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Hans Zatzka – Die Linie zwischen Kunst und Kitsch

Hans Zatzka – Die Linie zwischen Kunst und Kitsch

Gibt es eine Linie zwischen Kunst und Kitsch? Um der Antwort zu dieser Frage näher zu kommen, begegnen wir heute dem Werk des österreichischen Malers Hans Zatzka (1859-1945). Zatzka studierte von 1877-1882 an der Akademie der bildenden Künste in Wien unter Christian Griepenkerl, Carl Wurzinger und Carl von Blaas und wurde bereits 1880 mit der Fügermedaille in Gold ausgezeichnet. Diese Auszeichnung wurde jährlich von der Akademie für die besten graphischen Arbeiten vergeben.

 

Nach Studienjahren in Italien arbeitete der Künstler als freischaffender akademischer Maler in Wien,  und schon bald bekam er seinen ersten öffentlichen Auftrag. Er fertigte ein Deckengemälde für das Kurhaus in Baden bei Wien an. Zatzkas Bruder, der Architekt und Stadtbaumeister war, verschaffte ihm Aufträge für Fresken in repräsentativen Wohnhäusern. Auch etliche Altarbilder des Künstlers  schmücken noch heute die Altäre einiger Kirchen Wiens.

 

Bevorzugte Gestalten seiner Arbeiten waren Elfen, Nymphen, Amoretten, Engel und Madonnen, was seiner künstlerischen Weiterentwicklung förderlich war. Denn ab den 1880er-Jahren entwickelten sich Schutzengelbilder zu einem populären Wandschmuck, der schon bald in fast keinem kleinbürgerlichen Haushalt fehlen durfte. Ihren Ursprung fanden diese Darstellungen im Andachtsbild, jedoch rückte der religiöse Charakter mehr in den Hintergrund, als die Bilderfabriken begannen, sie massenhaft als Öldrucke zu verkaufen. Fast über jedem Kinderbett hing ein Schutzengel und die Beliebtheit machte auch nicht vor so Kuriositäten, wie „Ofenrohrbildern“ halt, die das Ofenloch im Sommer abdeckten.

 

Um die Jahrhundertwende verkauften verschiedene Verlage Zatzkas Bilder als Kunstpostkarten, jedoch der große Wurf gelang ihm in der Zusammenarbeit mit der „Kunstanstalten May AG“ in Dresden. Das Unternehmen, welches auf populäre Druckgraphik spezialisiert war, bestellte Bilder nach genau vorgegebenen Kriterien, Zatzka malte sie, und als Öldrucke wurden sie danach als Massenware produziert und verkauft.

 

Ab 1914 entstanden, aus der Symbiose May und Zatzka, die ersten „Schlafzimmerbilder“. Diese Arbeiten wurden alle in einem überlangen Breitformat (52x120cm) geschaffen, auch „Handtuchformat“ genannt, und waren in dieser ungewöhnlichen Dimension für die Wand oberhalb des Ehebettes gedacht. Ab den 20er-Jahren wurden diese Dekorationen für Schlafzimmer äußerst populär, und Zatzkas überfrachtete Darstellungen galten als bahnbrechend für diese Genre.

 

Diese Öldrucke wurden durch Händler von Tür zu Tür verkauft, und da sie für meisten leistbar waren, wurden sie populäre Verkaufsschlager, die bald in keinem Arbeiter- oder Beamtenhaushalt fehlte. Zatzkas Bilder lassen sich überwiegend in drei Gruppen einteilen:
„Traumbilder“ mit liegenden, leicht bekleideten Schönheiten, welche von Amoretten und Putten umgeben sind.
„Reigenbilder“ mit tanzenden Elfen oder Damen, musikalisch begleitet und von üppiger Flora umgeben.
„Kahnbilder“, mit Nixen und Elfen bevölkert, und in allen möglichen Variationen aus stillen Gewässern und romantischen Kulissen kombiniert.

 

Hans Zatzka war ein überaus produktiver Künstler, und arbeitete später für verschiedene Auftraggeber, wobei er bis zu zwei Bilder pro Woche fertigstellte. Er nahm auch wieder Aufträge für die Ausschmückung von Kirchen an. Der Künstler arbeitete ohne Skizzen und malte frei auf die Leinwand, wobei seine Modelle oft seine Frau und seine Töchter waren. Bis ins hohe Alter war Hans Zatzka tätig und in seinem Todesjahr wurde ihm der Professorentitel verliehen.

 

Schlussendlich führt alles uns wieder zur Frage nach Kunst und Kitsch zurück, deren Beantwortung jedoch nicht einfach ist. Als akademischer Maler steht die handwerkliche Qualität seines Werkes niemals im Zweifel, was auch andere Motive beweisen.

 

Manchem Bewunderer des „Abstrakten Expressionismus“ mögen diese Bilder ein Gräuel sein, jedoch die eine oder andere romantische Seele wird sich in den schwelgerischen, überhöhten Motiven in beglückter Seligkeit verlieren. Was uns zu der Allerwelt-Weisheit führt: „Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters“. Beide Welten haben recht und unrecht, und so lässt sich die Frage nach Kunst und Kitsch nicht wirklich, und schon gar nicht zufriedenstellend beantworten.

 

Faktum ist, dass die Preise von Zatzkas Bildern seit den 70er-Jahren stetig nach oben führen, und seine Arbeiten sich in den USA großer Beliebtheit erfreuen. Zudem empfinden so manche Bewohner modern eingerichteter Residenzen, in der Betrachtung seiner überfrachteten, von allem Irdischen losgelösten Bildern, ein Gefühl von Retro-Charme.
Euer Kultur Jack!

Beitragsbild: Reclining Woman, Yulia Mi

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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