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Hans Andersen Brendekilde

Hans Andersen Brendekilde

                                                      

Jemand hat einmal gesagt, dass jedes erste Buch eines Schriftstellers autobiographisch gefärbt ist. Dem stimme ich gerne zu, denn es klingt für mich überzeugend, dass man lieber über Dinge schreibt, die man kennt als nur zu theoretisieren. Jedoch denke ich auch, dass es bildenden Künstlern nicht sehr viel anders ergeht, sie thematisieren die Probleme und Erlebnisse ihres Lebens nicht mit der Feder, sondern mit den eigenen Werkzeugen: Pinsel und Farbe!

 

So machte es auch der Protagonist unseres heutigen Beitrags: Der Däne Hans Andersen Brendekilde. Hans Andersen, wie sein wirklicher Name war, wuchs in dem kleinen Dorf Braendekilde auf Fünen, der drittgrößten Insel Dänemarks, auf. Dass er sich, in späterer Zeit, als Maler dem Sozialrealismus zuwandte, lag in seiner miserablen Kindheit begründet.

 

Ab dem vierten Lebensjahr war er nicht mehr bei seinen Eltern, sondern wuchs bei den Großeltern auf. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen musste er sich im zarten Alter von zehn Jahren, für Kost und Logis, als Hirte verdingen. So lernte er schon frühzeitig die Härten des Lebens kennen.

 

Er hatte jedoch Glück, denn sein Lehrer bemerkte sein Talent Tiere aus Holz zu schnitzen und so kam er, ab 1871, zu einer Ausbildung als Steinmetz und Holzschnitzer. Ab 1877 besuchte er die Königlich Dänische Akademie der bildenden Künste, wo er neben Bildhauerei auch in Malerei unterrichtet wurde. Die Akademie war ein wunderbarer Platz für ihn, denn neben der Arbeit, fand er etliche Freundschaften, die sein ganzes Leben lang fortbestanden.

 

Die Akademie absolvierte er mit Auszeichnung, und trotz seiner Ausbildung als Bildhauer, schlug er sofort eine Laufbahn als Maler ein. Eine seiner lebenslangen Freundschaften hatte er mit dem aus dem Nachbardorf Ring stammenden Maler Lauritz Andersen. Da sie, auf Grund ihrer selben Nachnamen, öfter verwechselt wurden, verlängerten sie ihre Namen um die Bezeichnung ihrer Herkunftsdörfer.

 

Jedoch auch eine von Entbehrung geprägte Kindheit hatten Brendekilde und Ring gemein, und fanden somit zum gleichen Ausgangsthema ihrer künstlerischen Laufbahn. Sie wurden die ersten Künstler Dänemarks, die sich mit dem harten, bedürftigen und elenden Leben des armen Teiles der Landbevölkerung beschäftigten. Da sie diese Seite des Daseins selbst gelebt hatten, schufen sie Werke, die auf den Betrachter sehr eindringlich wirkten. Noch dazu kam, dass sie in den Anfangsjahren als Maler, auf Grund finanzieller Engpässe, ein karges Dasein führen mussten.

 

Die Bekanntschaft mit dem Gutsbesitzer Lars Ebbesen, und dessen Mäzenatentum, machte das Leben Brendekildes, und später auch das von L.A. Ring, wesentlich einfacher, denn ab diesem Zeitpunkt war man der Sorgen der Finanzierung für Miete und Essen enthoben. Brendekildes Freilichtmalerei und deren sozialrealistischen Themen weckten das Interesse anderer dänischer Künstler, steigerte seinen Einfluss auf diese, und verhalf ihm selbst zu Popularität.

 

Der Realismus der Armut und die Themenfindung in seinen Bildern war für Brendekilde keine Herausforderung, denn er entnahm sie seiner eigenen Kindheit. Viele Bilder, seiner frühen Jahre als Maler, erlangten Berühmtheit, jedoch sein bekanntestes wurde „Abgenutzt“. Die Eindringlichkeit der Verzweiflung der Frau über den Tod ihres Mannes auf dem Feld, und ihr hervorbrechender Schrei lassen an Intensität nichts zu wünschen übrig. Auch das Format, von 207cm x 270cm, steigert die Betroffenheit des Betrachters.

 

„Abgenutzt“ zeigt wahrscheinlich den ersten Schrei der Angst und Verzweiflung, der jemals abgebildet wurde. Der Maler Edvard Munch hat mehrere Male in Gemeinschaftsausstellungen, in denen „Abgenutzt“ ausgestellt war, ebenfalls Bilder gezeigt. Daher muss er dieses Gemälde gekannt haben, und der Gedanke liegt nahe, dass es ihn zu seinem „Schrei“ inspiriert haben könnte und dieser zur Beeinflussung anderer Künstler führte.

 

Im Laufe der nächsten Jahre wurde man auf Brendekilde auch international aufmerksam, da seine Bilder auf Weltausstellungen Preise und Auszeichnungen bekamen und das entspannte die finanziellen Gegebenheiten. Ungefähr ab 1884 begann der Künstler die Rahmen für seine Bilder selbst zu entwerfen und teilweise auch zu bemalen, und damit brachte er, die sich international ausbreitende „Arts & Crafts“ – Bewegung nach Dänemark.

 

Brendekilde unternahm Reisen nach Italien, Ägypten und den Nahen Osten, die sich auch in seiner Arbeit niederschlugen.

 

In den späteren Jahren war Brendekilde nicht nur als Maler aktiv, sondern illustrierte verschiedene Bücher, und auch religiöse Themen fanden sein Interesse. Weiters gilt er als erster Maler Dänemarks der mit Glas in Form von Kirchenfenstern arbeitete und sich mit der Herstellung von Keramik beschäftigte.

 

Der Künstler war Zeit seines Lebens Sozialist, gab jedoch in den späteren Jahren die Abbildung des kargen und elenden Leben der armen Bevölkerung auf und widmete sich thematisch der Idylle des Landlebens. Da er in jungen Jahren auch zum Blumenmaler ausgebildet wurde, fanden jetzt auch Flora, Fauna und Kinder Einzug in sein Werk. Man kann sicher einen Zusammenhang mit der Lebensgestaltung seiner späten Jahre herstellen.

 

Denn mit seiner Frau und den beiden Kindern baute er ein großes Haus in Jyllinge. Sein angeschlossener Garten brachte es zu Berühmtheit, denn er pflanzte dort über 3000 verschiedene Blumenarten, womit er eine Ähnlichkeit mit Claude Monet und dessen Garten in Giverny aufweist.

 

Als Hans Andersen Brendekilde im Jahr 1942 stirbt hat er bewiesen, dass ein Leben welches katastrophal beginnt nicht auch so enden muss. Fast ist man verleitet, sein Dasein als Märchen zu sehen, da er mit dem Erzähler und Dichter Hans Christian Andersen entfernt verwandt war.

Euer Kultur Jack!

Beitragsbild: Worn out, Copyright: tosommerfugle.blogspot.dk

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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