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Reliquienostensorium

Reliquienostensorium

Die Verehrung von Reliquien findet sich nahezu in allen Weltreligionen, besonders jedoch im Christentum, dem Buddhismus und dem japanischen Shintoismus. In der frühen Kirche der Christen, ist der Kult um die Überreste von Führern und Heiligen bereits ab dem  zweiten Jahrhundert nachweisbar. Die großen Kathedralen des Mittelalters verdanken ihre Entstehung meist bedeutenden Reliquien, wie der Kölner Dom oder die Basilika des heiligen Antonius in Padua.

 

Das hier gezeigte Reliquienostensorium stammt aus der Zeit um 1600 und hat einen Eichenholzkern mit Ebenholzauflagen. Ein Ostensorium bezeichnet ein Schaugefäß, welches der Präsentation oder Mitführung eines verehrungswürdigen Gegenstands dient. Die unterste Zone des Schauobjekts, oberhalb des stufigen Sockels, zeigt bereits die ersten Reliquien in einem quergestellten und zwei vertikalen Fenstern.

 

Den mittleren Teil des Kästchens dominiert ein achteckiges Fenster, umgeben von zwölf anderen in verschiedenen Größen, welche sich gemeinsam in ein Rechteck einpassen. All diese Behältnissen erfüllen ihren vorgesehenen Zweck, indem sie die verschiedensten Knochenfragmente beherbergen.

 

Die oberste Zone des Schreins trägt einen Segmentgiebel, der ebenfalls ein Schaufenster in sich birgt. Gemäß einer Beschriftung soll es  eine Reliquie des Apostels Matthäus enthalten. Vor dem Fenster ist eine Darstellung der Pieta angebracht, und bekrönt wird der Giebel mit der silbernen Figur eines Bischofs. Generell ist das gesamte Reliquiar überreich mit verschiedensten Applikationen aus Silber geschmückt. So wird das Fenster im Giebel von zwei weiblichen Figuren in Nischen, mit Fahnen in den Händen, flankiert.

 

Den Mittelteil des Schaukästchens begrenzen zwei kannelierte Säulen mit filigranem Silberbesatz und vergoldeten Kapitellen. An den Seitenwänden des Reliquiars stehen auf vier Konsolen die bildlichen Verkörperungen der christlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung, Liebe und einer himmlischen Tugend: Mäßigung. Der Sockel zeigt uns noch die silberne Figurengruppe der Maria mit dem Kind, die beidseits von Engeln angebetet werden. Ansonsten ziert die gesamte Arbeit ornamentale und florale Goldschmiedearbeit, sowie verschiedene Darstellungen von Engeln, entstanden aus  derselben künstlerischen Hand.

Reliquienostensorium, Foto: © Kunsthistorisches Museum Wien, Geistliche Schatzkammer

Diese Meisterhand gehörte Matthäus Walbaum (1554 Kiel-1632 Augsburg), einem der renommiertesten Goldschmiede Augsburgs. Diese Arbeit zählt zu den wenigen erhaltenen Reliquiaren des Meisters und ist zugleich eine seiner qualitätvollsten Schöpfungen auf sakralem Gebiet. Auf Grund der dunklen Ebenholzauflagen, kontrastierend mit dem strahlenden, silbernen Zierwerk und üppigem Figurenschmuck, ist es ein typisches Werk Walbaums, wie uns Vergleiche verdeutlichen.

 

Liebe Leute, für die Aufbewahrung von Reliquien wurden im Laufe der Jahrhunderte die verschiedensten Objekte erfunden. So gab es dafür Schreine, Staurotheken, Kreuze, Pyramiden, Bursen, Osculatorien und auch „sprechende Reliquiare“, bei denen die äußere Form dem Körperteil nachempfunden ist, dessen Überreste es beinhaltet. Jedoch zählt unser 50 cm hohes Kleinod zu den schönsten Blüten dieser Kunstgattung.
Euer Kultur Jack!

Beitragsbild: Kunsthistorisches Museum Wien, Geistliche Schatzkammer

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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