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Steinerne Schönheit

Steinerne Schönheit

   Notre – Dame de Paris

Nein, dieser Beitrag war nicht vorgesehen, aber der gegebene Anlass ist ein trauriger, jedoch treffender Grund bei diesem steinernen Zeitzeugen zu verweilen.

1163 wurde mit dem Bau im romanischen Stil begonnen, jedoch mit dem Entstehen der neuen gotischen Architekturform, setzte eine dahin gehende Umgestaltung und Modernisierung ein.

Die Kirche wurde in 4 Bauphasen errichtet, wobei man alleine für die Fundamente 18 Jahre benötigte. An dem prominenten Standort, der Seine – Insel, Ile de la Cité, stand schon seit dem Jahre 550 ein Sakralbau – die „Cathédrale St. Etienne“.

Ein Wunderwerk der Glaskunst, die im Durchmesser 12 Meter große Fensterrose, wurde in den Jahren 1220-1225 eingesetzt, und nimmt die gesamte Fassadenbreite des Querhauses ein und ist somit eine der größten ihrer Zeit.

1240 beschloss die Stadt keine Spitztürme zu errichten. 1250 war der Bau soweit abgeschlossen, dass er funktionstüchtig war und seinem Zweck entsprechend verwendet werden konnte.

Die nächsten 95 Jahre verwendete man für die bereits erwähnten Modernisierungen und zusätzliche Erweiterungen Im Jahr 1345 war die Kathedrale, nach 182 Jahren Bauzeit, vollendet.

Auf jeden Fall erwähnenswert sind die grotesken Fabelwesen die als Figuren und Wasserspeier an der Fassade sitzend über Paris blicken. Durch den witterungsbedingt schlechten Zustand wurden sie aber im 19. Jahrhundert erneuert.

Ruhig überragten die Türme die nächsten 400 Jahre die Dächer der Stadt, jedoch wurden leider im 18.Jahrhundert ein großer Teil der Figuren an den Türmen entfernt.

Sein schlimmstes Geschick erlebte der Bau zur Zeit der Französischen Revolution. Die Inneneinrichtung wurde zerstört, Metallgegenstände eingeschmolzen und zu einem „Tempel der Vernunft“ entweiht. Glücklicherweise teilte die Kathedrale nicht das Schicksal vieler Klöster, welche in dieser Zeit zerstört wurden. Von 20 Glocken, die die Kirche besaß, überlebte nur eine. Am Tiefpunkt seines Daseins fungierte der Sakralbau als Weindepot.

Napoleon erlaubte ab 1802 wieder die ursprüngliche Nutzung als Gotteshaus und 1804 krönte er sich dort selbst zum Kaiser der Franzosen. Krönungen waren dort unüblich, denn die Krönungskirche der französischen Könige war die Kathedrale von Reims.

Die Julirevolution von 1830 sorgte für eine Verheerung im Erzbischöflichen Palais und in der Schatzkammer des Heiligtums.

Der positive Umschwung erfolgte 1831 durch das Erscheinen des, unter deutschem Titel „Der Glöckner von Notre Dame“, erschienen Roman von Victor Hugo.

Foto: © Nadar

Er führte zu einer Rückbesinnung unter der Bevölkerung auf die unvergängliche Schönheit ihrer Kathedrale, die 1844 in eine 20 Jahre dauernde Restaurierung mündete. Seit damals ist sie den Franzosen wieder so ans Herz gewachsen, dass  viele von ihnen vor wenigen Tagen schockiert und in Tränen vor ihrem brennenden Wahrzeichen standen.

Notre Damé de Paris zählt zu den 10 bedeutendsten gotischen Kathedralen der Welt, ist das älteste Wahrzeichen der Stadt, mit 130 Metern länger als jedes Fußballfeld, sie fasst nahezu 10.000 Menschen, hat etliche Kriege und Revolutionen überstanden und hätte beinahe in unserem digitalen, überreglementierten Zeitalter als Treppenwitz der Geschichte geendet, indem sie trotz all unserer Technik und Sicherheitsbedenken niedergebrannt wäre.

Wir hätten beinahe eine steinerne Schönheit verloren, in der sich seit fast 700 Jahren Menschen zusammengefunden haben um der Schöpfung, dem Leben, Gott oder dem menschlichen Können und Wollen ihre Achtung zu erbieten.

Solcher Reichtum an Erhabenheit, Glanz und Fülle wirkt auf Seele und Geist auch abseits jeglicher Religion!

Anstatt hier ausführlich über die Architektur zu schreiben, finde ich zielführender dieses Video anzusehen.

Im Jahre 1945 hat ein ähnliches Schicksal die Stephanskirche in Wien getroffen. Damals wurde die legendäre „Dachziegel – Aktion“ ins Leben gerufen. Jedermann konnte, um 5 Schilling pro Stück, Ziegeln für die Erneuerung des Daches  kaufen. 7 Jahre später erstrahlte der Dom in neuem Glanz.

Das macht mich sehr hoffnungsfroh, dass dieser kulturelle Alptraum in absehbarer Zeit aus unseren Köpfen verschwinden wird!

Euer Kultur Jack!

Über den Autor

Kultur Jack

Vor längerer Zeit in Wien geboren, und bis heute mit der Ortswahl glücklich! Da man von kultureller Leidenschaft allein schwer leben kann, bin ich, im kaufmännischen Bereich, selbständig tätig. Meiner Meinung nach, sollte man geistige Genüsse, nach deren Entdeckung, teilen und weitergeben, damit so viele Menschen wie möglich davon berührt werden. Es liegt ja auch im Sinne des Künstlers, sonst würde er ja kein Buch drucken lassen, oder Bilder zur Schau stellen. Mehr über mich !

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