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Eine Symbiose zweier Meister

Eine Symbiose zweier Meister

                                                         Ottavio Miseroni und Jan Vermeyen
                                                                1568-1624                     1559-1606

Ottavio:
Die Glyptik, in unserer Sprache „Steinschneidekunst“ genannt, beschäftigt sich mit der Bearbeitung von Edelsteinen, Mineralien, Bergkristall und Schmucksteinen jeglicher Art. Diese Materialien werden dabei, ausgehöhlt, geschnitzt, graviert, geritzt oder zu einem Relief ausgearbeitet. So entstehen sehr unterschiedliche Objekte, wie Gefäße, Gemmen, Schalen, Kameen, aber auch Einlagearbeiten aus Stein zählen zur Glyptik.
Ottavios Vater, Girolamo Miseroni und sein Bruder Gasparo waren in Lison, nahe Mailand, ansässig und betrieben dort eine Werkstatt für Steinschnitt. Vier Generationen lang erlernten die männlichen Mitglieder der Familie diesen Beruf, erworben sich großen künstlerischen Ruhm und Ruf, und schufen Kostbarkeiten für so erlesene Fürstenhäuser, wie die Medicis oder die Habsburger. Ottavios Arbeiten waren von so hoher Qualität, dass sich der Familienbetrieb europaweit einen Namen machte.

 

Jan:
Der Sohn des Hofmalers, Jan Cornelisz Vermeyen, erlernte Goldschmied und Medailleur in Antwerpen und übte sein Handwerk später in Frankfurt am Main aus.
Sein Hauptwerk ist wohl die Krone für Rudolf II., die nach der Auflösung des „Heiligen Römischen Reichs“, die Krone des neuen österreichischen Kaiserhauses unter Franz I., von 1804-1918, wurde. Geschmückt ist dieses Kleinod mit 194 Diamanten, sowie Perlen, Rubinen, Smaragden und einem riesigen Saphir. Auch Vermeyen betrieb seine Profession auf derart hohem Niveau, dass er zu einem gesuchten Künstler Europas wurde.

 

Rudolf II. von Habsburg (1552-1612):
Als Kaiser des „Römischen Reiches“ verlegte Rudolf seine Residenz von Österreich in den Prager „Hradschin“. Als Kaiser soweit umstritten, dass es bis zum „Bruderzwist im Hause Habsburg“ kam, war er auf einem anderen Gebiet souverän und beeindruckend – in seiner Liebe zur Kunst und schönen Dingen. Das „Who is Who“ der bildenden Künstler seiner Zeit war am Prager Hof versammelt, und Rudolf war, mit Abstand, der bedeutendste Kunstsammler seiner Epoche in Europa.

 

Die Symbiose:
Ein besonderes Faible hatte der Kaiser für den Steinschnitt und so berief er am 22.1.1588 Ottavio Miseroni zur Führung der Hofwerkstatt nach Prag.
4 Jahre später folgte Jan Vermeyen dem Ruf des Kaisers an den Prager Hof und 1597 wurde er Hof- und Kammergoldschmied, Juwelier, Wachsbossierer und Medailleur. Beide handwerklichen Künstler kauften sich Häuser in Prag und lebten bis an ihr Lebensende dort.

 

Die beiden Meister ihres Fachs bildeten eine Symbiose aus Können und Professionalität, die auf Gegenseitigkeit beruhte.

 

Sie arbeiteten oft an gemeinsamen Objekten und waren kongeniale Partner – der Eine für die Form und der Andere für die Fassung.

 

Da jeder Stein anders zu bearbeiten ist, waren manche Schneider nur für einen bestimmten Stein spezialisiert, Miseroni hatte das Wissen und Können zur Bearbeitung verschiedenster Steine und erfand auch neue Techniken.

 

Ottavio schuf auch Gemmen und Kameen denen Jan extravagante Fassungen verlieh. Beide bewiesen dabei eine Partnerschaft auf Augenhöhe durch kontrastreiche, aber harmonische Kombination von färbigen Steinen und ausgewogenem Einsatz von Gold und Email.

 

Alle Abbildungen dieses Beitrags stammen aus der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums in Wien. Sie hat die größte Sammlung der kongenialen künstlerischen Symbiose – obwohl Prag 1648 von den Schweden erobert und die Sammlung geplündert wurde. Heute sind die Teile über die ganze Welt verstreut.

 

Kaiser Rudolf II. ließ in ganz Böhmen nach ausgefallenen, schön gemaserten Steinen suchen, und hatte das Monopol, dass ihm die Steine zuerst angeboten werden mussten.

 

Sieht man sich die Arbeiten an, kann man sich leicht vorstellen welche Herausforderung Steine zu schneiden bedeutet – ein falscher Schnitt und der Stein ist verdorben und immer die Gefahr, dass er beim Aushöhlen bricht.

 

Liebe Leute, wenn wir unsere Augen und unseren Geist an diesen steinernen Schönheiten weiden, können wir den Genuss möglicherweise noch erhöhen, wenn wir daran denken, dass die Objekte ungefähr 400 Jahre alt sind, meint,
Euer Kultur Jack!

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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