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Walk of Fame – Steiermark -Alfred Wickenburg

Walk of Fame – Steiermark -Alfred Wickenburg

Unser schönes Bundesland Steiermark ist ein „gutes Pflaster“ für Kunst und Kultur! Literarische Ausnahmetalente wie, Peter Rosegger, die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek oder Wolfgang Bauer, um nur einige zu nennen, sind geborene Steirer.
Das Land hat wunderbare Museen, wie die unglaubliche Sammlung des Universalmuseums Joanneum oder das Kunsthaus in Graz. Aber auch kleinere Städte haben Kunsthäuser – Leoben, Mürzzuschlag, Weiz, Köflach…

 

Berühmte Protagonisten, der Malerei der Gegenwart, sind zwei steirische Mitglieder der Künstlergruppe „Wirklichkeiten“ – Franz Ringel und Robert Zeppel-Sperl und, nicht zu vergessen, einer der Hauptakteure des „Wiener Aktionismus“ – Günter Brus. Bedeutend für die „Moderne“ in Österreich war der Grazer Wilhelm Thöny, über den ich bereits einen Beitrag geschrieben habe, und die heutige Hauptfigur unseres Kulturblogs ist ihm, für diesen künstlerischen Zeitraum, gleichgewichtig – Alfred Wickenburg.
Der Künstler entstammte dem Hochadel, und wurde als Alfred Konstantin Capello Wickenburg im steirischen Bad Gleichenberg geboren. Den Einwohnern des Kurorts wird der Name geläufig sein, denn der Urgroßvater des Malers, ein enger Freund von Staatskanzler Metternich, hat den Ort, 1834, gegründet.

 

Das Malerhandwerk erlernt hat Wickenburg 1904 in München an der Malschule des slowenischen Künstlers Anton Azbe. Ein Jahr später besuchte er die Malwerkstatt Adolf Hölzels in der Dachauer Künstlerkolonie. Als Hölzel an die Stuttgarter Akademie berufen wurde, wollte Wickenburg ihm folgen, wurde jedoch dort nicht angenommen.

 

So wechselte Alfred an die renommierte Academie Julian in Paris. Dort verbesserte er nicht nur seine handwerklichen Fähigkeiten, sondern kam auch mit den aktuellen Kunstströmungen seiner Zeit in Berührung.
1909 ermöglichte ihm Adolf Hölzel doch an der Stuttgarter Akademie in seiner Klasse malerische Komposition, und bei dem Impressionisten Christian Landenberger die Malklasse zu absolvieren. Zu dieser Zeit erlernten auch die späteren Bauhauskünstler Schlemmer, Itten und Baumeister ihr Handwerk an der Akademie.

 

Der erste Weltkrieg beendete das Studium Wickenburgs und er meldete sich als Freiwilliger. Nach Ende des Krieges und der Monarchie war der Künstler mittellos und lebte die nächsten Jahre als freischaffender Maler in Italien. Ab diesem Zeitpunkt diente ihm dieses Land immer wieder als Quelle der Inspiration, und er kam, bei seinen Aufenthalten, mit den Arbeiten der Futuristen und Kubisten in Kontakt, die sein Werk beeinflussten.
1923 entschloss sich Wickenburg nach Österreich zurückzukehren, und er ließ sich in Graz nieder. Im selben Jahr war er mit Wilhelm Thöny und anderen Künstlern Gründungsmitglied der Grazer Sezession. Durch seine umtriebige Tätigkeit in dieser Kunstinstitution, war er wesentlich daran beteiligt, der modernen Malerei in Österreich den Weg zu ebnen.

 

Ab den 30er-Jahren begann Wickenburgs Lehrtätigkeit an verschiedenen steirischen Institutionen – am Akademischen Gymnasium, der Landeskunstschule und ab 1937 an der Landesfreskoschule in Graz. Durch seine Lehrtätigkeit übte er großen Einfluss auf die nachfolgende Künstlergeneration aus und erteilte auch Privatunterricht.
Die dunklen Machthaber im 3. Reich belegten ihn zwar nicht mit einem Berufsverbot, jedoch wurde ein Fresko, von seiner Hand, in der Grazer Arbeiterkammer übermalt. Die Auflösung der Grazer Sezession durch die Nationalsozialisten, finanzielle Engpässe und der Tod seiner Frau, machten die Kriegsjahre zu schweren Schicksalsjahren.

 

Das Ende des Krieges kehrte sein Leben wieder ins Positive, die Grazer Sezession wurde, mit ihm als Präsidenten, neu gegründet, er übernahm die Freskoabteilung an der Ortweinschule und wurde Mitglied der Wiener Sezession und des Art Clubs.
Neue Wege beschritt er, indem er sich mit der Arbeit an Glasfenstern auseinandersetzte. Die stark färbigen und hell/dunkel Kontraste bei diesem Medium blieben jedoch auch für seine Malerei nicht ohne Spuren. Sehr schönes Beispiel für seine Glasarbeiten sind die Fenster für die Kirche Maria Schutz, Kalkleiten in der Gemeinde Stattegg, die er gemeinsam mit Franz Felfer schuf.

 

Alfred Wickenburg und seinem Werk war großer Erfolg beschieden, so war er vier Mal bei der Biennale in Venedig vertreten und betrieb, europaweit, rege Ausstellungstätigkeit. Der Große Österreichische Staatspreis, das Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst und der Ehrenring des Landes Steiermark sind nur einige seiner erhaltenen Würdigungen.

 

Liebe Leute, die Bilder Alfred Wickenburgs sind eine Synthese verschiedener Malstile; so hatten Futurismus, Kubismus, Expressionismus, aber auch Neue Sachlichkeit große Wirkung auf den Künstler. Jedoch anstatt sich einer bestimmten Richtung anzuschließen, nahm Wickenburg nur diejenigen Anleihen, die ihm für sein Werk wichtig erschienen. Kombiniert mit seinen eigenen Bildthemen und seiner Persönlichkeit entwickelte er eine, nur ihm zuzuordnende „Handschrift“, die ihm eine fixen Platz unter den bedeutenden Malern der österreichischen Moderne sichert.

 

Der Künstler erhielt sich seine Schaffenskraft bis ins hohe Alter, und starb 1978, als 93-Jähriger, in Graz. Seine Bilder sind heute über viele Museen verstreut, und das Grazer Joanneum hat mir, freundlicherweise, Abbildungen ihres Bestandes für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt.
Die Leuchtkraft der Farbigkeit, die vereinfachten Formen und die Fülle der Themen im Werk von Alfred Wickenburg, machen es zu einem sinnlichen, optimistischen Hochgenuss für den Betrachter, meint
Euer Kultur Jack!

Foto Beitragsbild: Neue Galerie Graz, Joanneum

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !