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Der fünfte und der letzte aller Tage

Der fünfte und der letzte aller Tage

Das Weltgericht
Hieronymus Bosch (um 1450-1516)

Liebe Leute, so ziemlich jeder Kunst–Interessierte kennt den niederländischen Maler Hieronymus Bosch auf Grund seiner von ihm geschaffenen Triptychen. Einerseits ist das sehr verwunderlich, denn nach der letzten wissenschaftlichen Aufarbeitung seines Werks zu seinem 500. Geburtstag 2016, können ihm nur 21 Gemälde und 20 Zeichnungen als eigenhändig geschaffen zugeordnet werden. Andererseits zeigt aber seine internationale Berühmtheit, wie hoch bei, doch so geringer Quantität, die Qualität seiner Bilder ist.
5 seiner 20 Gemälde gestaltete er in der Form eines Triptychons, wobei von einem, dem „Wanderer Triptychon“, die mittlere Haupttafel bis heute verschollen ist und die restlichen Teile auf verschiedene Museen verstreut sind.

 

„Die Anbetung der Hl. 3 Könige“, „Der Heuwagen“ und „Der Garten der Lüste“ befinden sich im Besitz des Prado in Madrid und sind dort prominent platziert ausgestellt.

 

Die 3 Tafeln der „Versuchung des Hl. Antonius“ sind seit 1913 im Museu Nacional de Arte Antiga in Lissabon.

 

Ja, liebe Leute, wie ihr wahrscheinlich schon richtig erraten habt, ist das fünfte Triptychon in Wien. Es ist jedoch nicht, wie man vermuten würde im Kunsthistorischen Museum, sondern 1882 schenkte Anton Franz de Paula Graf von Lamberg–Sprinzenstein, ein Kunstsammler, seine gesamte Kollektion der Akademie der bildenden Künste in Wien. Die heranwachsenden Künstler sollten sich an den Bildern schulen können und dieses Bild von Bosch war in der Schenkung enthalten.
Das Wiener Triptychon hat das „Weltgericht“ oder den „Jüngsten Tag“ zum Thema. Der linke Flügel schildert die Erschaffung Adam und Evas, den Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies. Das obere Drittel der Tafel nimmt der Sturz der Engel aus den Offenbarungen ein.

 

 

Das namensgebende Geschehen nimmt den großen Mittelteil des Werkes ein. Des Malers Blick darauf ist aber ein ungewöhnlicher. Anstatt dass er sich öffnender Gräber und daraus zum Gericht strömender Seelen bedient, stellt Bosch in verklausulierter oder metaphorischer Form die 7 Todsünden in den Mittelpunkt des Geschehens.
In einer alptraumhaften Szenerie führt uns der Künstler, meist symbolisch verborgen, die Sündhaftigkeit der Menschen vor Augen. Kröten, Krüge, Fässer stehen meist für die Wollust, Bären für Zorn, ein Trichter auf dem Kopf für Gemeinheit und böse Absicht.

 

Fabelwesen waren im ausgehenden Mittelalter in der Kunst nichts Seltenes und so erschuf Bosch jede Menge Hybriden aus Mensch und Tier die den Menschen quälen, foltern und peinigen.

 

Diese geistigen Ausgeburten und Geschöpfe des Malers sollen das Böse im Menschen für den Betrachter sichtbar machen.

 

Unglaublich bizarre Monster werden auf den Betrachter losgelassen: Kopffüßler, schuppige Monster, Drachen, Mischwesen.

 

Brutal und beängstigend sind die Handlungen dieser Wesen an den Menschen.

 

 

Und dieses ganze Grauen geschieht in einer vegetationslosen, apokalyptischen, dunklen Landschaft.
Wenn man sich die Details des Bildes ansieht, stellt man sich irgendwann die Frage, wer der Mensch war, der vor 500 Jahren solche Ausgeburten malte. Man weiß nicht viel über ihn, aber das wenige zeichnet ihn normal und durchschnittlich.
Bosch wurde um 1450 in eine, über 4 Generationen zurückreichende, Maler-Familie hineingeboren und erhielt seine Ausbildung, zum Teil, in der väterlichen Werkstatt. Er heiratete eine vermögende Frau, was ihm künstlerische Unabhängigkeit sicherte. 1488 trat er der bedeutenden Bruderschaft „Unserer Lieben Frau“ bei, die aus 50 Mitgliedern des Aristokratie und des oberen Bürgertums bestand. Diese Bruderschaft hatte Beziehungen zum Hochadel und Klerus der Niederlande und aus diesem betuchten Umfeld bezog Bosch seine Auftraggeber.
Eigentlich hieß er Jheronimus van Aken, aber, wie zu dieser Zeit nicht unüblich, benannte er sich später nach seiner Heimatstadt; in seinem Fall Hertogenbosch.
Hieronymus Sicht auf das Jüngste Gericht ist nicht unbedingt positiv, denn im oberen, himmlischen Teil sind nur wenige Seelen zugelassen, jedoch im unteren Teil wimmelt es von Sündern..
Der rechte Flügel zeigt uns eine Abbildung der Hölle mit ihren ewigen Qualen, dargestellt durch eine Feuer – Landschaft. Inmitten dieser Szenerie hält Luzifer, beheimatet in einem Rattenkörper mit glühenden Kohlen in seinen Eingeweiden, Hof und empfängt die Verdammten.

 

Ab hier gibt es dann nur mehr ewiges Leiden, biblisches Heulen und Zähneknirschen.

 

Das Triptychon hat normalerweise seine Bestimmung als Flügel–Altar, welcher wochentags zugeklappt ist und nur zu besonderen Anlässen, wie feierlichen Messen, geöffnet wird. Aus diesem Grund sind meist beide Seiten der Flügel bemalt. So ist es auch hier und in geschlossener Form sehen wir Abbildungen des Hl. Jakobus und des Hl. Bavo.

 

Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Werk unzählige Male interpretiert, aber vieles darin bleibt trotzdem  rätselhaft und strittig. Von Bosch selbst ist uns dazu nichts überliefert. Interpretationen sind, nach meiner Meinung, außer wenn sie historisch oder wissenschaftlich fundiert und begründet sind, anmaßend und somit entbehrlich, weil sie spekulativ sind. Die einzig verlässliche Erklärung eines Werkes kann nur der Künstler selbst liefern, wenn er dazu bereit sein sollte, was aber eher die Ausnahme bildet.. Mir erscheint auch zielführender, anstatt das Werk im Kopf zu zerlegen, es mit dem uns eigenen Bauchgefühl zu betrachten und abzuwarten ob und was es in uns bewirkt.

Jedenfalls sind die Triptychen des Hieronymus Bosch solche Meisterwerke, um über Jahrhunderte hinweg, unzählige Künstler, bis hin zu den Surrealisten, entscheidend beeinflusst zu haben.
Viele Kunstwerke verlieren durch den Wandel der Zeit nicht ihre Kraft, aber ihre Aktualität. Auf das „Weltgericht“ trifft das sicher nicht zu, denn Geschöpfe wie diese

 

würden noch heute in den schaurigsten Hollywood – Filmen Platz finden, meint
Euer Kultur Jack!

PS. Für am Original Interessierte – das Bild ist zur Zeit Gast im Theatermuseum, da die hauseigene Galerie der Akademie der bildenden Künste renoviert wird.

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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