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B(r)uchstücke XXXVI – Die Freude am Leben

B(r)uchstücke XXXVI – Die Freude am Leben

B(r)uchstücke XXXVI – Die Freude am Leben

 

Im Jahre 1845 bezog ein Mann, am Walden-See in Massachusetts, ein selbstgebautes Blockhaus und lebte 2 Jahre lang alleine, jedoch mit Kontakt zur Außenwelt. Seine damit gemachten Erfahrungen hielt er in dem Buch „Walden“ fest. Henry David Thoreau war somit der erste Aussteiger der Geschichte, der seine Erlebnisse auch niederschrieb.

Foto: © National Portrait Gallery

„Ich bin in den Wald gezogen, weil mir daran lag, bewusst zu leben, es nur mit den wesentlichen Tatsachen des Daseins zu tun zu haben. Ich wollte sehen, ob ich nicht lernen könne, was es zu lernen gibt, um nicht, wenn es ans Sterben ging, die Entdeckung machen zu müssen, nicht gelebt zu haben. Ich wollte kein Leben führen, das eigentlich kein Leben ist, dazu war es mir zu kostbar. Ich wollte intensiv leben, dem Leben alles Mark aussaugen, so hart und spartanisch leben, dass alles die Flucht ergreifen würde, was nicht leben war; wollte mit großem Schwung knapp am Boden mähen, um das Leben in die Ecke zu treiben und es auf die einfachste Formel zurückzubringen. Wenn es sich als erbärmlich erwies, dann wollte ich seine Erbärmlichkeit kennenlernen und sie der Welt kundtun. War es aber herrlich, so wollte ich es aus eigener Erfahrung kennen und imstande sein, einen wahrheitsgetreuen Bericht zu geben. Denn  die meisten Menschen scheinen sich in einer merkwürdigen Unklarheit darüber zu befinden, ob es von Gott oder vom Teufel stammt, und haben etwas voreilig den Schluss gezogen, dass es die Hauptbestimmung des Menschen auf Erden sei, Gott zu preisen und sich seiner ewig zu erfreuen.“

                                                          Walden, Henry David Thoreau (1817-1862)

 

Henry Miller legte, laut eigenen Angaben, keinen Wert auf Sicherheiten im Leben, und hatte auch keinen Glauben daran daran. Wichtig waren für ihn die Erfahrungen, Erlebnisse und Schönheiten des gegenwärtigen Tages.

Foto: © Drümmkopf

„Was jedes empfindende, blutvolle Wesen aus GIONOS Werken sofort heraushören kann, ist das „Lied der Welt“. Dieses Lied, zu dem jedes neue Buch endlose Refrains und Variationen liefert, ist für mich weit kostbarer, weit bewegender, weit poetischer als das „Lied der Lieder“. Es ist innig, persönlich, harmonisch, frei und offen – und endlos. In ihm jubeln die Lieder der Lerche, der Nachtigall, der Singdrossel, in ihm tönen das Schwirren der Planeten und das fast unhörbare Kreisen der Gestirne; in ihm erklingen das Schluchzen, das Weinen, die Angstrufe und Klagelaute verwundeter Seelen sowie das Lachen und Jubelgeschrei der Glücklichen; in ihm erschallen die seraphische Musik der Engelscharen und das Heulen der Verdammten. Dieser sinnlichgeistigen Musik fügt GIONO noch die ganze reiche Skala von Farbe, Geschmack, Geruch und Gefühl hinzu. Die leblosesten Dinge haben ihre eigenen geheimnisvollen Schwingungen. Hinter dieser symphonischen Schöpfung steht eine Philosophie ohne Namen: ihr Anliegen ist es zu befreien, alle Schleusen der Seele weit offenzuhalten, der Betrachtung, dem Abenteuer, der leidenschaftlichen Verehrung das Feld zu bereiten.

„Sei was du bist, nur sei es voll und ganz!“ So raunt es uns zu.“

                                        Die Kunst des Lesens, Henry Miller (1891-1980)

 

Die Freude am einfachen Leben und der daraus gezogene Genuss, stehen im Mittelpunkt vieler Erzählungen und Romane Peter Roseggers. Hat man jemals seine „Waldheimat“ in der Steiermark besucht, kann man leicht verstehen, warum ihm wenige Kilometer Umkreis genug waren.

