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Ins rechte Licht gerückt

Ins rechte Licht gerückt

                                                            Ins rechte Licht gerückt

Liebe Leute, Liebhabern der Malerei passiert es immer wieder, dass sie mit einem imaginären Kopfschütteln vor einem Bild stehen, weil das Motiv, durch Perfektion, Können und Präzision, an die Grenzen des Erreichbaren, getrieben wurde. Ob Porträt, Landschaft, Blumen, Tiere oder einfache Gegenstände, nichts ist davon ausgenommen. Doch oft vergisst man dabei, dass der Schwierigkeitsgrad einer Abbildung noch steigerungsfähig ist, wenn es sich um etwas Immaterielles handelt: Licht!
Die Kunst der Gotik konnte, auf Grund der religiösen Themen mit Goldhintergrund, dieses Thema leicht umschiffen, jedoch ab der Renaissance spielten die Geschehen vor natürlicher Staffage, und da musste man zumindest Tag und Nacht unterscheiden. Die Konzentration des Betrachters widmete sich jedoch hauptsächlich der Handlung oder Geschichte, die das Werk erzählte.

 

Die Bedeutung der Lichtquelle für das Bild wurde aber schlagartig, mit dem Auftauchen eines Mannes, wesentlich: Michelangelo Merisi (1571-1610), der allgemein, nach dem Herkunftsort seiner Eltern, als Caravaggio bekannt ist.
Um den Realismus seiner Bilder zu steigern entwickelte er das „Chiaroscuro“, die Hell-Dunkel-Malerei, und die war im damaligen Übergang, von der Renaissance zum Barock, eine echte Innovation.

 

Caravaggio steigerte durch gezielten Einsatz von Licht und Schatten die Räumlichkeit des Geschehens, und überhöhte damit die Stimmungen und Effekte dramatisch. Die Handlung wurde damit automatisch fokussiert und in das „rechte Licht gerückt“. Die Abstufung der Lichtwerte konnte alle Schritte, bis zur absoluten Dunkelheit erreichen. Viele seiner Bilder gestaltete der Künstler mit Lichtquellen, die außerhalb der Sichtweite des Betrachters liegen.

 

Nach einem spektakulären Leben, mit Totschlag, Gefängnisflucht und Verbannung aus Rom, starb Caravaggio, im Alter von 38 Jahren im Ort Porte Ercole, am Rande der Toskana.

 

Obwohl der Künstler kein hohes Alter erreichte, war die Wirkung seines Schaffens enorm. Auf Grund seines exzentrischen Einzelgängertums, hatte er weder Werkstatt noch eigene Schüler, jedoch konnte sich kaum ein bedeutender Maler des Barocks dem Einfluss seines Werkes entziehen. Etliche der römischen Künstler, die Caravaggio noch lebend kannten, nahmen Anleihen an seinem Stil, und wurden damit die ersten Mitglieder einer Gruppe, denen die Kunstgeschichte später den Namen „Caravaggisten“ verlieh.

 

In der Zeit von endender Renaissance und Manierismus, und zu Beginn des Barocks, galt Italien, und vor allem Rom, als das Zentrum der Kunst. Der Wunsch jedes europäischen Malers, der sich selbst ernst nahm, war, die Kunst der Italiener vor Ort zu studieren.
Caravaggios Bilder sind, bis heute, mit geringem Aufwand zu studieren, da viele davon im öffentlichen Raum, sprich Kirchen, zu besichtigen sind. Diese Bildungsreise nach Rom, nahmen auch viele niederländischen Künstler für sich in Anspruch. Eine Gruppe davon sind der Nachwelt als die „Utrechter Caravaggisten“ bekannt.

 

Sie waren explizit, auf Grund der innovativen Malweise des Italieners, nach Rom gekommen, haben ihr Idol zwar nie persönlich kennengelernt, doch ausgiebig die Möglichkeit genutzt, sein Werk und das seiner Nachfolger kennenzulernen. Zurückgekehrt in der Heimat, beeinflussten ihre Studien wiederum Rembrandt, der Italien nie besucht hatte, zu seinen hell/dunkel-Bildern.

 

In Frankreich zählte George de la Tour zu den Nachfolgern des Italieners, wobei er in seinen Bildern die Lichtquelle meist sichtbar machte.

 

Die Natürlichkeit der korrekten Abbildung des Lichts und der Kontraste konnte, und wollte, man bald nicht mehr übergehen. So wählte etwa Jan Vermeer, einer der großen Meister des Goldenen Zeitalters der holländischen Malerei, beim überwiegenden Teil seines Werkes natürlichen Lichteinfall von der linken Seite des Raumes. Dem „Chiaroscuro“ konnte auch er sich nicht gänzlich entziehen.

 

Caravaggio selbst, war 100 Jahre nach seinem Tod so gut wie vergessen, und es dauerte bis ins 20. Jahrhundert, dass er wiederentdeckt und gefeiert wurde. Jedoch der Wandel, der durch ihn eingesetzt hatte, war unumkehrbar. So verknüpfte etwa der britische Maler Joseph Wright of Derby, seine Szenen der zeitgenössischen Naturwissenschaft, mit dem Hell/Dunkel seiner Vorgänger.

 

Für sein Bild „Das Experiment mit einem Vogel in der Luftpumpe“ studierte er exakt die Auswirkung der künstlichen Lichtquelle, in der Mitte des Gemäldes, auf die einzelnen Figuren.
So bekamen seine wissenschaftlichen Darstellungen eine Aura des Geheimnisvollen und der Mystik, und machte sie für den Betrachter interessanter und ansprechender.

 

Es ist auch nicht verwunderlich, dass, im nächsten Jahrhundert, vermehrt atmosphärische Erscheinungen in Verbindung mit natürlichem Licht Einzug in die Malerei hielt, und die romantische Seite des menschlichen Wesens berührte.

 

Schlussendlich führt uns diese Reise durch „das Licht in der Kunst“ zu dem Meister, für den das Licht in seinen Bildern oberste Priorität hatte: Joseph Mallord William Turner. Seine Arbeiten machten ihn zu einer Berühmtheit seiner Epoche.
Jedoch für sein Spätwerk, welches das Licht selbst zum Thema hat und alles Gegenständliche verschwindet, erntete er Kritik und Kopfschütteln.

 

Es erging ihm, wie manchem Künstler, der einen Schritt und Gedanken vor seinen Zeitgenossen, und dadurch, für die meisten, auch nicht verständlich war. Posthum erfuhr er Genugtuung durch die Künstler des Impressionismus, für die seine Werke eine Offenbarung waren – denn nichts war ihnen wichtiger als Licht!

 

Liebe Leute, auch wenn das Dunkel und die Nacht ihre Schönheit besitzt – alle Lebewesen streben zum Licht, und so wäre es sehr verwunderlich, wenn es in der Kunst kein Thema geworden wäre!
Euer Kultur Jack!

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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