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Straußenei-Pokal

Straußenei-Pokal

Mit den Sammlungen der europäischen Kunst- und Wunderkammern der Renaissance und des Barocks verfolgten deren Besitzer mehrere Ziele. Zu einem, war es das Interesse an Kuriositäten und seltenen Objekten, jedoch auch die Aufwertung der eigenen Persönlichkeit und die damit verbundene Machtdemonstration zählte nicht selten zu den Beweggründen. So mancher Sammler startete in diesen Kabinetten auch den Versuch, durch die immense Vielfältigkeit der Objekte, ein hermetisches Weltbild in allen Facetten zu zeigen.

 

Kunstvolle Gegenstände aus Edelmetallen oder wertvollen Schmucksteinen rangierten in der Wichtigkeit nicht unbedingt in vorderster Linie. Erzeugnisse aus seltenen, exotischen Materialien waren manchmal sogar beliebter, weil sie die Welt und das Leben darin von einer neuen Seite zeigten. Und so eine künstlerische Seltenheit, welche die damaligen Bewunderer, sowie die heutigen in Erstaunen versetzte ist unser heutiges Kleinod: Der Straußenei-Pokal.

Straußenei-Pokal, Foto: © Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer

 

Das Straußenei:
Die Eier des Vogel Strauß wurden bereits vor 5000 Jahren künstlerisch bearbeitet und verziert. Die Muster reichten von Geometrie und Abstraktion, über Flora und Fauna, bis hin zu menschlichen Abbildungen. Verwendungszwecke fanden sich vom eingefassten Kunst Objekt bis zum – da die Schale sehr hart ist – Aufbewahrungsgefäß im Haushalt.

 

Große Beliebtheit in den Kunstkammern errangen sie nicht nur auf Grund ihrer Exotik, sie waren auch mit starker Symbolik behaftet. Das Ei ist ein Hort des Lebens und stellt bei der Geburt des ausgereiften Tieres eine zweite Art des Lebens oder eine transzendente Verwandlung dar. Diese sinnlichen Vorstellungen machte das normale Ei zum kulturellen und religiösen Träger unseres Osterfestes.

 

Die Koralle:
Die Entstehung der Koralle beschreibt bereits Ovid (43 v. Chr.-17 n. Chr.) in seinen Metamorphosen. Nachdem Perseus Medusa enthauptet hatte, bettete er ihren Kopf auf Seetang, der sich dadurch blutrot färbte. Die Pflanzen verhärteten sich zu Korallenstöcken und wurden von Nymphen im Meer verstreut.
Korallen sind die Blumen des Meeres, da sie sich aber, wenn man sie dem Wasser entnimmt, verhärten, trug das zu ihrer Symbolik des Fortbestands alles organisch Vergänglichen bei. Der Aberglaube, um deren Unheil abwehrende Wirkung, überdauerte Jahrhunderte, und die Medusa – Legende ließ sie als Mittel gegen den bösen Blick in vielen Bereichen Verwendung finden. Zur Zeit der Renaissance war man auch noch nicht sicher, ob die Koralle eine Pflanze, ein Tier oder ein Stein sei.

 

Das Objekt:
Der Pokal thront auf einem vergoldeten Silberfuß, der mit floraler Goldschmiedearbeit und Korallenästen geschmückt ist und in eine Plattform mündet. Auf diesem Plateau wird ein Strauß von einem Mann in Rüstung an einer Leine geführt, und da diese Figur Afrikaner ist, weist sie zugleich auf die Herkunft des Eies hin.

 

Der bemalte Vogel selbst, trägt sein kunstvoll gefasstes Ei auf dem Rücken und hält ein Hufeisen in seinem Schnabel. Die Bedeutung des Hufeisens liegt darin, dass dieses Tier als sehr robust und widerstandsfähig galt und man ihm sogar zutraute Metall und Steine zu fressen. Das Größenverhältnis Ei zu Vogel wurde mit Absicht so ungleich gewählt, um das exotische Tierprodukt prominent und eindrücklich zu präsentieren.

 

Nach oben hin schließt der Deckelpokal wieder mit einer wunderbaren Goldschmiedearbeit ab, die in einem tiefroten Korallenast endet.

 

Das fast 57 cm hohe Gefäß fertigte, um 1570, der Augsburger Goldschmied Clement Kicklinger (Meister 1561-1617) an, und die Stadt Augsburg als ein bedeutendes Zentrum dieser Zunft im Zeitalter der Renaissance unterstreicht.

 

Liebe Leute, das Ei eines Straußes ist auch in der heutigen Zeit ein beeindruckendes Objekt, und somit ist es keineswegs verwunderlich, dass es, gepaart mit künstlerischer Arbeit, vor 450 Jahren in jeder Kunstkammer sehr begehrt war.
Euer Kultur Jack!

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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