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Der Michaelspokal

Der Michaelspokal

Liebe Leute, über das heutige Kleinod unseres Kulturblog weiß man nicht sehr viel, denn es kam als Geschenk nach Österreich. Jedoch wie das passierte, mag uns aus heutiger Sicht befremdlich erscheinen, war es aber über Jahrhunderte hinweg keineswegs.

Österreichische Frauen waren europaweit sehr begehrt, vor allem im Hochadel. Grund dafür war das Haus Habsburg, denn es war eines der erlesensten Königshäuser der Welt. Noch dazu wurde die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches von 1438 bis zum Erlöschen des Reiches 1806 durchgehend nur von Habsburgern getragen. So war es keineswegs verwunderlich, dass der König von Frankreich, Karl IX. (1550-1574) um die Hand der Erzherzogin Elisabeth von Österreich (1554-1592) anhielt und sie auch bekam.

Im Normalfall reiste die Braut in das Land des Bräutigams und wurde dort mit ihm vermählt. Die Reise einer Erzherzogin war aber eine logistische Herausforderung, da, um standesgemäß zu reisen, die Gefolgschaft mehrere hundert Menschen umfassen konnte, was für die Vorbereitungen einen zeitlich langwierigen Aufwand bedeutete. Wollten zwei Fürstenhäuser ihre neue Allianz jedoch sogleich bekräftigen, wählten sie die damals nicht unübliche „Stellvertreterhochzeit“.

Dabei vertrat ein Bevollmächtigter, Erwählter oder Diplomat den Bräutigam bei allen vorgeschriebenen Handlungen der Zeremonie. Das Habsburger Protokoll sah dabei sogar vor, dass als Abschluss, die Braut und der Stellvertreter vor versammeltem Hofstaat sich in ein geschmücktes Bett legten und jeweils ein Bein freilegten, und damit galt die symbolische Eheschließung als vollzogen.

So wurde Marie Antoinette mit Ludwig XVI., Marie Louise mit Napoleon I., um nur die berühmtesten zu nennen, und die Akteure unseres heutigen Beitrags, Elisabeth mit Franz IX. ehelich verbunden. Und eben zu dieser Prokurationshochzeit, 1570, schickte der französische König unser heutiges Kleinod des Monats: den Michaelspokal!

Der aus reinem Gold bestehende Pokal steht auf einem hohen schlanken Fuß, der in eine Kuppa mündet, die mit erotisch/bacchantischen Szenen geschmückt ist. 190 Reliefs umlaufen wie ein Fries dieses 1530 in Antwerpen geschaffene Meisterwerk der Goldschmiedekunst.

 

Den vorgewölbten Mittelteil der Kuppa schmücken Fratzengesichter (Maskarons) und als Schmuckmotiv eingesetzte Rinderschädel (Bukranien). Zwischen den Köpfen zieren goldene Girlanden den Pokal und dieser gesamt rundumlaufende Blickfang wird noch durch angehängte Perlen aufgewertet.

 

Der wunderbar und kunstvoll gearbeitete Deckel des Gefäßes wird vom Erzengel Michael bekrönt. Er hat soeben den Teufel, in Form eines Drachen, bezwungen und dieser stürzt auf die Erde zurück. Der Körper des Engels ist dabei überreich mit Diamanten besetzt. Es besteht die Vermutung, dass die Figur Michaels Bezug auf den „Ordre de Saint Michel“ der französischen Könige nimmt.

 

An der Gesamtansicht des 51,7cm hohen Pokals beeindruckt vor allem das reichhaltige Dekor durch Perlen und das kostbarste was an Edelsteinen zu bieten war, wie Diamanten, Smaragde und Rubine in bestechender Größe.

 

Wer jetzt dem französischen König, in Bezug auf Freigebigkeit bei der Wahl des Hochzeitgeschenks, Anerkennung zollt wird überrascht sein zu erfahren, dass der goldene Pokal nicht für die Braut bestimmt war, sondern für Ferdinand von Tirol als Dank für die Stellvertretung bei der Trauung.

Der Erzherzog von Österreich und Landesfürst von Tirol war ein begeisterter Kunst- und Raritätensammler. Er trug erlesene Stücke auf Schloss Ambras, an der Stadtgrenze von Innsbruck, zusammen und schuf dort ein eigenes Museum, welches er an das Schloss anbaute.  Seine Sammlung galt neben der des Kaiser Rudolf II. und des Kurfürsten August von Sachsen, als eine der bedeutendsten seiner Zeit.

 

Um die Großzügigkeit des französischen Königs richtig zu würdigen, muss man ergänzen, dass noch drei äußerst exklusive Stellvertretergeschenke inkludiert waren, Eine Kanne aus Onyx, der Burgundische Hofbecher Philipp des Guten aus Bergkristall und ein Highlight der Kunstkammer im Kunsthistorischen Museum in Wien – die „Saliera“ von Benvenuto Cellini.

 

Liebe Leute, eine Heirat im Hochadel war meistens keine Herzensangelegenheit, da nicht die Gefühle im Vordergrund standen, sondern die Vorteilhaftigkeit der Verbindung – so war es auch in dieser Ehe. Elisabeth war 16 und der Kaiser 20 Jahre alt als sie heirateten. Der Herrscher wandte sich bald wieder seinen Mätressen zu, starb 4 Jahre später an Schwindsucht und blieb der Nachwelt durch die „Bartholomäusnacht“ in Erinnerung. Die Tochter der beiden starb sechsjährig und Elisabeth ging zurück nach Wien und widmete sich wohltätigen Werken und Stiftungen.

Als Höhepunkt, rückblickend auf diese Verbindung, blieben der Nachwelt einige Kleinode von erlesener Kostbarkeit, die sich unser Kulturblog zum Thema macht.

Euer, Kultur Jack!

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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