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Prunkkanne mit Kameenbesatz

Prunkkanne mit Kameenbesatz

Die Kunst Steine zu schneiden oder zu gravieren war der griechischen Kultur bereits um 3000 v. Chr. bekannt. Waren es anfangs einfache Siegel und geometrische und dekorative Muster, so entwickelten sich mit fortschreitender Technik erlesene Kunstobjekte in Form von Schalen, Trinkgefäßen oder Ziergegenständen. Eine besondere Ausbildung dieses künstlerischen Handwerks bestand darin, bildliche Szenen oder Porträts in edle Steine zu schneiden – sogenannte Kameen.

 

Die Kamee:
Bei der Herstellung einer Kamee wird ein erhabenes Muster in einen Stein, eine Schale tierischen Ursprungs oder einen Schmuckstein eingraviert. Hat das Objekt, im Gegensatz dazu, ein vertieftes Muster, spricht man von einer Gemme.

 

Bekannt sind Kameen seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. und erlebten ihre Blütezeit von der Renaissance bis zum Barock. Sie hatten meist repräsentative Funktionen, wie Halsketten, Ohrgehänge, aber dienten ebenso zur Ausschmückung von Räumlichkeiten. Auf Grund verschiedener Tönungen innerhalb eines Schmucksteins erscheint der erhabene Teil der Kamee meist farblich unterschiedlich zum Untergrund.

 

Das Objekt:

Die Hinwendung der Kunstliebenden zu dieser Symbiose aus Edelstein und künstlerischer Fertigkeit führt uns in die Zeit um 1620, als unser heutiges Kleinod des Monats gefertigt wurde. Die, wahrscheinlich in Antwerpen hergestellte, Kanne aus vergoldetem Silber ist rundum mit den verschiedensten Kameen besetzt, deren Fertigungszeitraum sich zwischen dem 14. und 17 Jahrhundert bewegt.

 

Die Kanne ist von oben bis unten mit symmetrisch verteilten Kameen besetzt, wobei auch die Gleichheit der Größe berücksichtigt wurde. Dazu mussten manche der Kameen neu zugeschnitten werden. Die Qualität der Reliefs ist unterschiedlich, so wurden neben sehr raren Stücken auch durchschnittliche Bildnisse verarbeitet. Das war jedoch auch beabsichtigt, denn das Prunkgefäß besticht durch den Gesamteindruck und dadurch verlieren die einzelnen Kameen an individueller Bedeutung.

 

Die Darstellungen auf der 29cm hohen Kanne sind zu großen Teilen männliche und weibliche Reliefs verschiedenster Personen, von denen die meisten jedoch unbekannt sind. Eine Reihe der Kameen ist auch der Tierwelt gewidmet, wobei sich Vögel und Säugetiere abwechseln.

 

Vom kunstvoll gearbeiteten Fuß bis zum Deckel wurden nur die edelsten Materialien verarbeitet. Die verwendeten Steine sind Onyx, Chalcedon, Koralle und Karneol. Für die Fassung des Gefäßes nahm man vergoldetes Silber und Gold. Die Räume zwischen den Kameen wurden mit der neu etablierten Emailmalerei gefüllt, aber auch mit wertvollsten Steinen, wie Rubine, Smaragde, Diamanten und Türkise.
Der geschwungene, volutenförmige Griff ist ebenfalls mit Kameen besetzt, und Form und Emailmalerei verleihen der Kanne eine sehr gefällige Optik. Der schnabelartige Ausguss ist reich dekoriert und in Form eines Gesichts gestaltet.

 

Bekrönt ist das Objekt mit einem Deckel, der in eine Darstellung von David und Goliath mündet.

 

Passend zur Kanne wurde auch ein Becken im gleichen Stil hergestellt. Es ist rundum und in der Mitte mit Kameen besetzt.

 

Zentraler Punkt ist ein qualitativ hochwertiges Comesso mit der Darstellung der Prudentia, aus Chalcedon und Goldemail. Die Göttin der Weisheit hält in ihrer Rechten einen Diamantspiegel als Symbol der Selbsterkenntnis, und in ihrer Linken eine Schlange, welche die Klugheit symbolisiert.

 

Im 17. Jahrhundert, waren die Schränke der kaiserlichen Schatzkammer der Habsburger mit derartigen Objekten reich gefüllt. Sie stammten entweder aus eigenen Anschaffungen oder wurden als Geschenk erhalten. Zum überwiegenden Teil standen die Gegenstände nicht in Verwendung, sie dienten zu Repräsentationszwecken und zur Mehrung des Prestiges des Kaiserhauses.
Euer Kultur Jack!

Beitragsbild: Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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