent, auf relativ kleinem Raum. Ob Impressionisten, Expressionisten, Kubisten – alle lebten und arbeiteten dort und kannten einander.

 

Montmartre war ein Dorf, am Rande von Paris, das 1860 mit zwei anderen Dörfern, zum 18. Pariser Stadtbezirk zusammengezogen wurde. In diese Idylle zog, zehn Jahre nach der Eingemeindung, die fünfjährige Suzanne Valadon, deren damaliger Vorname noch Marie-Clémentine war, mit ihrer Mutter.

 

Elfjährig musste sie die Klosterschule, die sie besuchte, verlassen, und eine Ausbildung beginnen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, Anfangs schmückte sie Hüte, später war sie als Gemüseverkäuferin, und auch als Servierkraft tätig. Ihr Traum jedoch, war Artistin in einem Zirkus zu werden. Aber dieser Traum war bald zu Ende, als sie vom Trapez stürzte.
Inzwischen hatte sich die Fünfzehnjährige zu einem bildhübschen Mädchen entwickelt, der Hügel von Montmartre war ihr vertraut und sie hatte viele Maler kennengelernt. Angeblich sollen zu dieser Zeit ungefähr 14.000 Künstler dort gelebt haben, und die Nachfrage nach (Akt)-Modellen war sehr groß. Sie begann als Künstlermodell zu arbeiten, und war bald sehr begehrt.

 

Als lebenslustiges, freigeistiges Geschöpf, und da es damals eher die Regel, als die Ausnahme für Modelle war, hatte sie mit vielen ihrer Auftraggeber auch ein, über die Arbeit hinausgehendes, Verhältnis. Etliche Künstler, die später zu Weltruhm kamen, waren darunter. Sieben Jahre lang war sie Modell für Auguste Renoir, und er hat sie auf etlichen seiner Bilder verewigt.

 

Da Henri de Toulouse – Lautrec, mit dem sie eine außergewöhnliche Liebesbeziehung hatte, ihr Vorname zu bieder war, gab er ihr den Künstlernamen „Suzanne“. Mit 17 wurde sie schwanger, und obwohl seine Vaterschaft nicht sicher war, bekannte sich der Kunstkritiker Miguel Utrillo zu dem Kind, und der Sohn Maurice wurde geboren.

 

Was ihre Auftraggeber nicht wussten, war, dass sie ihnen allen beim Malen auf die Finger schaute, und ihre Techniken und Arbeitsweisen studierte. Sie zeichnete bereits eine Zeitlang selbst, als Toulouse-Lautrec zufällig eine Zeichnung von ihr entdeckte und so beeindruckt war, dass er sie bei seinem Idol Edgar Degas einführte. Auch Degas begeisterte sich für ihre Arbeiten, es entwickelte sich eine dauernde Freundschaft, und er lehrte sie die Kunst der Radierung. Er kaufte etliche ihrer Zeichnungen, ebnete ihr den Weg zu Pariser Kunsthändlern und Sammlern, und Suzanne begann färbig zu malen.

 

1893 hatte sie eine intensive Liebesbeziehung mit dem Komponisten Erik Satie, und ein Jahr später ihre erste Ausstellung im Salon de Nationale. Ihr Sohn Maurice war, auf Grund ihrer Modelltätigkeit, bei ihrer Mutter aufgewachsen, und hatte, schon als Jugendlicher, eine starke Alkoholabhängigkeit entwickelt. Um ein konstantes Umfeld für Maurice zu bilden heiratete sie 1896 den wohlhabenden Bankkaufmann Paul Mousis, und die Familie zog in die Umgebung von Paris. Von dort fuhr sie jeden Tag in ihr Pariser Atelier und ihrem Sohn ermunterte sie, nach einer Entziehungskur, sich mit Malerei zu therapieren.

 

Maurice erfuhr Freude durch die malende Tätigkeit, worin er auch mit seinen Impressionen von Montmartre bald erfolgreich war, jedoch psychische Erleichterung verschaffte sie ihm nicht, und seine Alkoholsucht begleitet ihn lebenslang. Auch Suzanne war für das alltägliche Eheleben nicht geschaffen, und 1909 krempelt sie ihr Leben nochmals kräftig um.

 

In diesem Jahr lernt die 44-jährige, den um 21 Jahre jüngeren Malerkollegen und Freund ihres Sohnes, Andre Utter kennen und lieben. Er wurde ihr Modell und Liebhaber, sie trennte sich von ihrem Mann Paul Mousis, und nahm Maurice mit nach Paris.

 

Das neue Leben schlug für alle drei Beteiligten neue Seiten auf. Suzanne stürzte sich in die Malerei und ihre besten Werke entstanden und erstmals besuchte sie systematisch Ausstellungen und Museen. Von den Reisen, die sie jetzt unternahm, brachte sie etliche Landschaftsdarstellungen mit. Maurice, Andre und sie führten eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft am Montmartre, die mit keiner bürgerlichen Konvention etwas gemein hatte. Lange weigerte sich Suzanne, da sie von der Ehe genug hatte, Andre zu heiraten, tat es aber doch, am Abend, bevor er in den Krieg eingezogen wurde.

 

Ihre finanzielle Situation entwickelte sich so günstig, dass sie ein verfallenes Schloss für die Sommermonate kaufte, wobei aber die Haupteinnahmequelle die Bilder von Maurice bildeten. Obwohl auch Suzanne bereits über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt war und bei einer Galerie unter Vertrag stand, waren es seine stimmigen Szenen von Paris und Montmartre, um die sich die Sammler und Kunstliebhaber rissen. Und Andre Utter verstand es geschickt Maurice Utrillos Bilder zu vermarkten.

 

Valadon und Utter trennten sich 1931, er kümmerte sich aber bis zu ihrem Tod um sie. Maurice ging eine Vernunft- und Versorgungsehe mir einer Bankierswitwe ein. Trotz verschiedener Liebhaber, wurde es ruhig um Suzanne Valadon, im April 1938 erlitt sie einen Herzinfarkt und verstarb auf dem Transport ins Krankenhaus.

 

Als Suzanne starb war sie eine der bekanntesten Persönlichkeiten des Montmartre, eine der bedeutendsten Malerinnen ihrer Zeit und hinterließ fast 500 Gemälde und 300 Grafiken. Die dunkel umrissenen Konturen ihrer Figuren und die starke Farbigkeit ihrer Arbeiten sind ein Erkennungsmerkmal ihres Schaffens. Viele Museen in Europa und auch Übersee listen Werke der Malerin in ihren Sammlungen auf.

 

In den Jahrzehnten nach ihrem Tod entwickelte sich ihr Gedenken als die Mutter des Malers Maurice Utrillo, jedoch seit dem neuen Jahrtausend, hat sie durch Retrospektiven und Publikationen ihres Werks,  ihren eigenständigen Platz als bedeutende und radikale Malerin des 20. Jahrhunderts wieder gefunden.
Euer Kultur Jack!

Beitragsbild: Das blaue Zimmer, Foto: © csupomona.edu

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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