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Die Welt der Antike in Präzision

Die Welt der Antike in Präzision

                                                             Lawrence Alma-Tadema
                                                                           1836-1912

Liebe Leute, die Malerei ist kein einfacher Broterwerb! Natürlich bekommen berühmte Künstler viel Geld für ihre Bilder, aber bis es soweit ist, gehen sie einen steinigen Weg. Erstens muss man, ganz gleich in welcher Stilrichtung, sein Handwerk sehr gut verinnerlicht haben, um ein hohes Maß an Qualitätskriterien zu erfüllen. Optimal wäre es, sich ganz dem Werk widmen zu können, aber wie bezahlt man seine Rechnungen? Neben den alltäglichen Ausgaben kommen die Kosten für Leinwand und Farben, wovon Vincent van Gogh ein Lied singen konnte – zu seinem Glück hatte er seinen Bruder Theo. Ein Atelier wäre auf jeden Fall von Vorteil, denn um in den Wohnräumlichkeiten zu malen bedarf es, in Punkto Sauberkeit, einer hohen Schmerzgrenze. Wie lässt sich das alles auch noch mit Familienplanung verbinden?
Und wenn du all diese Hürden gemeistert hast und dann deine Arbeiten, die Qualität mal ausgeklammert, keine Anhänger und Liebhaber finden???
Jedoch heute zeigen wir euch in unserem Kulturblog das Gegenteil – einen Künstler der zu seiner Zeit „Everybodys Darling“ war!

 

Lawrence Alma-Tadema wurde in den Niederlanden geboren und eigentlich war sein Vorname Lourens Alma – den ersten Teil davon änderte er später in Lawrence und das Alma schlug er später seinem Nachnamen zu, damit er in Ausstellungskatalogen alphabetisch weit vorne gereiht ist.
16-jährig kam Lawrence nach Antwerpen, besuchte die dortige Kunstakademie und war 1959 an der Ausschmückung des Antwerpener Rathauses beteiligt. Sein Erstlingswerk,“ Die Erziehung der Kinder Clovis“, ließ die Kritiker in Antwerpen zu Lobeshymnen hinreißen, es wurde in der Ausstellung sofort verkauft und König Leopold I. zum Geschenk gemacht.

 

Sein sich rasch fortschreitender Erfolg ließ Lawrence bald zum freischaffenden Künstler werden.

 

Seine Hochzeitsreise führte ihn 1863 nach Italien und dort, an den antiken Stätten, begann sein Interesse an der bildnerischen Wiederbelebung des Alltags in der Antike. Als der Künstler bemerkte, dass er mit diesen Sujets internationales Publikum erreichte, bezog er die alte Welt Ägyptens ebenfalls in sein Werk ein. Der Verleger und Kunsthändler Ernest Gambart bestellte 1864 bei Alma-Tadema 24 Bilder welche er in 3 Ausstellungen zeigte. 1864 erhielt Lawrence für sein Schaffen bereits den Leopolds-Orden.

 

Der überraschende Tod seiner Frau, 1869, veränderte sein Leben von Grund auf und ein Besuch in London ließ ihn seine zweite Frau kennenlernen. Ein Jahr später übersiedelte der Künstler mit seinen zwei Töchtern und seiner Schwester in diese Stadt. Seiner neuen Liebe, Laura, gab er Malunterricht und es entwickelte sich daraus für die Geliebte eine eigene erfolgreiche Karriere. Im darauffolgenden Jahr gab Laura dem Maler das Jawort.
Im viktorianischen London startete Lawrence eine unglaublich erfolgreiche Karriere. Er widmete sich ausschließlich der Historienmalerei und vornehmlich dem Thema Antike. Seine detailgenauen Bilder wurden bis in die USA von reichen Sammlern und Kunstliebhabern geschätzt und gekauft und der Künstler wurde zu einem der angesehensten Maler des Viktorianischen Zeitalters.

 

Liebe Leute, der legendäre Perfektionismus des Niederländers ließ ihn im Britischen Museum antike Alltagsgegenstände von der Sandale bis zum Prunkgefäß detailgetreu studieren und er beschäftigte sich außerdem mit der Architektur längst vergangener Zeiten. Bei einem fünfmonatigen Festlandaufenthalt mit seiner zweiten Frau, 1872, verbrachte er viel Zeit mit Studien in den Ausgrabungsstätten von Pompeji.

 

Des Weiteren kaufte er in Italien ungefähr 5300 Fotos von Ausgrabungen, Architektur und antiken Objekten, die er für seine Arbeit als weiterführend betrachtete. Er archivierte die große Menge an Fotos in einigen Portfolios, die dann zu seinem Studienmaterial wurden. Das führte zu einer originalgetreuen Wiedergabe bis ins kleinste Detail und dass nichts, außer mancher Handlung, der Fantasie überlassen wurde.

 

Königin Victoria selbst, schätzte seine Kunst ungemein und verlieh dem Künstler das dauerhafte Aufenthaltsrecht, wodurch sich ihm die Möglichkeit eröffnete in die „Royal Academy of Arts“ aufgenommen zu werden. Diese höchste Auszeichnung wurde im 1879 als ordentliches Mitglied zuteil. Die nächste große allgemeine Ehrung widerfuhr ihm, vier Jahre später, mit einer Retrospektive seines Schaffens in der Grosgoveor Gallery, bei der 185 Bilder von ihm gezeigt wurden.
Die Königin von England schlug Alma-Tadema, rund um die Feierlichkeiten zu ihrem 81. Geburtstag, zum Ritter, wodurch er das Privileg erhielt vor seinen Namen ein „Sir“ zu setzen.

 

Sir Lawrence Alma-Tadema schuf in seiner Laufbahn 408 Ölbilder  und starb 1912, während eines Behandlungsaufenthalts, auf Grund von Magengeschwüren, in Wiesbaden. Mit der Beisetzung in der St. Pauls Cathedral wurde ihm eine Ehre zuteil, die nur wenigen Briten und Ausländern gewährt wurde.
Seine oft recht sinnlichen Darstellungen der antiken Welt blieben auch in Österreich nicht unbeachtet, denn neben Berlin, Madrid und München wurde der Künstler auch mit einer Mitgliedschaft der „Akademie der bildenden Künste“ in Wien ausgezeichnet. Gustav Klimt hegte Bewunderung für den Niederländer und für sein Schaffen war er Inspiration und Wegbereiter.

 

Durch das Aufkommen der „Klassischen Moderne“ geriet das Werk von Sir Lawrence Alma-Tadema rasch in Vergessenheit und wurde erst viel später durch Hollywood aus dieser zurückgeholt. Die Filmschaffenden bedienten sich seiner antiken Genauigkeit in Filmen wie „Ben Hur“, „Kleopatra“ oder „Die 10 Gebote“. Und dieses Archiv an vorchristlicher Präzision wurde bei gegenwärtigen Produktionen nach wie vor genutzt – so, zum Beispiel, bei „Gladiator“ oder „Die Chroniken von Narnia“.

 

Liebe Leute, Sir Alma-Tadema wurde im Laufe seiner Karriere mit Ehrungen überhäuft, und die Kritik war einhellig voll des Lobes über seine Bilder. Einzig allein der britische Schriftsteller und Kunsthistoriker John Ruskin hielt ihn für den „schlechtesten Maler des 19. Jahrhunderts“- ihm gefiel die fantasielose Genauigkeit seines Werkes gar nicht.

 

Unser Kultur-Blog schließt sich der Meinung Mister Ruskins in keiner Weise an!
Euer Kultur Jack!

Foto Beitragsbild: Superb Magazine

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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