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Vincent und Theo

Vincent und Theo

Vincent und Theo

Zu Lebzeiten Vincent van Goghs, interessierte sich so gut wie niemand für seine Bilder; heute zählt jedes Museum, welches Bilder von ihm besitzt, sie zu den Publikumsmagneten seines Hauses. Jedoch damit wir uns heute an seinen Werken erfreuen können, ist ein weiterer Mensch genauso wichtig wie der Maler selbst – sein Bruder Theo! Die Brüder pflegten umfangreichen Briefwechsel und dieser gibt uns einen interessanten Einblick in Vincents Leben und Denken, als Mensch und Künstler. Der heutige Beitrag unseres Kulturblogs zitiert ausschließlich aus den Briefen Vincents an Theo, um die Person des Malers, neben seinem Werk, ein wenig zum Leben zu erwecken.

 

Bevor Vincent seine Berufung als Maler erkannte, war er sehr verunsichert über seinen zukünftigen Lebensweg, und versuchte sich als Verkäufer, Lehrer und Prediger.
„Dann gibt es den anderen Nichtstuer, den Nichtstuer wider Willen, der innerlich von einem heftigen Wusch nach Tätigkeit verzehrt wird, der nichts tut, weil es ihm völlig unmöglich ist, etwas zu tun, weil er wie in einem Gefängnis sitzt, weil er nicht hat, was er braucht, um produktiv zu sein, weil es sein Missgeschick so gefügt hat, dass es mit ihm so weit gekommen ist; ein solcher Mensch weiß manchmal selbst nicht, was er tun könnte, aber er fühlt instinktiv: ich bin doch zu irgendetwas gut, ich habe eine Daseinsberechtigung! Ich weiß, dass ich ein ganz anderer Mensch sein könnte! Wozu nur könnte ich taugen, wozu könnte ich dienen! Es ist etwas in mir, was ist es nur!
Das ist ein ganz anderer Nichtstuer- du kannst, wenn du meinst, mich für so einen halten!…
Ein Vogel im Käfig weiß im Frühling sehr wohl, dass es etwas gibt, wozu er taugt, weiß sehr wohl, dass er etwas zu tun hat, aber er kann es nicht tun, was ist es doch? Er kann sich nicht recht erinnern, dann kommen ihm unbestimmte Vorstellungen, er sagt sich- „die anderen bauen Nester und zeugen Junge und ziehen die Brut groß“, dann prallt er mit dem Kopf an die Stäbe seines Käfigs. Und der Käfig bleibt, und der Vogel ist wahnsinnig vor Schmerz…“

 

Innerhalb von nur 10 Jahren seines kurzen Lebens malte Vincent alle seine Bilder und in dieser Zeit bestritt er seinen Lebensunterhalt von Theos monatlichen Überweisungen. Sie hatten vereinbart, dass Theo als Gegenleistung, die Bilder seines Bruders bekommt.

„Unterwegs habe ich hie und da ein paar Stücke Brot erworben im Tausch gegen einige Zeichnungen, die ich in meiner Reisetasche hatte.“

„Du hast mir zu helfen angefangen, ohne zu wissen, was daraus werden würde, und zu einer Zeit, als andere nicht wollten. Ich möchte so gern, es käme dahin, dass du zu Leuten, die es verrückt finden, dass du mir hilfst, ganz trocken sagen könntest, du hättest nichts dadurch verloren.“

 

In diesen 10 Jahren schuf Vincent ungefähr 864 Gemälde und über 1000 Zeichnungen. Das bedeutet 4 Tage für ein Bild und die Zeichnungen sind nicht mitgerechnet. Van Gogh war mit Leib und Seele Maler, das sieht man auch daran, dass er seine Umgebung immer als Motiv und die Farben in Schattierungen sah.
„Als es eben anfing, hell zu werden, krähten überall bei den über die Heide verstreuten Katen die Hähne, und da wurden die paar Häuschen, an denen wir vorbeikamen- umgeben von dünnen Pappeln, deren gelbe Blätter man fallen hörte- da wurde ein alter stumpfer Turm auf einem Kirchhof mit Erdwall und Buchenhecke- da wurden die flachen Landschaften der Heide und Kornfelder- da wurde alles, alles, alles ganz genau so wie die allerschönsten Corots. Eine Stille, ein Mysterium, ein Friede, wie er allein es gemalt hat…
Es war aber noch ziemlich dunkel, als wir in Zweeloo ankamen, früh um sechs, die eigentlichen Corots hatte ich noch früher am Morgen gesehen.
Das Einfahren ins Dorf war auch so schön. Riesenhafte Moosdächer auf Häusern, Ställen, Schafställen, Scheunen. Hier stehen die Häuser sehr stattlich zwischen Eichenbäumen von einer herrlichen Bronzefarbe. Goldgrüne Töne im Moos, rötliche und bläuliche oder gelbliche, dunkle lila-graue Töne im Boden, Töne von einer unsagbaren Reinheit im Grün der kleinen Kornfelder, schwarze Töne in den nassen Stämmen, scharf davon sich abhebend der goldene Regen der wirbelnden, flimmernden Herbstblätter, die in lockeren Perücken, als wären sie draufgeblasen, noch lose an Pappeln, Birken, Linden und Apfelbäumen hängen, und zwischendurch schimmert der Himmel.
Der Himmel eintönig hell, leuchtend, nicht weiß, sondern ein Lila, das nicht zu entziffern ist- Weiß, in dem man Rot, Blau, Gelb durcheinander flimmern sieht, das alles reflektiert und das man überall über sich fühlt, das dunstig ist und sich mit dem dünnen Nebel unten vereint. Und alles in einer Skala von feinen grauen Tönen zusammengefasst. In Zweeloo habe ich aber keinen einzigen Maler gefunden, im Winter kämen nie welche, sagten die Leute. Ich hoffe, gerade im Winter hier zu sein.“

