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Edward Sheriff Curtis

Edward Sheriff Curtis

                                                                    
                                                                     

Im Jahre 1906 übernahm der US-Amerikaner Edward Sheriff Curtis einen Auftrag, der ihn, ohne dass er  es vorher wusste, 30 Jahre seines künftigen Lebens beschäftigen würde. Mit dieser Herkulesarbeit gab er nachfolgenden Generationen die Möglichkeit, Einblicke in die Lebensweise eines niedergehenden Kulturkreises zu nehmen.

 

Der 1868 in Cold Spring, Wisconsin, geborene Curtis war, von Kindheit an, von einer erst wenige Jahrzehnte jungen Erfindung begeistert – der Fotografie. Nach dem Umzug seiner Familie nach Minnesota baute er sich bereits als Junge selbst eine Kamera und begann 17-jährig eine Lehre in einem Fotostudio in St. John.

 

Nach einem neuerlichen Umzug der Familie, 1887, nach Seattle kaufte sich Edward eine zweite Kamera und mit 150 Dollar Kapital, wurde er Teilhaber in einem Fotostudio. Diese Teilhaberschaft hielt nur ein halbes Jahr, und mündete in die Gründung eines Studios mit dem Fotografen Thomas Guptill als Partner –  „Curtis and Guptill, Photographers and Photoengravers“.

 

1895, drei Jahre nach seiner Hochzeit mit Clara Phillips, machte Curtis die erste Aufnahme, in einem Kulturkreis, der ihn noch jahrzehntelang beschäftigen wird: die Ureinwohner Nordamerikas. Dieses erste Foto zeigt uns die Tochter des Duwamish-Häuptlings „Chief Seattle“, die „Princess Angeline“ genannt wurde, deren richtiger Name jedoch Kikisoblu war.

 

Kurze Zeit danach, lernte Edward den Naturwissenschaftler und Historiker George Bird Grinell kennen, dessen größter Erfolg der Schutz des, fast ausgerotteten, amerikanischen Bisons war. Grinell der sich für die Bewahrung der Kultur der Ureinwohner einsetzte, wurde zu einem engen Vertrauten des Blackfeet-Stammes. In dieser Eigenschaft ermöglichte er Curtis, im Jahre 1900, die Teilnahme an einer Reise zu diesem Volksstamm, und die Erlaubnis deren Sonnentanz-Zeremonie zu fotografieren.

 

Das partnerschaftlich betriebene Studio wurde erfolgreich und erhielt eine Auszeichnung der „National Photographers Convention“. Dieser Erfolg führte dazu, dass Curtis offizieller Fotograf der Alaska-Expedition von Edward Henry Harriman wurde, bei der auch George Grinell ein Teilnehmer war.

 

Edward erlangte als Fotograf steigende Berühmtheit, und nachdem er eine Auszeichnung für ein Kinderfoto erhalten hatte, wurde Präsident Roosevelt auf ihn aufmerksam und ließ auch seine Kinder von ihm ablichten. Im Jahre 1903 besuchte ihn der Häuptling der Nez Perce „Chief Joseph“ in seinem Studio und ließ sich ebenfalls porträtieren.

 

Im Jahre 1906 kam es zu dem Auftrag der Edward Curtis bei seinen Zeitgenossen und der Nachwelt berühmt machte. Der Unternehmer und Bankier J.P. Morgan bot ihm 75.000 Dollar an, um in einem äußerst umfangreichen Volumen, die Stämme der Indianer Nordamerikas und deren Lebensweise, fotografisch und in Buchform zu dokumentieren.

 

Der erste Band erschien bereits ein Jahr später mit dem Titel „The North American Indian“, zu dem Präsident Roosevelt das Vorwort schrieb. Die Auflage der Dokumentation umfasste 500 Exemplare, wovon jeweils 25 Stück pro Band der Sponsor Morgan erhielt. Nach Erscheinen des zweiten Bands, 1908, starb J.P. Morgan, die Finanzierung des Projekts wurde jedoch von seinem Sohn und Erben garantiert.