Foto: © Dorotheum

„Sollte es denn nicht viel mehr die höchste Kultur sein, dass der Mensch genießt anstatt vermisst? Und er seine Wünsche gerade so einzurichten weiß, dass sie ohne unverhältnismäßigen Aufwand von Kraft und – Seelenfreiheit naturgemäß befriedigt werden können. Wer künstlich Bedürfnisse schafft, wie es ein großer Teil unserer Industrie, unseres Handels tut, der schafft Unzufriedenheit. Wer sich von einem ursprünglichen, harmlosen Lebensgenießen ablenken lässt und in eine Überfülle moderner Werte gerät, der ist bald ein Übersättigter und Ungesättigter zugleich. Warum dem armen Menschen tausend Fangorgane und tausend Genussherzen anzüchten wollen, wenn zwei Arme zur Arbeit und ein Herz zum Genießen bisher ausgereicht haben! Genüsse, die über den Erwerb zweier Arme oder eines Kopfes hinausgehen, müssen mit sittlichen Gütern bezahlt werden. Der vollkommene Mensch besitzt nichts und genießt alles. Wer auf jedem Holzbalken und Steinboden so gut ruht wie auf einem Sofa, dem ist die ganze Welt voll Sofas. Wem ein Trunk Wasser an der Quelle so gut schmeckt wie Johannisberger Auslese, dem sprudelt aus jedem Berge Rheinwein.“

                                                                       Erdsegen, Peter Rosegger (1843-1918)

 

E.T.A. Hoffmanns Werk wurde, schon zu seiner Lebenszeit, zwiespältig aufgenommen und das hat sich bis heute nicht verändert. Manchen Lesern war und ist seine Sprache zu blumig, oder gar zu schwülstig. Jedoch für den Ausbruch höchster Lust am Leben, hat er immer die die passenden Worte gefunden.

„Da rauschten die Zweige der Zedern, und höher und freudiger erhoben die Blumen ihre Häupter, und gleißende Paradiesvögel schwangen sich durch den Saal, und süße Melodien strömten aus den dunklen Büschen, und wie aus weiter Ferne hallte jauchzender Jubel, und ein tausendstimmiger Hymnus der überschwänglichsten Lust erfüllte die Lüfte, und in der heiligen Weihe der Liebe regten sich die höchsten Wonnen des Lebens und sprühten und loderten empor, reines Ätherfeuer des Himmels!“

                                                            Meister Floh, E.T.A. Hoffmann (1776-1822)

Foto: © E.T.A. Hoffmann Selbstporträt

 

Die Romane und Erzählungen der Bronte – Schwestern sind geprägt von Leidenschaft, der Suche der Protagonisten nach dem Glück, und der landschaftlichen Schönheit ihrer Heimat im englischen Yorkshire. Keine der drei Schwestern erreichte das vierzigste Lebensjahr.

„Das stille Wohnzimmer, das helle Feuer, das Fenster mit dem Blick auf den dämmernden Himmel und den Mond, seinen „milden Beherrscher“, genügen ihr, um ihr die Erde zu einem Garten Eden zum machen, das Leben zum Gedicht. Sie ist durchglüht von einer stillen tiefen Freude, die kein Mensch ihr trüben oder rauben kann, weil sie ihr von keinem Menschen zuteilwurde, sondern die reine Gabe Gottes an sein Geschöpf ist, die freie Mitgift der Natur für ihr Kind. Diese Freude verleiht ihr die Illusion eines unbekümmerten genialischen Lebens: auf grünen Stufen, die ganz Licht sind, erklimmt sie eine Höhe, die kaum niedriger ist als jene, von der die Engel auf den Träumer von Bethel niederblickten, und ihr Auge sucht die Vision eines Lebens, wie ihre Seele es sich wünscht. Nein, sie wünscht es sich nicht, es bleibt ihr gar keine Zeit zu wünschen. Die Seligkeit ergießt sich erregend über sie und vermehrt ihren Glanz schneller, als Gedanken ein Verlangen zu äußern oder ein Bild zu formen vermögen.“

                                                                                      Shirley, Charlotte Bronte (1816-1855)

 

Unsere Freude am Leben beeindruckt, in unserer eigenen Zeitspanne, normalerweise, nur die Menschen die uns umgeben. Schriftsteller können ihre Lust daran, über Jahrhunderte, für die Nachwelt konservieren. Das verlockt doch auch zur Feder zu greifen, meint,

Euer Kultur Jack!

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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