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Charles Dickens

Charles Dickens

Als ich, circa 22-jährig, wieder zu lesen begann, hatte ich noch keine Ahnung, dass Worte und Sprache Schönheit in sich bergen können, und aus diesem Grund, suchte ich meine Bücher nach Interesse aus.

Unter anderem, landete ich auch bei Agatha Christie und habe im Laufe der Zeit alle, mehr als 70, Kriminalromane von ihr gelesen und es auch nie bereut. In einem ihrer Bücher, möglicherweise war es „ Bertrams Hotel“, ist die Lösung des Falles mit einem Roman von Dickens verknüpft.

Foto: © Public Domain,view terms

Liebe Leute, es ist bis heute so geblieben, dass mich Bücher immer wieder zu anderen Büchern geführt haben, und deshalb kaufte ich mir damals „ Eine Geschichte zweier Städte“, worin Dickens Figuren in London und Paris, zur Zeit der französischen Revolution, die Handlung des Romans vorantreiben.
Es war meine erste Berührung mit Weltliteratur und ich war sofort so fasziniert von der Sprache, dass ich Jahrzehnte lang nichts mehr anders als Literatur las. Kein Buch, das ich jemals zuvor  gelesen habe, hatte nur annähernd so einen Beginn wie dieses:
Es war die beste, es war die schlechteste aller Zeiten. Es war das Zeitalter der Weisheit, es war das der Torheit; es war die Epoche des Glaubens, es war die des Unglaubens; es waren die Tage des Lichts, es waren die der Finsternis; es war der Lenz der Hoffnung es war der Winter der Verzweiflung. Alles lag vor uns, nichts lag vor uns; wir waren alle auf dem geraden Weg zum Himmel, wir waren alle auf dem geraden Weg ins Gegenteil – kurz, die Zeit glich der heutigen darin, dass einige ihrer lautesten Größen behauptete, man könne im guten wie im bösen nur in den höchsten Vergleichen von ihr sprechen.

                                                                                 Eine Geschichte zweier Städte  (1859)

Dickens hatte keine einfache Kindheit, da sein Vater über seine Verhältnisse lebte, und deshalb mehrere Male im Schuldgefängnis war, und Charles einmal in dieser Zeit in einer Schuhcremefabrik arbeiten musste um die Familie finanziell über Wasser zu halten. Ähnliches widerfährt David Copperfield, dem Protagonisten eines seiner Romane.
In fast jedem seiner Bücher prangert  Dickens soziale Missstände, im England des Viktorianischen Zeitalters, an. Es ist zeitmäßig und sozial unserem Biedermeier gleichzusetzen – Menschen mit Geld hatten eine Idylle, der Arme Nichts. Unser Poet verstand aber, auch nachdenkliche oder traurige Sätze so zu formulieren, dass sie allein durch die Wortwahl und ihren Aufbau, dazu angetan sind uns zu berühren:

Und als der Morgen die Nacht verdrängt hatte, erstarb auch auf den wenigen ganz kindlichen Gesichtern das Lächeln mit der freundlichen Dunkelheit, in der es entstanden war.
Träume sind leichte, helle Geschöpfe der Dichtung und Legende, die nächtens auf der Erde ihr Wesen treiben und beim ersten Sonnenstrahl hinwegschmelzen, der die grausame Sorge und die strengste Wirklichkeit auf ihrer täglichen Pilgerfahrt durch die Welt bescheint.

                                                                                    Nicholas Nickleby (1838)

Für mich überraschend, weil in Romanen sehr selten Wert darauf gelegt wird, ist, dass jede Figur, sobald sie auch nur einen Satz zu sagen hat, in der Geschichte nicht mehr verloren geht, und selbst fast zu einem Protagonisten wird. So wie, zum Beispiel in den Pickwick Papers, Mr. Pickwick selbst und sein Diener Sam Weller.
Und in allen seinen Romanen, zu seiner Meisterhaftigkeit in der Handhabung der Worte, kommt noch Dickens unerschöpflicher Humor:

