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Wohnkultur vor 5000 Jahren

Wohnkultur vor 5000 Jahren

Skara Brae – Orkney Islands

Im Jahre 1850 fegte ein schwerer Sturm über den Norden Schottlands und somit auch über die fast 70 Orkney – Inseln und hinterließ neben beträchtlichen Schäden auch 200 Todesopfer.

 

Als der 7. Laird of Skaill, William Graham Watt, am Tag danach seinen Besitz, im Norden der Hauptinsel Mainland, inspizierte, bemerkte er, dass der Sturm, einige 100 Meter von seinem Haus entfernt, die Grasnarbe weggerissen und ungewöhnlichen Untergrund freilegt hatte.
Was Mr. Watt nicht wusste – er hatte als erster Mensch die am besten erhaltene Siedlung der Jungsteinzeit in Europa bestaunt.

 

Dieses Dorf wurde um 3200 v. Chr. gegründet und 2200 v. Chr., möglicherweise auf Grund einer Naturkatastrophe, verlassen. In der Zeit dazwischen war es zumindest 600 Jahre kontinuierlich bewohnt.
Der Laird of Skaill selbst legte 4 der heutigen 10 bestehenden Häuser frei, stellte aber 1868 die Ausgrabungen ein. 1928-1930 erfolgten weiter Freilegungen und Untersuchungen und in den 70er – Jahren das Alter der Siedlung, mittels Radiokarbonmethode, festgelegt.
Was ist daran besonders? Liebe Leute, da dieses Dorf über Jahrtausende mit Sand verschüttet war, blieb es bis 1850 vollkommen konserviert und bietet somit einen unvergleichlichen Einblick in die Wohnsituation der Jungsteinzeit.
Mit dem Begriff Steinzeit assoziieren die meisten modernen Menschen Höhlenbewohner und das ist weit gefehlt. Die Häuser wurden aus flachen Steinen oder Platten errichtet und bieten einiges an steinzeitlichem Komfort. So schlief man in steinernen Bettkästen die mit Farnen oder Stroh ausgelegt waren und jedes Haus besaß in der Mitte eine Feuerstelle.

 

Erstaunlich ist die Tatsache, dass man die Bequemlichkeit einer schrankähnlichen Konstruktion mit Fächern zu dieser Zeit schon erfunden hatte und manche Häuser sogar eine Abflussrinne ins Freie besitzen, die möglicherweise für die Notdurft vorgesehen war.

 

Ein glücklicher Zufall für die Erhaltung des Dorfes ist auch der Umstand, dass Holz auf den Orkneys eher ein rares Produkt ist, und die damaligen Bewohner, entgegen der üblichen Holzbauweise, Steine verwenden mussten. Die Gemeinschaft lebte von Ackerbau, Viehzucht, Fischfang und der Jagd, aber auch von Produkten der Viehzucht, wie Milch oder Käse.
Es muss auch Austausch zwischen den Inseln gegeben haben, denn man fand Hämatit von der Nachbarinsel Hoy.
Zwei Bauperioden gab es im Dorf, wobei in der ersten der Bettkasten in der Wand integriert war und in der zweiten an der Wand, im Raum, stand.

 

Bei den Ausgrabungen wurden in dem Ort nur zwei menschliche Skelette gefunden, das eines Jungen und eines Greises. Die Siedlung lag damals wesentlich weiter landeinwärts, jedoch heute, auf Grund der Erosion, schon sehr knapp am Meer.  Zur Zeit des Neolithikums war sie auch wesentlich größer.
Der Eingang zur Anlage von Skara Brae liegt neben Skaill – House, dem ehemaligen Wohnsitz des Laird, und dort wurde ein begehbares Modell eines Steinzeithauses nachgebaut. Es verströmt Geborgenheit und Schutz und man kann leicht nachempfinden, dass sich die damaligen Bewohner darin wohlgefühlt haben.

 

Liebe Leute, Skara Brae wird auch das „Pompeji Schottlands“ genannt und das ist nicht unberechtigt, denn diese Wohnsiedlung ist älter als die ägyptischen Pyramiden und Stonehenge.
Apropos Stonhenge, Liebhaber von antiken Steinkreisen kommen auf Orkney voll auf ihre Rechnung, denn es gibt dort mehrere davon. Zugegeben, sie sind nicht so groß wie der Südenglische, jedoch die schottischen sind begehbar und man ist fast alleine dort.

 

Für alle Verfechter der Meinung – „ein Bild sagt mehr als 1000 Worte und ein Clip noch viel mehr“ – hier ein Video der Dorfanlage.

Steinzeitdorf Skara Brae, Schottland

Falls jemand den Namen der Anlage hinterfragt, gibt es zwei Möglichkeiten:
1. Eine Verfälschung des alten Ortsnamen „Skerrabra“
2. Der alte Name des Hügels der die Häuser begrub „Styerrabrae“
Liebe Leute, der Fortschritt der Wohnkultur aus dieser fernen Zeit stößt die Türen zu einem Kulturblog weit auf, und ich war echt erstaunt über die Behaglichkeit vor 5000 Jahren und ein klein wenig beschämt, wie sehr ich unsere Vorfahren unterschätzt habe.
Die wildromantische Schönheit der Hebriden alleine ist schon eine Reise mehr als wert, jedoch solche kulturellen Entdeckungen als Beigabe machen den Urlaub unvergesslich.
Euer, Kultur Jack!

Beitrags-Foto: John Lord

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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