 

Vincent hatte starke Selbstzweifel was sein Leben, aber auch seine Kunst betraf. Er verkaufte zu Lebzeiten ein einziges Bild, an eine ihm bekannte Malerin. Niemand glaubte an ihn, außer Theo.

„Und doch- ich gehe weiter meinen Weg, aber mit Vorsicht und in der Hoffnung, dass es mir gelingen möge, alle diese Dinge zu bekämpfen, so dass ich eine Antwort habe auf die Vorwürfe, die mir drohen, und in dem Vertrauen, dass ich trotz allem, was mir entgegen zu sein scheint, das erstrebte Ziel erreichen, und, so Gott will, Gnade finden werde in den Augen einiger Menschen, die ich liebe, und in den Augen derer, die nach mir kommen werden.“

 

Der Künstler war kein einfacher Zeitgenosse und es gab etliche Kontroversen, auch mit dem Maler Paul Gauguin. Van Gogh wusste das selbst, aber er kannte auch seine innere Schönheit.

„Ich will Zeichnungen machen, die einige Menschen bewegen und rühren. „Sorrow“ ist ein kleiner Anfang; vielleicht ist so eine kleine Landschaft wie die Allee von Meerdervoort oder die Rijswijker Wiesen oder die Fischtrocknerei auch ein kleiner Anfang; darin ist wenigstens etwas unmittelbar aus meinem eigenen Gemüt.
Ob nun in Figur oder Landschaft- ich möchte nicht etwas Sentimental- Wehmütiges ausdrücken, sondern ersten Schmerz.
Kurz, ich will es so weit bringen, dass man von meiner Arbeit sagt: dieser Mann fühlt tief und dieser Mann fühlt fein. Trotz meiner sogenannten Grobheit, verstehst du, vielleicht gerade darum.“

 

In manchen Belangen irrte sich Vincent gewaltig…
„Als Maler werde ich nie irgendwie von Bedeutung sein, das spüre ich ganz entschieden. Nehmen wir mal an, alles wäre anders: Charakter, Erziehung, Umstände – dann hätte irgendetwas herauskommen können. Aber wir sind zu nüchtern, um uns etwas vorzumachen. Manchmal tut es mir leid, dass ich nicht bei der holländischen Palette mit ihren grauen Tönen geblieben bin und dass ich in Montmartre Landschaften gepinselt habe..“

„Es ist eine ziemlich traurige Aussicht, sich sagen zu müssen, dass die Bilder, die man macht, vielleicht nie irgendwelchen Wert haben werden.“

 

..jedoch manchmal sah er Zukünftiges auch klar und optimistisch.
„Ich kann nichts daran ändern, dass meine Bilder sich nicht verkaufen. Doch es wird der Tag kommen, da man sehen wird, dass sie mehr wert sind als die schließlich recht geringen Kosten für die Farben und für mein Leben, die wir daranwenden.“

„Und wenn wir durchhalten, wird etwas zustande kommen, das länger lebt als wir selbst.“

 

Am 29.Juli 1890 starb Vincent an einer Schussverletzung und sein Bruder Theo überlebte ihn nur um ein halbes Jahr. Theos und Vincents Sammlung bilden heute den Grundstock des Amsterdamer Van Gogh-Museum.
„Es ist vielleicht töricht, das alles zu schreiben, aber ich fühle es so, und mir schien es, als littest wie ich auch du darunter, deine Jugend dahinschwinden zu sehen wie Rauch; doch wenn sie in dem, was man schafft aufs neue grünt und lebendig wird, so ist nichts verloren gegangen, und die Fähigkeit zu arbeiten ist eine zweite Jugend.“

 

Zum ersten Mal, seit wir den Kulturblog schreiben, habe ich die Möglichkeit übergreifend alle unsere Hauptthemen, in einem Beitrag, zu bedienen, und die nütze ich jetzt, indem ich noch den wunderbaren Song von Don McLean über den Künstler als Video einflechte.

Video – Don McLean „Vincent“

Liebe Leute, Vincent zählt mit seinem Werk zu den Mitbegründern der Moderne innerhalb der Malerei, jedoch nebenbei gaben er und Theo ein beispielhaftes Vorbild an Bruderliebe ab, meint,
Euer Kultur Jack!

Copyright Foto: The York Project

Copyright Youtube Video: wysty67

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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