Es war Morgen, und die schöne Aurora, von der schon so viel geschrieben, gesagt und gesungen worden ist, kniff und zwickte mit ihren Rosenfingern Miss Pecksniffs Nase. Das war eine lustige Gewohnheit dieser Göttin in ihrem Umgang mit der schönen Charitas, oder um mich prosaischer auszudrücken, die Spitze jenes Organs im Antlitz des süßen Mädchens war um die Frühstückszeit immer sehr rot. Denn meist sah es zu dieser Tageszeit zerkratzt und frostig aus, wie wenn es geraspelt worden wäre, während sich eine ähnliche Erscheinung im Humor der Dame zu erkennen gab, der dann von etwas scharfer und saurer Art war, als ob, bildlich gesprochen, eine Extra-Zitrone in den Nektar ihrer Stimmung gepresst worden wäre und seinen Wohlgeschmack etwas verdorben hätte.

                                                                                        Martin Chuzzlewit ( 1843)

Welche Menge an beeindruckenden Charakteren hat dieser Poet erfunden – Miss Havisham, Sam Weller, Tommy Traddles, Mr. Pecksniff, Uriah Heep, Mr. Micawber, Quilp, Squeers, Steerforth, Pickwick und Snodgrass, Sidney Carton sind nur einige davon. Und seine bezaubernden Frauengestalten – Esther Summerson, Agnes Wickfield, Dora Spenlow…
Noch dazu verstand er es meisterlich, Gefühlsregungen des Herzens, in berührende Worte zu fassen:

Diese Absicht war, zu Biddy zu gehen, und ihr zu zeigen, wie demütig und reuig ich zurückkomme, ihr zu sagen, dass ich alles, was ich einst erhofft, verloren hatte, und sie an unser altes Vertrauensverhältnis in meiner ersten, unglücklichen Lebenszeit zu erinnern. Dann wollte ich ihr sagen: „Biddy, ich glaube, du hast mich einmal sehr gern gehabt, und damals war mein unstetes Herz, selbst als es sich von dir abwandte, bei dir immer viel ruhiger und besser als seither. Wenn du mich nur halb so gut leiden kannst wie damals, wenn du mich mit all meinen Fehlern und Enttäuschungen hinnehmen kannst, wenn ich wieder zu dir kommen darf wie ein Kind, dem man verzeiht – und tatsächlich, Biddy, bin ich ebenso trostbedürftig und habe eine besänftigende Stimme und eine beruhigende Hand ebenso nötig -, dann hoffe ich, deiner ein wenig würdiger zu sein als damals – nicht viel, aber doch ein wenig. Und, Biddy, ich will es dir überlassen zu entscheiden, ob ich fortan mit Joe in der Schmiede arbeiten oder es mit irgendeinem anderen Beruf in dieser Gegend versuchen oder aber an einen fernen Ort gehen soll, wo eine Beschäftigung auf mich wartet, die ich abgewiesen habe, als sie mir angeboten wurde, um zuvor deine Antwort zu hören. Und jetzt, liebe Biddy, wenn du mir sagst, dass du mich durch die Welt begleiten willst, dann wirst du sie sicher zu einer besseren Welt für mich machen und mich zu einem besseren Mann für sie, und ich will hart arbeiten, um sie auch für dich zu einer besseren Welt zu machen.“

                                                                                            Große Erwartungen ( 1861)

 

Foto: © Heritage Auction Gallery

 

Dickens war, nach heutigen Begriffen ein Workaholic, und nach seinem umfangreichen Werk, in seinen späten Jahren laufend auf Vortragsreisen und gut bezahlten Lesungen. Seine Popularität, im Viktorianischen Zeitalter, war enorm. Er starb 1870 an seinem 2. Schlaganfall! 5 Tage später wurde ihm eine Ehre zuteil, die wenige Dichter erringen, er wurde im Poet´s Corner der Westminster Abbey beigesetzt.
Charles Dickens Romane haben fast durchgehend an die 1000 Seiten, ich habe sein Gesamtwerk gelesen, und ich würde, von Herzen gerne, noch die 10-fache Menge davon lesen,
meint ein überschwänglicher Kultur Jack.

 

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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