Seite auswählen

Ein guter Tag für die Musik

Ein guter Tag für die Musik

Happy Birthday, happy birthday to you an den österreichisch-ungarischen Komponisten Franz Lehár und den deutschen Komponisten Günter Raphael – zwei große Meister ihres Faches, die am selben Tag, den 30. April, geboren wurden! Diese Namen, haben sich definitiv einen Platz in unserem Kulturblog verdient!

Franz Lehár 1900

Der Operettenkönig
Franz Lehár feiert heute seinen 150. Geburtstag, und die ganze Welt singt mit bei seinen großen Liedern. Seine Werke werden bis heute noch auf der ganzen Welt aufgeführt und geliebt. Die großen Opernnamen wie Elina Garanca, Piotr Baczala, Anna Netrebko und und und… lassen uns Lehár’s Kunst nicht vergessen! Heute, wie bei jedem Musikbeitrag, wird viel Musik gehört und immer etwas dazu erzählt, so, wie es sich für einen Kulturblog gehört.

Aber beginnen wir mit der Biographie unserer heutigen Geburtstagskinder – keine Angst, ich werde euch nicht allzu langweilen und ins Detail gehen. Ein paar Fakten zu Beginn und anschließend Ton an, und genießen.

Franz Lehár ist in der damaligen österreichisch-ungarischen Monarchie geboren, im Jahr 1870. Er gilt zusammen mit den großen Komponisten Oscar Strauß, Emerich Kálmán und Leo Fall zu der Silbernen Operettenära (1900-1940). In dieser Zeit wurden das Johann Strauß-Theater, das Wiener Bürgertheater und das Wiener Stadttheater gebaut. Alle diese Künstler und deren Werke wurden dort aufgeführt und das mit großem Erfolg. Warum die „Silberne Ära“, fragt ihr euch wahrscheinlich? Es gab auch eine Goldene Operettenära, aber mit dieser beschäftigen wir uns ein anderes Mal.

So wie bei fast allen großen Komponisten, begann Lehár mit Klavierspielen und komponierte schon mit elf Jahren sein erstes Lied. Er besuchte ab dem Jahr 1882 das Prager Konservatorium und, ganz nach dem Wunsch seines Vaters, studierte er Violine. Aber dieses Instrument war nicht seine Stärke, sondern das Komponieren. Sogar der berühmte Komponist Antonín Dvořák war davon überzeugt, als er Franz´ Kompositionen hörte und ermutigte ihn weiterzumachen.

Von dieser Begabung und seinem Talent profitieren wir noch heute, denn wir kennen viele Stücke, wie z.B. „Die lustige Witwe“. Ein Stück, das viel Modernität und Erotik beinhaltet, was ungewöhnlich für diese Zeit war. Die Operette wurde vor Wiener Publikum am 30.Dezember 1905 im Theater an der Wien mit großem Erfolg uraufgeführt. Das Stück wurde bis heute mehr als 300.000-mal gespielt und sogar verfilmt, so beliebt war und ist es immer noch.

Ein großer Hit von der „lustigen Witwe“ ist „Lippen Schweigen“, das Lied, das auch ein Walzer ist. Am Anfang war dieses Stück nur als Melodie – ohne Text – gedacht, doch es entwickelte sich zu einem weltberühmten Duett und ist in einem Teil des zweiten Akts zu hören.

Quelle: Marcia M.

Lehár wollte in der Doppelmonarchie als ungarischer Komponist wahrgenommen werden und nicht als Österreicher. So schrieb er zwei Operetten auf Ungarisch. Die „Zigeunerliebe“ (1910) zum Beispiel, die Lehárs letzter internationaler Erfolg vor dem Ersten Weltkrieg war.

„Hör ich Cymbalklänge“ aus „Zigeunerliebe“ (1910)

„Wo die Lerche singt“ (1918) war nicht so ein Erfolg wie „Die lustige Witwe“, aber trotzdem wurde sie mehrere Jahre nach ihrer Uraufführung in Budapest (1.Februar 1819) auf der Bühne gespielt. In vielen deutschsprachigen Ländern war dieses Stück ebenfalls zu hören. Heute ist diese Operette selten zu bewundern, aber verschiedene Lieder daraus sind auf Konzerten zu hören.

Quelle: Vienna Radio Symphony Orchestra

Die Gattin von Franz Lehár war Jüdin. Er benutzte für seine Librettos Texte von jüdischen Schriftstellern und bewegte sich viel in ihren Kreisen. Da er ein großartiger und beliebter österreich-ungarischer Komponist war, fühlte er sich nicht von Hitler bedroht. Nein, er erhielt von ihm sogar eine Sondergenehmigung seine Werke weiter zu spielen.

„Meine Lippen, sie küssen so heiß“ aus „Giuditta“ (1934) ist ein Stück, in dem die Erotik auch nicht zu kurz kommt. Geschrieben hat es Franz für die tschechische Sopranistin Jarmila Novotna. Sie konnte nicht nur wunderschön singen, sondern auch Tanzen, was in einer Operette mindestens genauso wichtig ist!

Quelle: Anna Netrebko

Nach dem Krieg hielt sich Lehár in der Schweiz auf, wo er sich von Ärzten behandeln ließ. Er litt an einer Lungenentzündung und mehreren anderen Beschwerden, wie Augen-, Gallen- und Nierenproblemen. Schließlich zog er zurück nach Österreich, genauer gesagt nach Bad Ischl. Dort erhielt er im Jahr 1948 die Ehrenbürgerschaft. Kurz danach verstarb er.

