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Der Rhinozeros – Pokal

Der Rhinozeros – Pokal

Liebe Leute, da das Sprichwort „ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ zutrifft, verwöhne ich unsere Leser gerne mit vielen Fotos. Zwischen den Corona-Lockdowns eilte ich ins Museum, um das erwählte Objekt von allen Seiten zu fotografieren. So verfahre ich jetzt seit 1 ½ Jahren und es war eigentlich unproblematisch. Jedoch jetzt hat mir die Regierung mit einem sechswöchigen Lockdown einen Strich durch die Rechnung gemacht und deshalb zeigt sich unser heutiges Kleinod des Monats nur in offiziellen, und somit weniger, Bildern.

 

Der außergewöhnliche Pokal wurde um 1650 gefertigt und die Darstellung harmoniert perfekt mit dem Ausgangsmaterial: Rhinozeroshorn. Die Anfertigung wurde einem Allround-Künstler zugeschrieben: Georg Pfründt (1603-1663) der nicht weniger als Ingenieur, Baumeister, Medailleur, Wachsbossierer, Kupferstecher und Bildhauer war. Sein künstlerisches Handwerk erlernte er in Nürnberg und war danach für etliche Fürstenhäuser in Deutschland und Frankreich tätig.

Georg Pfründt by Nicolaes de Helt Stockade, Foto: © Christie´s

Der Pokal:
Der gesamte Pokal ist aus dem Horn des indischen Panzernashorns gefertigt. Der Standfuß ist mit vergoldeten Silbermontierungen geschmückt und in diesen sind kämpfende Seeschlangen und Delphine eingraviert.

Foto: © Detail, Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer

Der schlanke Schaft wurde als vollplastisches, sich umarmendes, Liebespaar gestaltet, was auch auf eine weitere Nutzung von Rhinozeros-Horn hinweisen könnte. Im asiatischen Raum gilt diese tierische Waffe, in pulverisierter Form, als Aphrodisiakum, aber auch als Medikament gegen Fieber und Schmerzen.

Foto: © Detail, Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer

Der Pokal selbst ist mit geschnitzten Seeschlangen, Pferde reißenden Löwen und mit Schlangen ringenden Elefanten verziert und ruht ebenfalls auf einer Silbermontierung. Dabei sind die Tiere sehr detailliert ausgearbeitet.

Foto: © Detail, Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer

Verschlossen wird das Gefäß durch einen mit Silber eingefassten Deckel, der von einem Panzernashorn bekrönt ist. Kategorisiert wird es durch das einzelne Horn, da afrikanische zwei davon besitzen. Auf Grund der Darstellung drängt sich die Vermutung auf, dass der Holzschnitt eines Rhinozeros von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1515 als Vorbild fungierte.

 

Auf dem Rücken des Tieres reitet ein mit einem Federrock bekleideter Indianerfürst, der ursprünglich in seiner rechten Hand einen, heute unbekannten, Gegenstand hielt. Auf dem Haupt trägt der Fürst eine Krone.

Foto: © Detail, Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer

Hinter dem Reiter sitzt auf einem Haufen Kürbisse eine Frau, die einen Sonnenschirm in der Hand hält und nur mit einem Lendenschurz bedeckt ist. Diese beiden Figuren dürften von Hans Burgkmair d. Älteren (1473-1531) entlehnt sein, der sie für den Triumphzug Kaiser Maximilian I. entworfen hatte.

Foto: © Detail, Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer

Auffallend ist auch, dass die Figuren auf dem Deckel und das Liebespaar am Schaft die gleiche Kleidung tragen, Lendenschurz und Federkleid.

 

Die Maße des Gefäßes sind mit H:45,5cm und B: 29 cm mehr als beachtlich. Das Kunsthistorische Museum in Wien, Bewahrer dieses Kunstwerks, hat noch zwei ähnliche Schöpfungen die ebenfalls Georg Pfründt zugeschrieben werden. Eine davon wird wieder von einem exotischen Liebespaar getragen.

 

Die zweite ist, vermutlich mit Mars und Venus, in europäischer Tradition und aus Horn und Elfenbein kombiniert.

 

Liebe Leute, auch wenn wir es hier mit sehr erlesenen und hochwertigen Kunstobjekten zu tun haben, möchte ich zum Abschluss meine wiederholte Meinung vertreten, dass der Erstbesitzer der Hörner, in ihrer ursprünglichen Form, damit am schönsten geschmückt war.
Euer Kultur Jack!

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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