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Alles, nur kein „Altes Eisen“

Alles, nur kein „Altes Eisen“

                                                  

Wenn mich jemand fragt, wo meine musealen Interessen liegen, ist die reflexartige Antwort: In der Malerei! Jedoch vor etlichen Jahren, begann ich die Worte des amerikanischen Poeten Robert Frost, auch auf Museumsbesuche umzuwandeln : „Im Wald traf ich auf zwei verschiedene Wege, und ich – ich nahm den weniger begangenen, und das entschied mein ganzes Leben.“ So radikal war es zwar nicht, aber ich begann, ab und zu, anstatt Galerien, auch Museen zu besuchen, die nicht unbedingt eine Herzensangelegenheit für mich waren. Und so kam ich zu unserem heutigen Kleinod.

 

Da ich der Meinung bin, dass die tollsten und besten Kriege diejenigen sind, die nie stattgefunden haben, besuchte ich erst  vor einem Jahr erstmals in die Wiener Hofjagd- und Rüstkammer. Schon nach kurzer Zeit, ergriff mich so etwas wie Faszination, denn ich sah die Ausstellungsstücke nicht als das was sie waren, nämlich Mordwerkzeuge, sondern sie drängten sich mir als Designobjekte auf. Am längsten Halt machte ich vor unserem Kleinod des Monats: Der Küriss des Kaiser Maximilian I.

 

Küriss ist die Bezeichnung für einen Reiterharnisch, der den gesamten Körper bedeckt, im Gegensatz zum Kürass, der bloß Brust und Bauch schützt. Nicht jeder Schmied konnte so einen Plattenpanzer herstellen, denn da der Großteil der Arbeit am erkalteten Material vorgenommen wird, bedurfte die Herstellung schon besonderer Fähigkeiten. So war diese Fachrichtung von Schmieden, auch in einer eigenen Zunft vereint, die der „Plattner“. Könner dieses Fachs, waren fähig, aus einer einzigen Metallplatte, einen Vollhelm herzustellen.

 

Der Meister, der unser Kleinod des Monats verfertigte, war zugleich einer der bedeutendsten seiner Zunft: Lorenz Helmschmied (ca. 1450 – 1515) aus Augsburg, dessen Vorfahren ebenfalls Waffenschmiede waren. Er stand bereits in den Diensten Kaiser Friedrich III., und wurde, unter dessen Sohn Maximilian I., zum Hofplattner ernannt.
Diesen Küriss, dem unsere Aufmerksamkeit gilt, kann man zu Recht, als sein Meisterwerk bezeichnen, denn er gilt heute als die am elegantesten und feinsten ausgeführte Rüstung der Spätgotik und ist, noch dazu, voll funktionsfähig. Die Materialien, die dafür verwendet wurden, sind Eisen, vergoldetes Messing und Leder.

 

Ob diese Panzerung jemals das Schlachtfeld gesehen hat, ist nicht erwiesen, jedoch in diesem Zeitalter fand sich das gekrönte Oberhaupt, zur moralischen und solidarischen Unterstützung des Heeres, auf dem Kampfplatz ein. Nicht umsonst wird Maximilian als „der letzte Ritter“ bezeichnet. Die Spitzen der Schnabelschuhe, welche ein Symbol der Macht und eine Modeerscheinung waren, sind abnehmbar und somit wäre die Rüstung kampftüchtig. Als Hauptzweck, wird dieser Küriss, aber Repräsentationszwecken gedient haben.

 

Offiziell stammt dieser Harnisch aus dem Besitz des Herzog Sigmund von Tirol, jedoch Lorenz Helmschmied war hauptsächlich für Kaiser Maximilian tätig, und dessen Bestellungen lassen sich zum Teil rekonstruieren. So nimmt man an, dass der Kaiser ihn in Jugendjahren selbst getragen hat, und ihn danach Sigmund zu dessen zweiter Hochzeit schenkte.

 

Dass dieser Reiterharnisch Repräsentationszwecken diente lässt sich auch aus der Stellung Maximilian I. ablesen. Er war mit der Erbherzogin Maria von Burgund, des reichsten Landes Europas, verheiratet. Kurz vor der Hochzeit, fiel deren Vater in der Schlacht von Nancy, und Maximilian wurde Herrscher dieses Landes und dessen großen Vermögens. Und Geld war notwendig, denn der Österreicher kam aus keinem reichen Haus.

 

Eine Rüstung, die den ganzen Körper bedeckt, war das teuerste Kleidungsstück, der damaligen Zeit. Es existiert zwar keine Rechnung für diesen Harnisch, jedoch, durch Vergleiche mit anderen Rüstungen, werden die Kosten für diesen auf 2400 Gulden geschätzt – und das war eine Menge Geld. Ein Söldner verdiente 4 Gulden im Monat, und ein Gemälde Tizians wurde mit 200 Gulden veranschlagt.

 

Liebe Leute, dieser Reiterharnisch ist mit Sicherheit der prunkvollste seiner Art und ein Meister der Plattnerei hat ihn 1485 verfertigt. Würde man heut jemanden mit dieser Arbeit beauftragen, könnte dieser kein eleganteres und beeindruckenderes Design, für eine Kombination aus Zweckmäßigkeit und Mode, abliefern. Das zeigt sich auch daran, dass er als Vorbild für die Rüstung des 1882 geschaffenen Wiener Rathausmannes gedient hat.

 

Aber nicht nur auf Grund dieser Rüstung ist ein Besuch der Hofjagd – und Rüstkammer in der Wiener Hofburg zu empfehlen, denn sie zählt, gesamt gesehen, zu den weltbesten Sammlungen ihrer Art. Und durch die rege Heiratspolitik der Habsburger ist sie, die am hervorragendsten dokumentierte des Abendlandes. Sie beherbergt eine große Anzahl Meisterwerke der Schmiedekunst.

 

Auch wenn diese Sammlung, Schlachten und Kriege als Hintergrund hat, ist sie trotzdem als Familienerlebnis zu empfehlen, denn eines ist auch klar: Alle Kinder lieben Ritter!
Euer Kultur Jack!

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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