Günter Raphael 1906

Günter Raphael
Unser zweites Geburtstagskind war, bis vor kurzem, für mich unbekannt. Auf seinen Namen und seine Werke machte mich meine liebe Freundin und Kollegin  Liliana Kehayova aufmerksam. Da unser Kulturblog nicht nur dafür da ist, dass ihr etwas Neues kennenlernt, sondern damit auch wir unseren kulturellen Horizont erweitern, entschied ich mich mehr über Raphael und seine Kompositionen erfahren zu wollen. Als Einstieg in seine Biographie präsentiere ich euch seine Sonate für Cello und Klavier, op. 14:

 

Quelle: Liliana Kehayova

Günter ist am heutigen Tag im Jahr 1903 in Berlin geboren. Er kam aus einer musikalischen Familie – der Vater war von Beruf Kantor (=Organist und Leiter eines Kirchenchors) und die Mutter war Organistin sowie Geigerin. Die Liebe zur Musik war naheliegend und er begann im jungen Alter von zehn Jahren zu komponieren; sein erstes Werk war ein kurzes Lied für Klavier. Der junge Komponist spielte selbst Bratsche und Klavier. Durch das Musizieren wollte er immer mehr über Musik wissen. So blieb ihm nur ein Weg: Er studierte die gesamte Kammermusik und Violinliteratur. Im Alter von 18 Jahren, erkannte er jede Partitur, die zu Hause zu finden war – ein unglaubliches Wissen!

Sein Leben führte ihn im Jahr 1922 zur Musikschule in Berlin, wo er Komposition bei dem berühmten Professor Robert Kahn studierte. Günter sammelte mit seinem Ehrgeiz und Interesse an Komposition über die Jahre so viel Wissen, sodass sein Professor ihm nicht wirklich etwas Neues vermitteln konnte.

Er schrieb unzählige Werke: Orchesterwerke (Große und Kleine Sinfonien), diverse Konzerte, Kammermusik, Klavier, Orgel-und Vokalwerke. Somit konnte ich mich schwer entscheiden, welches Werk ich euch als nächstes präsentieren kann. Aber ich denke, dass die Playlist, die ich für euch gefunden habe, ausführlich und für jeden Geschmack etwas dabei ist.

Quelle: WDR Sinfonieorchester Köln

Im Jahr 1925 war die Uraufführung des 1. Streichquartettes e-Moll durch das Busch Quartett in Berlin und ein paar Monate später die Urauff. des 2. Streichquartettes C-Dur. Als sein Durchbruch wird die Urauff. seiner 1.Sinfonie in Leipzig gesehen. Er konnte nicht nur gut komponieren, sondern auch unterrichten. Er bekleidete im Jahr 1926 die Stelle als Lehrer für Musiktheorie und Komposition am Landeskonservatorium für Musik Leipzig. Acht Jahre behielt er diese Position, bis ihm als Halbjude Berufs- und Aufführungsverbot erteilt wurde.

Günter Raphael heiratete eine Dänin, die Schülerin bei ihm war, und zog mit ihr nach Kopenhagen. In Deutschland hatte er nicht mehr die Möglichkeit sein Leben so zu führen, wie bisher. Alles war anders. Im Jahr 1934, als wäre es nicht schwer genug, erkrankte er auch noch an Tuberkulose. Die folgenden Jahre verbrachte er in Spitälern und Sanatorien. Diese Zeit wurde noch schwerer als erwartet. Die Musik fehlte ihm und die Freiheiten, die er als Musiker in Deutschland hatte.

Als der Krieg im Jahr 1945 zu Ende ging, war es endlich soweit und Raphael konnte seine bisher nicht veröffentlichten Werke aus der Zeit vor 1945 bei Verlagen unterbringen. Trotzdem fiel die Rückkehr nach 15 Jahren im Ausland schwer. Die Zeiten verbesserten sich für den Komponisten stetig – die Rundfunkanstalten öffneten ihm teilweise die Tore, jedoch war die Lehrstelle, wie damals in Leipzig, nicht in Sicht. Dafür ergab sich die Möglichkeit auf vielen Tourneen zu spielen. Zusätzlich hatte er Rundfunkauftritte als Klavier-Duo mit seiner Ehefrau Pauline.

Im Jahr 1948 erhielt er den Franz-Liszt-Preis für Komposition, mit dem auch sein Großvater, Albert Becker, vor 70 Jahren ausgezeichnet wurde. In der Zeit von 1949 bis zu seinem Tod 1960, konnte er wieder in Deutschland unterrichten. Er war Lehrer am Konservatorium in Duisburg, Dozent in Mainz (Peter-Cornelius-Konservatorium) und Köln (Musikhochschule) und bis zu seinem letzten Tag Professor in Köln. Er konnte sein Wissen und Können weitergeben, trotz der Jahre des Verbots. Er bleibt für uns ein großartiger Komponist, Musiker und Lehrer!

Eure Kultur Jacky

Beitragsbild: „Franz Lehár – Autogramm“

Über den Autor

Kultur Jacky

Kunst und Kultur sind nicht nur meine Leidenschaft, sondern auch mein Beruf. Ich bin sehr interessiert an allem was Menschen bewegt: An der Musik die uns berührt, an schönen Bildern und Büchern, die mich zum Nachdenken bringen.Ich tauche in die Welt der schönen Momente ein und genieße sie jeden Tag. Mehr über mich

KULT-UHR: ANSTEHENDE VERANSTALTUNGEN

Es gibt derzeit keine bevorstehenden Veranstaltungen.