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Eugéne Boudin-Die Entdeckung des freien Lichts

Eugéne Boudin-Die Entdeckung des freien Lichts

Wie geschahen große Umbrüche in der Kunst? Waren es Geistesblitze Einzelner, Glücksgriffe des Zufalls oder eine unaufhaltsame Entwicklungen? Meistens war es so, dass einzelne Künstler einen Schritt über die, bis dahin gezogenen Grenzen machten, und damit Wegbereiter und Ideengeber für die Nachkommenden wurden. Mit so einem Bindeglied zwischen den Stilen beschäftigt sich der heutige Beitrag unseres Kulturblogs: Eugéne Boudin.

 

Boudin wurde 1824 als Sohn eines Seefahrers in Honfleur, Normandie geboren und arbeitete bereits im Alter von 10 Jahren als Schiffsjunge auf einer Fähre zwischen seinem Geburtsort und Le Havre. Wenig später zogen er und seine Eltern nach Le Havre, wo sein Vater eine Schreibwaren- und Rahmenhandlung eröffnete. Auf Grund seiner dortigen Bekanntschaften mit Künstlern entdeckte Eugéne seine eigenen schöpferischen Neigungen.

 

Ab 1844 betrieb er selbst einen Laden dieser Art und stellt dort auch Bilder junger, zeitgenössischer Maler aus. Als Jean-Francois Millet und andere Künstler ihm dazu rieten ebenfalls zum Pinsel zu greifen, nahm er den Ratschlag an und wählte, im Alter von 22 Jahren, den Beruf des Malers.

 

Dank seines Talents gewährte ihm die Stadt Le Havre ein Studium in Paris im Studio von Eugene Isabey. Seine dortige Bekanntschaft mit den Arbeiten der „Schule von Barbizon“ und die Werke der niederländischen Malerei im Louvre hinterließen nachhaltigen Eindruck bei dem jungen Künstler. Die „Schule von Barbizon“ war Neuland, denn dort waren die ersten Künstler gruppiert, die teilweise in freier Natur und nicht im Atelier arbeiteten.

 

Auf Studienreisen nach Flandern, Venedig und verschiedenen Teilen Frankreichs, vor allem der Normandie, entwickelte er sich zu einem der ersten Künstler, die mehr unter freiem Himmel, als im Atelier malten. Das führte zu spontan festgehaltenen Momenten in seinen Bildern, die in Ateliers bis dahin so nicht entstanden waren. Seine lebenslange Beziehung zum Meer führte ihn immer wieder zum Malen maritimer Szenen.

 

Die „Plein Air“-Malerei hatte verständlicherweise auch zur Folge, dass sich Boudin intensiv mit der Gestaltung des Himmels und dem damit verbunden Licht in seinen Bildern auseinandersetzte. Seine 1861 erfolgte Bekanntschaft mit Camille Corot, trug ihm den, von diesem geschaffenen, Beinamen „König der Himmel“ ein. Der Ausdruck der atmosphärischen Gegebenheiten seiner Himmelskuppel machte es nachfolgenden Malern unmöglich zur Darstellung früherer Meister zurückzukehren.

 

Eine denkwürdige Begegnung geschah 1856, als Boudin den damals 16-jährigen Claude Monet kennenlernte und diesen zur Ölmalerei motivierte. Weiters nahm er ihn zum gemeinsamen Arbeiten im Freien mit und führte ihn in die Freilichtmalerei ein. Somit war er wahrscheinlich der wichtigste Lehrer des bedeutenden Impressionisten. An der ersten Ausstellung dieser neuen Kunstform, 1874 im Studio des Fotografen Nadar, war Boudin mit Werken vertreten.

 

Ab 1860 malte Eugéne seine Meeres- und Strandszenen, für die er Berühmtheit erlangte. Meistens waren sie kleinformatig, voller Licht, wunderbarer Himmel, eleganter Menschen und atmosphärischer Gegebenheiten aller Art. Ab dieser Zeit war er auch, durchgehend bis 1897, in den jährlichen Ausstellungen des Pariser Salon vertreten.

 

Boudin pflegte freundschaftliche Beziehungen zu verschiedenen malenden Zeitgenossen, darunter so prominente Kollegen wie: Charles-Francois Daubigny, Gustave Courbet, James McNeill Whistler oder Camille Corot. Der spätere Impressionist Louis Braquaval erlernte bei ihm, ab1881, sein Handwerk und sie blieben nach der Lehrzeit freundschaftlich verbunden.

 

Der bekannte Galerist Paul-Durand Ruel nahm 1881 Boudin unter Vertrag und veranstaltete eine Retrospektive mit mehr als 150 Werken seines Schaffens. Diese Ausstellung vermehrte seinen Ruhm und finanzielle Sicherheit wesentlich – Eugéne Boudin war eine bekannte Persönlichkeit! Als der Wegbereiter des Impressionismus 1898 seinen nahenden Tod fühlte, bat er nach Deauville-Trouville gebracht zu werden, um noch einmal das Meer zu sehen und bald darauf endete sein Leben.

 

Das Werk Eugéne Boudins zeigt die Wichtigkeit der künstlerischen Bindeglieder zwischen den Stilen, und Claude Monet sagte 1920 seinem Biographen „Ich verdanke alles Boudin“. Vergleicht man die Arbeiten der beiden Meister erkennt man sofort das die Lehre der Kombination von Luft, Licht und Farbe bei dem Schüler auf fruchtbaren Boden gefallen ist.

Euer Kultur Jack!

Beitragbild: The Beach at Trouville 1865, Princeton University Art Museum

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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