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Der Burgundische Hofbecher

Der Burgundische Hofbecher

Die Geschichte Burgunds reicht bis in die Zeit der Völkerwanderung zurück, jedoch der magische Mythos des sagenhaften Reichtums und der wirtschaftlich – kulturellen Höchstblüte dieser Region, ist in der Epoche der Herzöge des 14. Und 15. Jahrhunderts verankert. Die Ritter- und Hofkultur Burgunds war Vorbild für ganz Europa, und Aufträge für exklusive kunstvolle Arbeiten waren ein Höhepunkt jedes Handwerkerlebens. Exakt in diesem Abschnitt der europäischen Geschichte entstand zwischen 1453 und 1467 das hier vorzustellende repräsentative Objekt: Der Burgundische Hofbecher.

Der Burgundische Hofbecher, Foto: © Kunsthistorisches Museum Wien, Kaiserliche Schatzkammer

Der durchsichtige Korpus, Schaft und Sockel dieser wunderbaren Arbeit bestehen aus vier Stücken klarem Bergkristall und wurden auf professionellste Weise in Hartsteinschliff gefertigt. Die Außenwände des Gefäßes sind in sechzehn Facetten geschliffen, Sockel und Knauf zehnteilig facettiert. Die gesamte Oberfläche des Bergkristalls hat die Meisterhand mit eingearbeiteten Mulden verziert, die zu den besonderen Merkmalen burgundischen Steinschnitts zählen.

 

Die einzelnen Teile des Kristalls fügen, teils filigran gearbeitete, Goldmontierungen zu einer schlanken, eleganten Einheit zusammen. Der Deckelpokal stammt aus dem Besitz von Herzog Philipp des Guten (1396-1467) aus dem Hause Valois und so zeigen Sockel und Deckel die persönlichen Embleme des Herzogs – Feuereisen, Feuerstein und den Buchstaben „e“ der verspiegelt durch eine Kordel verbunden ist.

 

Die Zwischenräume der Embleme schmücken abwechselnd Perlenbündel, Rubine und Diamanten. Die Diamanten sind derart angeordnet, dass durch eine neuartige Gestaltung des Schliffs, sich die Form eines Wappenelements des Hauses Valois – die Lilie – aus fünf Edelsteinen ergibt. Der 46 cm hohe, konisch geformte Becher gipfelt in einem, floral gestalteten, goldenen Knauf, der mit Perlen verschiedener Größe behängt und besetzt ist.

 

Durch die Heirat des Maximilian von Habsburg mit Maria von Burgund (1477), und dem baldigen Tod des letzten Burgunderherzogs Karl der Kühne (1477), gelangte ein Teil der Kunstschätze des „Burgundischen Erbes“ nach Österreich. Dieser Kristallbecher fand jedoch einen anderen Weg in die Schatzkammern der Habsburger.

 

In höchsten Adelskreisen waren Hochzeiten oft politische Allianzen. Jedoch konnten Vorbereitungen dazu, und lange Reisewege erhebliche zeitliche Verzögerungen bedeuten, bis die Braut beim Bräutigam eintraf. Wollten beide Parteien, dass die Verbindung gleich vollzogen wird, wurde die Braut, im eigenen Land, mit einem Stellvertreter vermählt und die Ehe galt damit als geschlossen. Diese Ehen wurden „Per Procurationem“ (kraft Vollmacht) – Hochzeiten genannt.

 

Solch eine Ehe schloss der französische König Karl IX. im Jahre 1570 mit der Erzherzogin Elisabeth von Österreich aus dem Hause Habsburg. Der Stellvertreter bei dieser „Per Procurationem“ – Hochzeit, in der Kathedrale zu Speyer, war Erzherzog Ferdinand II. von Tirol. Aus diesem Anlass schenkte der König von Frankreich seinem Stellvertreter den Burgundischen Hofbecher, den er selbst aus dem Nachlass Karl des Kühnen erworben hatte. Karl IX. erwies sich mehr als großzügig, denn zusätzliche Präsente waren der Michaelsbecher, die Onyxkanne und das Salzfass des Benvenuto Cellini, welches zu den Top-Exponaten der heimischen Museumslandschaft zählt.

 

Liebe Leute, die aufwendige und prunkvolle Goldmontierung, in Verbindung mit der hochprofessionellen Bearbeitung des Bergkristalls, machen den Burgundischen Hofbecher zu einem Kunstobjekt allererster Güte. Reflektiert man noch darüber, dass die Herstellungsperiode im ausgehenden Mittelalter liegt, lässt es den Betrachter schon ein wenig verwundert zurück.
Euer Kultur Jack!

Beitragsbild: Der Burgundische Hofbecher (Detail), Kunsthistorisches Museum Wien, Schatzkammer

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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