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Der Kaiser als Steuermann

Der Kaiser als Steuermann

 Ein Schiff als Tischautomat

Ich gestehe, ich bin ein großer Fan des Kunsthistorischen Museums in Wien. Die Sammelwut und Liebe zur Kunst, manch deutscher Kaiser vom Geschlecht der Habsburger, haben das Museum in die Lage versetzt, heute dem erlauchten Kreis der „bedeutendsten Sammlungen der Welt“ anzugehören.
Seit 2013 ist dieses Haus um eine gewichtige Facette reicher – durch die Wiedereröffnung der Kunstkammer. Sie umfasst 2200 seit der Renaissance gehortete Kunstobjekte, die im Sinne einer Universal-Sammlung zusammengetragen wurden. Kunst- und Wunderkammern verfolgten das Ziel die kosmisch göttliche Ordnung und den Zusammenhang aller Dinge umfassend darzustellen.
Dass eine bedeutende Sammlung sich zur Erhöhung der Wichtigkeit der eigenen Person, und somit als Machtfaktor instrumentalisieren ließ, erwies sich für so manchen Sammler als angenehmer Nebeneffekt. Etliche Adelsgeschlechter und Fürstenhäuser erhöhten so ihr Ansehen, und das führt uns zu einem besonderen Liebhaber der schönen Künste und außergewöhnlicher Objekte – dem Habsburger Kaiser Rudolf II.

 

Als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches wurde er immer wieder mit Vorwürfen der Untätigkeit oder Unfähigkeit konfrontiert, was letztendlich zum „Bruderzwist im Hause Habsburg“ führte. Als Mäzen und Förderer vieler Künstler und Liebhaber außergewöhnlicher Objekte konnte man ihm diese Vorwürfe ganz sicher nicht machen, denn seine Sammlung war die umfangreichste und bedeutendste seiner Zeit.
Und so verdanken wir diesem Habsburger einen großen Teil der einmaligen Schätze des Kunsthistorischen Museums, und aus diesen Kostbarkeiten stammt das heutige Kleinod unseres Kulturblogs – ein Tischautomat in Form eines Schiffes.

 

Ungewöhnliche Objekte, wie dieses, dienten bei Festmahlen zur Dekoration der höfischen Tafel. Rudolf II. erfreute sich besonders an beweglichen Kunstwerken, da sie die Belustigung und Freude der Gäste noch erhöhte.
Der Automat soll eigentlich eine Allegorie auf den Kaiser und sein Reich sein, denn der Steuermann an Bord ist der Herrscher selbst, der von einem Musiker-Korps in die Schlacht begleitet wird. Dabei stellt das Schiff selbst ein Sinnbild für die Macht des Kaisers und seines Reiches dar.

 

Die eingravierte Inschrift an den Seiten des Seglers warnt davor sich dem Gefährt, und ebenso wenig seinem Besitzer, in den Weg zu stellen. In Anspielung auf die habsburgische Fahne ist der Name des Schiffes „Der doppelte Adler“.

 

Nachdem man das Laufwerk des Kunstgegenstands mit einem Schlüssel aufgezogen hatte, glitt der Dreimaster die Tafel entlang. So war eine Lebendigkeit gegenwärtig die kein normaler Tafelaufsatz bieten konnte. An Deck spielt eine Kapelle zu Ehren des Kaisers ein Musikstück und bewegt dazu passend ihre Instrumente. Die Melodie selbst ertönt aus dem Inneren des Gefährts.

 

Als subtile Machtdemonstration und Abschluss der Fahrt feuern die Kanonen, im wahrsten Sinne des Wortes, eine Salve ab.
Das mechanische Meisterwerk ist eine Schöpfung des Augsburger Goldschmied und Uhrmacher Hans Schlottheim (1545-1625). Laut vorhandener Datierung hat er es 1585 verfertigt, und man nimmt an, dass es der Kaiser selbst in Auftrag gab. Zur Herstellung verwendete der Augsburger vergoldetes Silber, Kupferlegierung und Kaltemail. Die mit Ölfarbe bemalten Segel zieren mythologische Szenen aus Neptuns Unterwasserwelt.

 

Das Triebwerk, dieser erlesenen Schöpfung menschlicher Kunstfertigkeit, wurde aus Eisen gefertigt und die Gesamtmaße des Objekts sind imposante L: 67, B:66 und H:67 Zentimeter.
Hans Schlottheim war seinerzeit für seine Uhrwerk – Automaten bekannt und auch Schöpfer dieser beiden mechanischen Wunderwerke.

 

So gut es einem auch gelingen mag eine Maschine in Form eines Schiffs zu beschreiben, wünscht man sich verständlicherweise das Meisterwerk in Bewegung zu sehen – und das bieten wir hier mit einem Video:

Schiffsautomat, Kunsthistorisches Museum, Wien

Liebe Leute, wenn ich Eines mit Rudolf II. gemein habe, dann ist es die Faszination, die mechanische Automaten ausüben können, und mit einem Alter von fast 430 Jahren ist diese Stück für mich ein absolutes Kleinod!
Euer Kultur Jack!

Foto Copyright Beitragsbild: Kunstkammer, Kunsthistorisches Museum Wien

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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