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Diana auf dem Kentauren – ein Tischautomat

Diana auf dem Kentauren – ein Tischautomat

Liebe Leute, neben der fast 700 Jahre dauernden Hauptbeschäftigung der Habsburger – Österreich zu regieren – hatten einige Herrscher dieser Dynastie noch eine weitere Obsession – Sammeln!
Ob Kunst, Bücher, Antikes, Steine, Naturwissenschaftliches, Kuriositäten, Wissenschaftliches, Obskures, Reliquien, Okkultes…, es gab so gut wie kein Sammelgebiet das ihr Interesse nicht erweckte.
Jedoch ein Kaiser ihres Hauses stellte auf diesem Gebiet alle die vor und nach ihm kamen in den Schatten: Rudolf II.

 

Das Römische Reich regierte er von 1576-1612, residierte in Prag und war wahrscheinlich der größte Kunstsammler seiner Zeit. Der Umfang seiner Sammlung machte sogar Umbauten am Prager Hradschin  notwendig.

Die künstlerische Elite Europas versammelte sich an seinem Hof, wie die Maler Giuseppe Arcimboldo oder Hans von Aachen, aber auch die bedeutendsten Wissenschaftler – Johannes Kepler, Tycho Brahe.

Er las viel und gerne, versuchte sich leidenschaftlich als Goldschmied und Kunstdrechsler und war in besonderem Maße an der Steinschneidekunst interessiert.
Seine exorbitant teure Privatkrone, die er 1602 von  Jan Vermeyen anfertigen ließ, wurde 1804  zur österreichischen Kaiserkrone und ist heute ein Glanzlicht der Wiener Schatzkammer.

Foto: © My Name (Gryffinder)

 

In ganz Europa waren Agenten auf der Suche nach Neuerwerbungen für seine Sammlung unterwegs.
Er verehrte die Kunst eines  Dürer, Raffael, Cranach, Tizian, Tintoretto und seine gesammelten Bilder von Pieter Brueghel bilden den Grundstock ebendieser weltberühmten Sammlung des Kunsthistorischen Museums in Wien.

Aber er war auch fasziniert von mechanischen Kunstwerken und Automaten, was uns zum Gegenstand unserer heutigen Betrachtung führt:

Um 1604 wurde dieser Tischautomat, der zugleich eine Uhr ist, in Augsburg geschaffen. Er stellt „Diana auf dem Kentauren“ dar.

 

Er ist ein exzellentes Beispiel Augsburger Goldschmiedekunst und wurde von Hans Jakob Bachmann (1574-1651) gefertigt.  Verwendet wurde Silber- teilweise vergoldet-, Perlen, Granaten und schwarzgebeiztes Holz. Die Abmessungen betragen: H= 39,5 cm, L= 32,5 cm, B= 18,3 cm.

 

Ein unbekannter Uhrmacher schuf das komplizierte Innenleben des Automaten, der zugleich ein Trinkspiel ist.
Der Mechanismus im Sockel und im Bauch des Kentauren lässt das Wunderwerk über den Tisch fahren. Dabei drehen der Jagdhund und Diana den Kopf und der Kentaure rollt mit den Augen.

 

Zusätzlich ist der Automat mit Blumen und Kleintieren geschmückt und der Hund öffnet und schließt sein Maul um Gebell zu visualisieren.  Nach einiger Fahrzeit und mehreren Schwenks schießt der Kentaure den Pfeil seines Bogens ab und der Gast in dessen Richtung der Pfeil fliegt muss sein Trinkgefäß leeren.

 

Zu bewundern ist diese herausragende handwerkliche Leistung, sowie ein großer Teil der noch im österreichischen Besitz befindlichen Sammlung, in der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums hier in Wien.
Freundlicher – und dankenswerterweise hat mir die selbige Institution Foto- und selbsterklärendes Filmmaterial zur Verfügung gestellt:

 

 

Der Freude, die unserem damaligen Kaiser solche Spielereien bereiteten, verdanken wir die Existenz und den Erhalt solch ungewöhnlichen Zierats.

Zu  welchen technischen Problemlösungen Künstler vor 400 Jahren fähig waren, würdigt in vollem Umfang, Euer
Kultur Jack!

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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