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Der Surtout des Herzogs Karl Alexander von Lothringen

Der Surtout des Herzogs Karl Alexander von Lothringen

Taucht die Frage auf „Was ist ein Surtout?“, dann soll sie kurz erklärt werden. Dabei handelt es sich um einen Tafelaufsatz, auf dem Kerzenleuchter, Vasen, Gewürze und schmückendes Zubehör abgestellt werden.

 

Also ähnlich einer üblichen Tischmenage nur in wesentlich kostbarerer und aufwendigerer Form. So ein exklusives Exemplar ist das heutige „Kleinod des Monats“.

Foto: © Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer

 

Der Besitzer
Karl Alexander Prinz von Lothringen und Bar (1712-1780) war kaiserlicher Feldmarschall im Dienst der Habsburger, 36 Jahre lang Gouverneur der Österreichischen Niederlande und von 1761-1780 der 52. Hochmeister des Deutschen Ordens. Dass er dem Haus Habsburg eng verbunden war, ergibt sich schon allein aus der Tatsache, dass er der jüngere Bruder von Franz I. Stephan von Lothringen, dem Gatten Maria Theresias, war. Mit der Verehelichung des Bruders mit der österreichischen Thronerbin, folgte er diesem nach Wien und heiratete einige Jahre später Maria Anna von Österreich, die jüngere Schwester der Kaiserin.

 

Das Kleinod
Die Platte des Surtouts ruht auf vier Rocaille – verzierten Füßchen und diese Muster setzt sich rundum in regelmäßigen Abständen fort. Mittig ist, auf der Vorder- und Rückseite, das Wappen des Herzogs dekorativ platziert.

 

Je zwei Kännchen, ebenfalls auf goldenen Füßen stehend, teilweise golden eingefasst durch Blüten- und Pflanzenmuster, dienen als Behälter für Essig und Öl. Der Korpus der Gefäße wurde aus chinesischem Porzellan hergestellt und meisterhaft handbemalt.

 

An, für das Essen, verwendbarem Zubehör befinden sich noch vier dazu passende Porzellandöschen und zwei aufwendig dekorierte Zuckerstreuer aus reinem Gold.

 

In der Mitte des Aufsatzes erhebt sich ein vierarmiger Kerzenleuchter, der von einem durchbrochen gearbeiteten goldenen Korb gekrönt ist. Dieses Behältnis trägt einen porzellanenen Blumenstrauß mit grünem Blattwerk in sich.

 

Der Strauß besteht aus mannigfachen Blumen und Blüten, die in sehr feiner, zarter und detaillierter Form dargestellt sind.

 

Unterhalb des Leuchters befindet sich eine asiatische Figurengruppe, die auf Grund der aufschauenden Sitzenden und den liegenden Hündchen Alltäglichkeit, und dem gesamten Ensemble Persönlichkeit vermittelt.

 

Der Herzog von Lothringen galt als äußerst essfreudig und dieser Tafelaufsatz ist nur ein Bruchteil seines vielteiligen goldenen Tafelservices, der Rest davon existiert nicht mehr. Einzig erhalten blieben noch vier goldenen Kerzenleuchter und zwei Saucieren.

 

Der Meister des Ensembles ist der Belgier Pieter Jozef Fonson (1713-1799), der das Tablett auch signiert und datiert (1755) hat. Im Laufe der restlichen Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts wurde das Service von anderen Künstlern, Jakob van der Donck (1724-1801), umgestaltet und erweitert, und somit lässt sich heute die Urheberschaft mancher Gegenstände nicht mehr eindeutig zuordnen. Die Erweiterungen fanden 1770 und 1794 statt.

 

Der Surtout hat eine beachtliche Gesamtgröße: H: 54,5cm, B: 46cm. L: 63,2cm und die Materialien sind Gold, Porzellan, Messing und Holz. Die asiatischen Motive liegen der im 18. Jahrhundert herrschende Begeisterung für chinesische Exotik zu Grunde. Das Faible für die Fremdartigkeit dieser fernen Welt breitete sich zu dieser Zeit über ganz Europa aus.

 

Liebe Leute, dieser Tafelaufsatz ist ein Meisterwerk künstlerischen Handwerks und konzeptioneller Idee und es ist wunderbar, dass es sich über die Jahrhunderte erhalten hat. Jedoch ein wenig Wehmut beschleicht den Kunstliebhaber, wenn er sich vorstellt, wie das Tafelservice in seiner Gesamtheit ausgesehen haben muss und dieser Anblick unwiderruflich verlorengegangen ist.
Euer Kultur Jack!

Copyright Beitragsbild: Foto: © Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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