 

Das gesamte Projekt dauerte bis 1930, also fast 3 Jahrzehnte, und endete mit Band 20 und insgesamt 1500 Abbildungen. Curtis, der in der Zwischenzeit ein eigenes Studio besaß, ließ sich während seiner Reisen im Geschäft vom Fotografen Adolph Mur vertreten.

 

In diesen 30 Jahren bereiste Curtis den gesamten nördlichen Teil des amerikanischen Kontinents und schoss ungefähr 40.000 Bilder von 80 verschiedenen Stämmen der Ureinwohner. Nebenbei entstanden noch 10.000 Musik- und Sprachaufnahmen, sowie etliche Biografien.

 

1914 drehte Curtis erst- und letztmals einen Film über einen Indianerstamm. Jedoch da der Film nicht nur als historisches Dokument gedacht war, sondern auch kommerziell erfolgreich sein sollte, drehte er eine Art von Abenteuerfilm. Dem Film war kein Erfolg beschieden, und Curtis verkaufte 1923 die Rechte daran, um 1500 Dollar, an das „Museum Of Natural History“. Dort verschwand der Streifen und galt als verschollen. Erst 1947 wurde eine Kopie, in der Abfallsammlung eines Chicagoer Kinos, aufgefunden und später restauriert. Seit 1999 gehört der Film zu den bedeutendsten Filmen der amerikanischen Kinogeschichte.

 

Edward zog, nach der Scheidung von seiner Frau, 1922, nach Los Angeles, wo er wieder ein Fotostudio eröffnete, nachdem bei der Scheidung das Atelier in Seattle, seiner Gattin zugesprochen wurde. Aus finanziellen Gründen war er in Kalifornien auch als Kameramann tätig.

 

Die Geldsorgen lösten sich nicht, und so verkaufte Curtis die Rechte an seinen „Indianern Nordamerikas“ an den Sohn J.P. Morgans. 1930 erschien der 20., und somit letzte Band seines Monumentalwerkes. Von der Gesamtauflage wurden jedoch nur 280 Exemplare verkauft.

 

19 komplette Sätze der Enzyklopädie, sowie alle Druckplatten, Glasnegative und ungebundenen Seiten verkaufte die Morgan-Society, 1935, um 1000 Dollar an die Charles E. Lauriat Company in Boston. Dort verstaubte dieses gesamte Konvolut unberührt in einer Ecke und wurde erst 1972 wiederentdeckt.
Curtis selbst verließen die Geldsorgen nicht wieder, er versuchte sich in neuen Projekten als Goldsucher und Farmer, und erlag 1953 einem Herzinfarkt.

 

Die Bilder Edward Sheriff Curtis wirken auf den Betrachter ein wenig romantisch verklärt, weil er versuchte die Ursprünglichkeit der Ureinwohner Amerikas zu isolieren, und die Einflüsse der weißen Siedler eliminiert wurden. Jedoch genau diese romantische Verbrämung beschert uns den Eindruck, Augenzeuge einer unberührten Kultur zu sein, was diesem Volk aber schon lange Zeit vorher genommen worden war.

 

Nichtsdestotrotz hat uns dieser leidenschaftliche Fotograf, Einblicke in ein Volk und deren Kulturkreis gestattet, die uns ohne ihn, für immer verwehrt geblieben wären. Durch die professionelle Qualität seiner Bilder tritt uns ein naturverbundenes, selbstbewusstes, würdevolles Volk vor Augen, doch ihre ernsten Gesichter, lassen uns ihren unrühmlichen, unverdienten und beschämenden Niedergang, nicht vergessen, meint
Euer Kultur Jack!

Beitragsbild: Canyon de Chelly, Navajos, Foto, Library of Congress

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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