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James Ensor

James Ensor

Liebe Leute, es ist immer wieder interessant sich mit Künstlern zu beschäftigen, deren Werk in keine vorhandene Kunstrichtung eingeordnet werden kann. Sie und ihr Schaffen ragen dann, Inseln gleich, aus dem Fluss der Kunstströmungen heraus und werden später oft richtungsweisend für nachkommende Kunstschaffende.
So ein Einzelgänger war James Ensor. Er wurde 1860 in Ostende geboren, war kein guter Schüler aber sein Vater erkannte das künstlerische Talent.
1877 geht er an die Brüsseler Akademie, kommt aber mit dem akademischen Malbetrieb nicht zurecht und empfindet das Kopieren alter Meister als unkreativ. 1880 bricht er sein Studium ab und geht zurück nach Ostende, das er dann bis zu seinem Tode nur mehr selten verlässt.
Anfangs wird er von den Impressionisten beeinflusst, jedoch durch seine Studien über die Wirkung des Lichts auf Spiegelungen und Flüssigkeiten erhellt sich seine Palette. Er findet auch zu seinem Malstil.

 

Seine Eltern betreiben in Ostende einen Laden für Geschenkartikel, Souvenirs und Kuriositäten, wo sie, unter anderem, auch Karnevalsmasken anbieten, Ab 1883 finden Masken und Skelette Eingang in Ensors Bilderwelt  und bleiben ein fixer Bestandteil der Selbigen. Die dargestellten Menschen tragen ab jetzt sehr oft, an Stelle des Gesichtes, eine Maske. Das Skelett symbolisiert für ihn die Nichtigkeit und Absurdität der Welt.

 

James hat mit seinen Bildern jedoch keinen Erfolg – Kritik sowie Kunstbetrieb lehnen sein Werk ab.  Kritiker sehen Parallelen zum Impressionismus, dagegen wehrt sich Ensor vehement. Aus Verbitterung über die Ablehnung verwendet er eines seiner Bilder als Teppich in seinem Atelier und versucht sein Gesamtwerk um 8500 belgische Franc zu verkaufen. Er findet nicht einen Interessenten. Als Visitenkarte benutzt er die Zeichnung eines Sarges auf dem sein Name steht.
1887 stirbt sein Vater, einer der wenigen Befürworter seiner Kunst und ab diesem Zeitpunkt nehmen Masken und Skelette eine herausragende Rolle in seiner Bilderwelt ein. Er ergänzt sogar Bilder von 1880 um diese Sujets. Seine Skelette sind keine starren Knochenmänner sondern kämpfen, musizieren, fliegen durch die Lüfte und sind somit alles andere als tot.

 

1888 malt er sein Hauptwerk – „Christus Einzug in Brüssel“. Das Bild ist 2,5 x 4,3 m groß, und auf diesen fast 10m² sind nahezu 1000 Masken abgebildet und die Gesichtszüge Jesus sind ein Selbstporträt des Malers. Die Kunstwelt nimmt auch dieses Bild nicht an und Ensor wird es erst 1929 erstmals öffentlich ausstellen und bis zu seinem Tod hängt es an prominenter Stelle in seinem Atelier. Heute ist das J. Paul Getty Museum in Malibu stolzer Besitzer des Hauptwerkes  eines Wegbereiters des Expressionismus.

 

Ob Landschaft, Stillleben, Porträt – Ensor versuchte sich in allen Genres sowie in allen Techniken und Formaten. Das Selbstporträt findet man ebenfalls häufig in allen möglichen Motiven.

 

Jedoch um 1900 kam der Umschwung, plötzlich erkannte man die Schönheit und Qualität seines Werkes. Die Museen und Sammlungen wollten alle „einen Ensor“ und die Käufer und Interessenten gaben sich in seinem Atelier die Klinke in die Hand. In kurzer Zeit wurden ungefähr 20 Monographien über ihn geschrieben. Der Höhepunkt seiner Popularität war um 1920 mit zahlreichen Ausstellungen und Retrospektiven im In- und Ausland.

 

Aber seine besten Bilder malte er alle vor 1900, danach haben sich seine Sujets nur mehr wiederholt. Er war sich dieser Schwäche bewusst, denn er datierte heimlich einige spätere Bilder in seine glänzenden Jahre zurück.
1929 wird James Ensor vom belgischen König in den Adelsstand erhoben und ist ab dann ein Baron.
Er findet alle seine Motive in Ostende und bleibt seiner Heimatstadt treu in der er auch 1949 stirbt.

Foto: © cea+

 

Sein ehemaliges Atelier und Wohnhaus ist heute ein Museum das  seinen Ehren gewidmet ist, jedoch von den Bildern die früher keiner wollte, gibt es dort keines mehr. Ausschließlich Reproduktionen sind dort ausgestellt.
Ja, liebe Leute, solche Eilande wie dieser „Maler der Masken“ sind im Fluss der Kunstgeschichte von großer Bedeutung, denn möglicherweise wäre der Surrealismus ohne ihn ein Anderer geworden, spekuliert
Euer Kultur Jack!

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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