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Walk of Fame – Steiermark

Walk of Fame – Steiermark

Die Johanneskapelle in Pürgg


Liebe Leute, unsere neue Reihe „Walk of Fame“ führt uns in das wunderschöne steirische Ennstal und dort in den verträumten, romantischen Ort Pürgg.
Pürgg liegt ungefähr 12km von Bad Mitterndorf entfernt und zählt zur Gemeinde Stainach-Pürgg. Was uns dorthin führt ist ein kleiner Kirchenbau der auf einer Anhöhe über dem Dorf liegt: die Johanneskapelle.

 

Dieser kleine Bau (ca. 12x6m) geht wahrscheinlich auf die Niederlassung des Traungauer Markgrafen Ottokar III. auf Burg Graunscharn, Anfang des 12. Jahrhunderts, zurück. 1192 starb das Geschlecht aus, die Burg musste aufgegeben werden und heute ist nichts mehr von ihr vorhanden.
Die Erbauung der Kapelle wird, aufgrund stilistischer Merkmale, um das Jahr 1122 vermutet, sie wurde nach dem Erlöschen der Traungauer zur Gedächtniskapelle und im Barock zu einer Kalvarienberg-Station. Urkundlich erwähnt wurde sie erstmals 1350.

 

Was macht diesen kirchlichen Bau für uns interessant? 1870 wurden darin übermalte Fresken entdeckt und anschließend freigelegt. Der Erhaltungszustand dieser Wandbilder krönt  die Kapelle zur bedeutendsten ihrer Zeit und Art in der Steiermark und im gesamten Alpenraum. Der gesamte Innenraum ist ausgemalt und das Alter versetzt uns in die Romanik. Die erste Restaurierung erfolgte leider unsachgemäß, wodurch es später zu Abblätterungen kam; zuletzt wurden die Bilder nochmals ab 2013  instand gesetzt.

Foto: ©: Rita Tasch

 

Natürlich weisen die Fresken auch Fehlstellen auf, jedoch der bei weitem überwiegende Teil ist vorhanden und das seit fast 900 Jahren! Die Künstler werden dem Salzburger Kunstkreis zugeschrieben.
Die Seitenwände sind in drei Zonen gegliedert, wobei die unterste ein gemalter Vorhang ziert.

Foto: ©. Wolfgang Sauber

 

Der mittlere Hauptstreifen zeigt auf der linken Seite die wunderbare Brotvermehrung und rechts Szenen der Geburt Christus.

 

In der obersten Zone sind einander die „törichten und die klugen Jungfrauen“ gegenübergestellt.

Der Gebetsraum trennt sich vom Chor durch einen Triumphbogen, neben dem Kain und Abel dargestellt sind. Den Bogen schmückt ein Band aus Arabesken und dem mehrfach wiederholten Wort „Allah“ in altarabischer Schrift. „Allah“ war die Bezeichnung für „den einen Gott“ in allen monotheistischen Religionen.

Foto: ©: Wolfgang Sauber

 

Im Chor selbst sieht man Abbildungen von Johannes dem Evangelisten, dem die Kapelle geweiht ist, Johannes dem Täufer, 2 Bischöfen und 2 Figuren des Alten Testaments.

 

Die Ecken des Chorgewölbes zieren Evangelisten-Symbole und die Mitte Christus als Lamm Gottes.

 

Am interessantesten, weil am ungewöhnlichsten in einem sakralen Bauwerk, sind die profanen Fresken, am westlichen Ende der Kapelle,  aus der Erzählwelt des antiken, griechischen Fabeldichters Äsop. Es handelt sich dabei um die Geschichte des „Kampfes der Mäuse gegen die Katzen“. Aus der Darstellung geht der Sieger nicht klar hervor, jedoch der Hintergrund der Fabel ist der Sieg des Schwächeren über den Stärkeren. Entzückend, wie die schildbewehrten Katzen die von Mäusen verteidigte Burg angreifen. Dieser ungleiche Kampf war eine beliebte Metapher für die „verkehrte Welt“.

 

Das Interieur ist sehr einfach und schlicht gehalten – ein Altarblock mit dahinter aufgestelltem Kreuz.

Liebe Leute, die Johannes – Kapelle alleine ist einen Besuch mehr als wert, denn wie gesagt, die Kombination aus Alter und Erhaltung ist europaweit sehr schwer zu finden. Jedoch lässt sich hier der Erlebnisfaktor äußerst gut mit Naturschönheit verbinden. Da Pürgg auf ungefähr 650 Meter Höhe liegt hat man einen wundervollen Blick über das schöne steirische Ennstal und auf den beeindruckenden, mächtigen, grimmigen Grimming.

 

Aber auch der Ort selbst mit seinen alten, verträumten Häusern und 144 Einwohnern ist eine Wohltat für die Seele.

 

Also beim nächsten Aufenthalt in der Steiermark nicht auf Pürgg und seine Kapelle vergessen!

Für mich als Städter war die Stille die in Pürgg herrscht bemerkenswert, erinnert sich
Euer Kultur Jack!

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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