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Carlo Gesualdo, die kontroverseste Figur in der Musikgeschichte

Carlo Gesualdo, die kontroverseste Figur in der Musikgeschichte

Der italienische Fürst, der Mann, der im Jahr 1586 die Macht übernahm, der Komponist, der Mörder – das ist Carlo Gesualdo.

Carlo Gesualdo
©wikimedia

Eine Figur der Musikgeschichte, die in unserem Blog Platz gefunden hat. Und das nicht nur auf Grund seiner Kompositionen, die bis heute aufgeführt werden, sondern auch wegen der Geschichte hinter seinen Werken. Aber was alles passiert ist und warum das Wort „Mörder“ in diesem Musikbeitrag zu lesen ist, erkläre ich euch gleich.

Carlo wurde am 8.März 1566 in Venosa, Italien geboren. Er wurde nach seinem Onkel, Karl Börromäus, der Kardinal und Erzbischof von Mailand, benannt. Wie es in dieser Zeit üblich war, nahm er am Hofe Musikunterricht und erhielt eine fundierte musikalische Ausbildung. Carlo komponierte und war dabei sehr begabt.

Seine dramatische Geschichte begann im Jahr 1586, als Carlo Gesualdo, der Sohn von Fabrizio II.,Fürst von Venosa, nach dem Tod seines älteren Bruders, dessen Posten als regierender Fürst übernahm. Alles lief so, wie es für diese Zeit sein sollte. Er war 20 Jahre alt, als er seine wunderschöne Cousine Maria d’Avalos heiratete und alles schien so perfekt zu verlaufen. Seine führende Position auszuüben, eine Ehe zu haben und weiter zu komponieren. Leider dauerte das Glück nur vier Jahre.
Sein Leben veränderte sich, als er erfuhr, dass seine Ehefrau mehrere Affären hatte. Die Überraschung und die Enttäuschung waren groß! Er kam auf die Idee einen Jagdausflug vorzutäuschen, und kehrte am 16.Oktober 1690 überraschend nach Hause zurück. Was er dort vorfand, bestätigte seine Befürchtungen, denn er erwischte Maria d ´Avalos mit ihrem Liebhaber. Die Wut war groß! Die Emotion übertraf den Verstand. Er metzelte die beiden nieder. Die Eifersucht führte zu einer Brutalität, die heute nicht zu verstehen und inakzeptabel ist! Am nächsten Morgen, fanden die Diener im Schlafzimmer am Boden zwei leblose Körper – Der Liebhaber, Don Fabrizio Carafa, niedergestochen mit 53 Stichen und Dona Maria, mit zertrümmerten Schädel und aufgeschlitzter Kehle.

Don Carlo Gesualdo, sah es als eine Sache der Rache und fühlte sich, als Gehörnter, im Recht. Trotzdem zog er aus seiner Burg aus und wartete ab. Er wartete, dass die Angehörigen der beiden Opfer sich beruhigten und die ganze Situation sich entschärfte. Und leider, passierte das! Er war immerhin ein Fürst, ein Adeliger, er gehörte zu der Elite und hatte viel Einfluss. Das Gericht legte die Akten zur Seite und tat so, als ob nie etwas gewesen wäre. Was für die heutige Zeit unvorstellbar ist. Auf einmal war aus dem Täter Carlo, ein Opfer gemacht worden!

Aber das Gewissen des Menschen, obwohl auch ein Mörder, war groß. Er konnte die Geschichte nicht vergessen und einfach so weiter machen, wie bisher. Ja, er komponierte weiter. Ja, er lebte sein Leben und heiratete ein zweites Mal. Carlo ließ ein Kloster mit Kapelle bauen – um damit für seine Sünden zu büßen, und sein Gewissen zu beruhigen. Er zog sogar in seine Burg zurück, wo er mit seiner damaligen Frau lebte. All das genügte aber nicht!

Carlo Gesualdo, der Fürst und zugleich der Mörder, versuchte die grauenhafte Geschichte so gut wie möglich zu vergessen und weiter zu machen. Aber er sank immer tiefer und tiefer in den Abgrund. Er verließ seine Burg nie wieder, er entwickelte sich zu einem Masochisten und wurde manisch-depressiv. Trotzdem komponierte er weiter. Er veröffentlichte sechs Madrigalbücher und drei Sammlungen mit Kirchenmusik. Eine Musik, die eine blutige Geschichte hinter sich hat, und trotz allem wunderschön ist und bis heute zu hören sich lohnt.

Quelle: BR-KLASSIK

Jetzt ist aber für mich, und wahrscheinlich auch für euch die ethische Frage aufgetaucht – hat es sich ein blutrünstiger Mörder verdient, berühmt zu werden und dass seine Werke zur Aufführung kommen?

Eure Kultur Jacky

Beitragsbild: Carlo Gesualdo – Attendite et videte
© wikimedia

Über den Autor

Kultur Jacky

Kunst und Kultur sind nicht nur meine Leidenschaft, sondern auch mein Beruf. Ich bin sehr interessiert an allem was Menschen bewegt: An der Musik die uns berührt, an schönen Bildern und Büchern, die mich zum Nachdenken bringen.Ich tauche in die Welt der schönen Momente ein und genieße sie jeden Tag. Mehr über mich

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