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B(r)uchstücke XXXIII- Die Schönheit der Natur!

B(r)uchstücke XXXIII- Die Schönheit der Natur!

B(r)uchstücke XXXIII – Die Schönheit der Natur

Wenn einem durchschnittlichen Menschen, die Schöpfung ein sinnliches Erlebnis in freier Natur beschert, dann hat dieser meistens nicht mehr zu tun, als sich ergriffen, berührt oder auch nur beeindruckt dem Geschehen zu öffnen und die, wie auch immer geartete Ästhetik zu genießen. Danach schließt er es in seinem Geist und seiner Seele ein, und zehrt davon, bis das erhebende, pulsierende Gefühl aufgebraucht ist.
Anders sieht es für viele der Schreibenden aus – sie versuchen das Erlebte in Worte zu fassen, um es damit für Andere festzuhalten. Jedoch es ist ein schwieriges Unterfangen ein Erlebnis, welches den Atem stocken lässt, adäquat zu Papier zu bringen. Manche meistern es aber so bemerkenswert, dass es dem Leser fast wieder den Atem stocken lässt.

Herbert Eisenreich musste bereits als Schüler, das Geld für den Lebensunterhalt selbst verdienen, war später Laufbursche, Hilfsarbeiter und Portier. Ab dem 27. Lebensjahr, konnte er als freier Schriftsteller arbeiten.

Foto: © Pixabay

Die Sonne fiel aufs Meer, dessen metallischer Spiegel vibrierte wie von sehr fernen Hammerschlägen: das hauchdünne Kupferblech bebte von den Schlägen der Sonne, die mit zahllosen spitzen Strahlen darauf hämmerte. Kleine Wellen rollten darüber hin, violettbraun oben, und ebbten zurück in das tiefe Metallgrün des Spiegels.
Luftballons, um sie loszulassen, Herbert Eisenreich (1925-1986)

 

82 internationale Literaturkritiker wählten, 2015, diesen Roman von Charles Dickens, zu einem der bedeutendsten britischen Romane.

Foto: © Pixabay

Die Sonne stand schon tief im Westen und war in rötlichen Dunst gehüllt, und ihre letzten Strahlen drangen wie rotgoldene Pfeile durch die Mauerspalten und das schmiedeeiserne Gitterwerk der gegenüberliegenden Kirchtürme; über den Fluss und seine flachen Ufer spannten sie ein feuriges Band und draußen auf dem Meer strahlten in ihrem Schein die weißen Segel auf; wer von einem stillen Friedhof oder einer Hügelkuppe aus ins Land sah, dem schien die Ferne mit Glut übergossen und der Horizont eine Verschmelzung von Erde und Himmel.
Dombey und Sohn, Charles Dickens (1812-1870)

 

Waggerls Bücher wurden in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt, und 5 Millionen Exemplare verkauft.

Foto: © Pixabay

Langsam hebt die Sonne ihren Saum, vom westlichen Tal. Ein heller Streifen Himmel wird sichtbar, und mit einem Male bricht die Sonne durch das Gewölk. Ferne Äcker leuchten plötzlich auf, zartgrün und hell wie unirdische Inseln im grünen Dunst. Für einen Augenblick tritt das Gestirn selbst hervor und neigt sein glänzendes Antlitz über die Erde. Immer heller wird das Land, reiner und höher der blasse Himmel, und dann fällt im dunklen Osten eine Fahne aus der Wolke, festlich und breit in den sieben Farben des Herrn. Sie rollt bis zur Erde herab, eine zweite bauscht sich rund darüber in der köstlich reinen Luft, und plötzlich singen auch die Vögel wieder. Nass und zerzaust sitzen sie überall in den Sträuchern, putzen sich und schwatzen dabei und schütteln sprühende Tropfen aus dem Gezweig. Gräser und Bäume sind über und über mit farbigem Licht bespritzt, an den Ästen hängen dicke Wasserperlen aufgereiht, sie rollen herab und zerstäuben auf dem Boden mit einem klingenden Laut.
Eine andere, schönere Welt ist aus dem Wetter auferstanden, neu geschaffen und noch frisch in allen Farben.
Das Wiesenbuch, Karl Heinrich Waggerl (1897-1973)

 

Heute zählt Virginia Woolf international zu den wichtigsten Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts – zu Lebzeiten war sie, über den englischen Kulturraum hinaus, kaum bekannt.

Foto: © Pixabay

Über Holz lässt sich angenehm nachdenken. Es stammt von einem Baum; und Bäume wachsen und wir wissen nicht wie, sie wachsen. Jahre und Jahre wachsen sie, ohne uns irgendwelche Aufmerksamkeit zu schenken, auf Wiesen, in Wäldern und an den Ufern von Flüssen – lauter Dinge, an die man gerne denkt. In ihrem Schatten wedeln an heißen Nachmittagen die Kühe mit dem Schwanz; die Flüsse werden von ihnen so grün bemalt, dass man, wenn ein Moorhuhn taucht, erwartet, es mit ganz grünem Gefieder wieder hochkommen zu sehen. Ich denke gerne an die Fische, die sich gegen die Strömung wie straff gewehte Fahnen im Gleichgewicht halten; und an die Wasserkäfer, die langsam Kuppeln von Schlamm
Auf dem Flussbett errichten. Ich denke gerne an den Baum selbst. Zuerst an die dichte, trockene Empfindung Holz zu sein. Dann an das Rütteln des Sturms. Dann an das allmähliche, köstliche Hochsteigen des Safts. Ich denke auch gerne an den Baum, wie er in Winternächten auf der kahlen Wiese steht, alle Blätter eng zusammengefaltet, nichts Zartes den eisernen Kugeln des Monds ausgesetzt, ein nackter Mast auf einer Erde, welche die ganze Nacht lang holterdipolter dahinrollt. Der Gesang der Vögel im Juni muss ihm wohl sehr laut und seltsam klingen; und als wie kalt muss er die Füßchen der Insekten empfinden, wenn sie mühselig die Rillen der Rinde emporklettern oder sich auf der dünnen grünen Blache der Blätter sonnen und mit den wie Diamanten geschliffenen Augen gerade vor sich hinsehen… Eine nach der anderen reißen die Fasern unter dem ungeheuren kalten Druck der Erde, dann kommt der letzte Sturmwind, und im Sturz bohren sich die höchsten Äste wieder tief in den Boden. Doch selbst dann ist´s mit dem Leben noch nicht vorbei. Es gibt noch viele Möglichkeiten geduldigen, wachsamen Lebens für einen Baum überall auf der Welt, in Schlafzimmern, auf Schiffen, als Straßenpflaster, als Täfelung von Räumen, wo Leute nach dem Tee beisammensitzen und Zigaretten rauchen. Er ist erfüllt von friedsamen Gedanken, glückseligen Gedanken, dieser Baum.
Der Fleck an der Wand, Virginia Woolf (1882-1941)

 

Adalbert Stifter wollte anfangs eigentlich Maler werden, entschied sich aber doch für das Schreiben. Talent hatte er zu beidem:

Der Königsee mit dem Watzmann, 1837, Adalbert Stifter, Foto: © digital. belvedere.at

„Und der Wald, wenn ihr in ihm herumgehen werdet, hat köstliche Dinge in sich. Da ist der ganze Boden, auf dem er steht, ein ungeheuer zerklüfteter Stein, ein Stein, der hunderte von Meilen lang ist, viele Meilen breit und manche Meile tief. Er hat Risse und Spalten und Gänge und Öffnungen, in welche die Wurzeln der Bäume eindringen und über welchen der schwarze Boden liegt, auf dem die Gräser und Blumen und Beeren des Waldes wachsen. Und das Wasser, welches von den Wolken des Himmels niederregnet, sinkt hinein und sinkt immer tiefer, und sinkt tiefer, und reinigt sich, und sammelt sich in dem Steine wie in einem blanken Kruge, weil der Stein fest ist wie eine glatte Schale. Und dann quillt es irgendwo hervor und macht ein kleines Bächlein, oder in der Steinmulde ein Brünnlein, so hellen Wassers, dass du nicht weißt, wo die Luft aufhört und das Wasser anfängt, und ein Wasserfädlein rinnt von der Mulde fort, und tausend Wasserfädlein rinnen, und überall rieselt es emsig und still, und das Rieselnde findet sich zusammen, und es rauscht dann in die Tiefe, und die vielen, vielen Bäche gehen in die Länder hinab. Und diese Wasser gibt allen Wesen, selbst den Gräsern, Fröhlichkeit und Gesundheit, was das Wasser, in den Ländern draußen, wo allerlei unreiner Boden ist, nicht geben kann. Und die Luft ist in den Höhen, die der Wald einnimmt, reiner, weil sie in allen Höhen reiner ist, und sie wird durch das Harz des Waldes und durch das Atmen seiner Millionen Blätter und Nadeln noch anmutiger und balsamreicher, dass sie oben so Fröhlichkeit und Gesundheit bringt wie das Wasser. Und wer beides, Fröhlichkeit und Gesundheit, verloren hat, der erhält sie wieder, wenn er von diesem Wasser trinkt und von dieser Luft atmet. Darum gehe ich mit euch zu einem Brunnen, den ich in dem Walde weiß, und in die Luft, die um den Brunnen fließt.“
Der Waldbrunnen, Adalbert Stifter (1805-1868)

 

Um Alexander Lernet-Holenias Werk ist es heute sehr ruhig geworden, was aber sehr schade ist, denn er war zu seiner Zeit ein gerne gelesener Schreiber und erhielt etliche Auszeichnungen.

Foto: © Pixabay

Die Frühlingsnacht, die sich über den Platz wölbte, war von einer Schönheit, welche die spärlich flackernden Laternen nicht zu beeinträchtigen vermochten. Der zunehmende Mond sandte Stürze von Silber herab, danach verbarg er sich hinter einem Gewölk, in dessen samtenen Buchten Sterne flimmerten.
Beide Sizilien, Alexander Lernet-Holenia (1897-1976)

 

Liebe Leute, diese geistige Reise zu natürlichen Erscheinungen von Schönheit, sollte uns, auf keinen Fall daran hindern, sie auch wieder einmal in Wirklichkeit und bewusst zu genießen, findet, Euer Kultur Jack!

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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